Geschäftsbericht 2019 der Telecom Liechtenstein AG (Nr. 43/2020)
Landtagspräsident Albert Frick
Wir kommen zu Traktandum 21: Geschäftsbericht 2019 der Telecom Liechtenstein AG.Bericht Nr. 43/2020 steht zur Diskussion.Abg. Günter Vogt
Danke, Herr Landtagspräsident. Die Telecom Liechtenstein befindet sich aktuell in einer Transformationsphase und scheint im Berichtsjahr in diesem liberalisierten Markt bei ihren Marktbegleitern angekommen zu sein. Der europäische Telecom-Markt befindet sich in einem schwierigen, technologisch anspruchsvollen und fordernden Umfeld. Der intensive Konkurrenzkampf führt nicht nur zu deutlichen Reduktionen im Preisniveau. Dieser Druck wird die Telecom auch fordern, in dieser Situation nicht mehr in einem regulatorisch geschützten Markt tätig zu sein, sich wiederkehrend anzustrengen, innovativ zu sein und Effizienzsteigerungen im Auge zu behalten. Den Einleitungssatz mit der Definition der Ziele im Editorial des Geschäftsberichtes, «strategisch, qualitativ, nachhaltig» für die Bevölkerung und die in Liechtenstein tätigen Unternehmen tätig zu sein und diesen hochstehende Dienstleistungen, Produkte und Versorgungsqualität anbieten zu wollen, kann ich nur unterstreichen. Die erst kürzlich erfolgten massiven Störungen der Swisscom in der Schweiz, welche sich flächendeckend und nicht nur das Mobilnetz betreffend gestaltet haben, zeigen, wie volatil sich die Netzwerkstabilität auf einem hohen Niveau zu halten gestaltet. Immerhin war dieser Umstand beim Provider unseres Nachbarlandes bereits der vierte wesentliche Unterbruch in diesem Jahr. Ich gratuliere der Telecom, dass sich die hohen Anstrengungen, für die Zuverlässigkeit und die Netzwerk- und Servicequalität zu investieren, jetzt in Stabilität auszahlen. Dies bedeutet hohe Investitionen für die Ablösung der alten Netzinfrastruktur. Die Ausfallsicherheit wurde seit der Inbetriebnahme des neuen IP-Core-Systems auch markant erhöht. Die Telecom Liechtenstein konzentriert sich aufgrund des überschaubaren lokalen Heimmarktes auf einen Wachstumsmarkt mit Umsatzpotenzial in der Schweiz. Die Rückgänge und die sinkenden Margen im Festnetzbereich bedeuten für die Telecom Liechtenstein aber eine generelle strukturelle Herausforderung. Zusätzliche Erlösquellen sieht die Telecom Liechtenstein in neuen Wachstumsmärkten und Applikationen wie dem Internet der Dinge oder der Cyber Security. Das Engagement, sich nicht nur im einheimischen etablierten Markt zu fokussieren, erschien mir schon in meinen Aussagen zu den vergangenen Geschäftsberichten als gewagt. Solche Auslandaktivitäten hatten sich in der Vergangenheit auch schon mehrfach als Rohrkrepierer erwiesen. Für die Telecom Liechtenstein als staatliches Unternehmen gilt eine entsprechende Vorsicht weiterhin für angebracht. Die Umsatzentwicklungen in diesen neuen Geschäftsfeldern, auch gewisse Nischenmärkte im Ausland zu bedienen, scheinen der Telecom Liechtenstein zumindest im Ergebnis nun aber recht zu geben. Gemäss Geschäftsbericht auf Seite 16 wird die Telecom Liechtenstein per Ende 2020 aufgrund des starken Wachstums erstmals mehr Mobilfunkendkunden in der Schweiz bedienen als in unserem Land. Die Erosion in der Festnetztelefonie entwickelt sich in einem ähnlichen Verhältnis wie in unseren Nachbarländern. Auf Seite 7 im Bericht ist ersichtlich, dass diese Erosion ununterbrochen weitergeht. Wohin diese Reise gehen wird, ist in der Entwicklung der nordischen Länder zu sehen. Für die Telecom bedeutet dies im Berichtsjahr einen weiteren Rückgang von über 2'000 Anschlüssen oder um 14%. Das negative Jahresergebnis über CHF 1,5 Mio., welches von Restrukturierungsmassnahmen und Transfor-mationseffekten durch den ehemaligen Partner beeinflusst ist, weist zumindest ohne diesen Effekt einen freien, positiven EBITDA aus. Die Telecom Liechtenstein ist liquide und mit einem soliden Eigenkapital auch gut finanziert.Nicht nur die Telecom Liechtenstein wird durch den Entscheid über die Partnerschaft mit der Telekom Austria AG beeinflusst, auch das Land Liechtenstein wird diese ehemalige Beteiligung mit der vertraglich vereinbarten Put-Option abgelten müssen. Ich bitte den Wirtschaftsminister auszuführen, wie sich diese Verhandlungen, welche im Rechenschaftsbericht als pro memoria geführter Betrag in dieser Verbindlichkeit gestalten, und wie sich diese Verhandlungen mit Blick auf eine weitere Zusammenarbeit ebenfalls gestalten. Das technische Rückgrat des Mobilfunkservices wird weiterhin von der Telekom Austria abgewickelt werden. Dieser Rückzug aus dem Aktionariat wird die Kosten der bestehenden Serviceverträge wohl auch substanziell beeinflussen und ich bin ebenso gespannt, welche Chancen mit den auf Seite 23 angesprochenen zusätzlichen Partnerschaften geplant sind. Die Telecom ist in wettbewerbsintensiven Geschäftsfeldern tätig und nicht nur durch die Schweizer, sondern auch durch die durch den EU-/EWR-Status hervorgerufenen regulatorischen Bindungen stark und extrem gefordert. Aus diesem Blickwinkel bedanke ich mich abschliessend bei allen Mitarbeitern, bei der Geschäftsleitung und beim Verwaltungsrat der Telecom für diese geleistete Arbeit. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Daniel Oehry
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, geschätzte Damen und Herren Abgeordnete, es ist das erklärte Ziel der Telecom Liechtenstein, der Bevölkerung und den in Liechtenstein tätigen Unternehmen langfristig und zu wettbewerbsfähigen Preisen eine hochstehende Dienstleistungs- und Versorgungsqualität anzubieten. Die bereits 2018 eingeleitete Transformation des Unternehmens soll dies sicherstellen und zeigt aus Sicht des Verwaltungsrates erste Erfolge. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wurde spürbar verbessert, was auch durch positive Kundenrückmeldungen bestätigt wird. Die Branche befindet sich in einem sehr grossen Wandel und die grossen Veränderungen im Kerngeschäft hinterlassen dieses Jahr im Geschäftsbericht 2019 ihre Spuren. Zusätzlich negativ beeinflusst durch Restrukturierungskosten weist die Telecom Liechtenstein ein negatives Jahresergebnis aus, welches sich jedoch im Rahmen der mittelfristigen Planung bewegt. Meine Zusammenfassung der Sichtweise des Verwaltungsrates lässt auch ohne einen Blick in die Kennzahlen erkennen, dass sich die Telecom Liechtenstein in einer schwierigen Situation befindet. Ein Einbruch des Kerngeschäfts führt zur Frage, wie sich dieser Effekt in den nächsten Jahren auswirkt und ob dieser Einbruch durch andere Geschäftsfelder kompensiert werden kann. Seite 7 illustriert dies sehr gut: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Festnetzanschlüsse um 14% zurückgegangen. Heute verfügen in Liechtenstein von 100 Einwohnern noch 41,8 über einen Festnetzanschluss. In der Schweiz sind dies 43,3, in Österreich 43,1 und demzufolge liegen wir knapp dahinter. Ein Blick auf die Zahlen von Dänemark mit 25,1, Norwegen mit 14,1 und Finnland mit 6,9 lässt erahnen, wo wir landen könnten. Festnetzanschlüsse verlieren ihre Relevanz, bringen kein Geld mehr und somit ist das Kerngeschäft der Vergangenheit keines für die Zukunft. Der auch stattfindende Wechsel auf Glasfaser führt zu einer zusätzlichen Herausforderung. In Liechtenstein können 40'000 Einwohner aus 16 Anbietern auswählen und in der Schweiz fällt ein Anbieter auf 50'000 Einwohner. Für die Kunden in Liechtenstein ist dies natürlich sehr gut, aber für die Telecom zeigt dies auch, wie umkämpft der Markt bei uns ist. Dazu kommt, dass beim Wechsel auf Glasfaser jeder Kunde einen neuen Vertrag abschliessen muss und darum auch gezwungen wird, einen Anbieter auszuwählen. Studien zeigen, dass die Entscheidung, den Provider zu wechseln, nur selten erfolgt. Aber hier wird das durch den Systemwechsel auf Glasfaser quasi erzwungen. Dies führt bei der Telecom Liechtenstein dazu, dass sie als grösster Anbieter erfahrungsgemäss Marktanteile an kleinere Mittbewerber verliert. Dieser und andere Effekte führen 2019 zu einem Jahresverlust von CHF 4,8 Mio. und im Vergleich zum Vorjahresgewinn von CHF 1,1 Mio. zu einer Veränderung von CHF 5,9 Mio. Ein Blick in die Details lässt erkennen, welche Einflüsse dieses Ergebnis herbeiführten: Der Ausstieg der Telekom Austria als Minderheitsaktionär führte zu einer Auflösung einer Goodwill-Position im Wert von CHF 0,7 Mio. und einer nicht mehr werthaltigen Bilanzposition von CHF 2,3 Mio. Seit einiger Zeit mehren sich die Stimmen von Finanzexperten, die der Meinung sind, dass solche Goodwill-Positionen abzuschreiben sind. Vorgeschrieben ist dies gemäss Bilanzierungsvorschriften nicht. Weil dies jedoch 2019 bereinigt werden musste, fallen CHF 0,7 Mio. zusätzlich negativ auf. Die CHF 2,3 Mio. basieren auf einem Projekt, welches zwischen 2015 und 2017 entwickelt wurde. An dieser Stelle frage ich mich, warum etwas bis 2017 entwickelt wird, im 2018er Geschäftsbericht mit keinem Wort erwähnt wird und wir dann 2019 zur Kenntnis nehmen müssen, dass weitere CHF 2,3 Mio. abzuschreiben sind. Das führt unweigerlich zur Frage, wie aus dieser Misere ausgebrochen werden kann. Die Antworten aus dem Geschäftsbericht fasse ich als Strategieupdate, Restrukturierung und neuen Fokus konsequent anwenden zusammen. Als erster Schritt führte die Reduktion beim Kerngeschäft zur Streichung von 10,5 Stellen und der Fokus beim Wachstumsmarkt zum Aufbau von zwei Stellen. Als nächster Schritt wurde durch den VR die Geschäftsleitung von fünf auf drei Mitglieder verkleinert. Aus dem Lagebericht von Seite 9 kann entnommen werden, dass diese Transformation 2020 abgeschlossen sein soll und mittelfristig wieder ein positives Jahresergebnis erzielt wird. Um dies zu konkretisieren, habe ich den Blick auf Seite 46 gewagt, um herauszufinden, ob dies hier ersichtlich wird. Leider kann dies auch hier nicht entnommen werden, denn: «2020 und die Jahre danach stehen ... ganz im Zeichen der weiteren Umsetzung des Transformationsprogramms». Ab Seite 11 wird die Chance der Digitalisierung dargestellt und es werden Elemente wie Cyber Security, Internet der Dinge, Wachstumsmarkt Schweiz und weitere Chancen dargestellt. Hier können rückblickend grosse Wachstumszahlen ausgewiesen werden und ich hoffe, dass die Telecom Liechtenstein sich durch ihr Know-how und eine geschickte Geschäftspolitik einen Teil dieses Kuchens sichern wird. Das neue Glasfasernetz könnte auch zu neuen Erträgen führen. Weil das Netz aber den LKW gehört, kann die Telecom Liechtenstein nur indirekt Nutzniesser sein. Nebst der Glasfaserchance befasst sich die Telecom Liechtenstein auch mit dem Potenzial der 5G-Technologie - aber nicht nur in Bezug auf die Strahlung, sondern, wie auf Seite 21 nachzulesen ist, auch in Bezug auf die dazu nötige Sendeinfrastruktur. Warum werden die Ergebnisse dieser Überlegungen der nötigen 5G-Netzinfrastruktur nicht in diesem Geschäftsbericht im Ausblick skizziert? Die Umstellung von der Beteiligungslösung zur Servicepartnerschaft mit der A1 Telekom Austria Group wird auf Seite 23 als Chance und auf der Seite 28 als Risikopotenzial dargestellt. Ich hoffe, dass sich dies als Chance herausstellt, aber mein Gefühl sagt mir, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Bei der Beurteilung der Chancen und Risiken stelle ich mir auch die Frage, ob das Gerichtsverfahren zur Kündigung des ehemaligen VR-Präsidenten auch zu finanziellen Konsequenzen für die Telecom Liechtenstein führen kann, wobei mir auch bewusst ist, dass dies im Moment noch zu keiner Antwort führen wird. Allen Mitarbeitenden der Telecom Liechtenstein inklusive GL und VR wünsche ich, dass ihr Ausblick sich bewahrheitet, sie neue Potenziale erschliessen und die Telecom Liechtenstein gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird. Mir ist bewusst, dass kein Bonus und die Restrukturierungsmassnahmen für die Betroffenen nicht einfach sind, aber in dieser Situation wäre alles andere nicht denkbar. Sehr viele Betriebe in Liechtenstein mussten aufgrund der Coronapandemie flexibel reagieren, den Mitarbeitenden vieles abverlangen und darum gilt das Folgende in diesem Sinne auch für alle anderen Betriebe: Liebe Mitarbeitende der Telecom Liechtenstein, ein grosses Dankeschön für euer Engagement und eure Treue, die ihr trotz schwieriger Umstände an den Tag legt. Danke für den transparenten und gut nachvollziehbaren Jahresbericht. Und ich bin mir sicher, dass die Telecom Liechtenstein wieder bessere Zeiten sehen wird. Herzlichen Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Ich unterbreche an dieser Stelle die Debatte für eine Pause bis 11 Uhr.Die Sitzung ist unterbrochen (von 10:40 bis 11 Uhr).
Landtagspräsident Albert Frick
Geschätzte Frauen und Herren Abgeordnete, wir fahren mit der Beratung des Geschäftsberichts 2019 der Telecom Liechtenstein fort. Stv. Abg. Helen Konzett
Danke, Herr Präsident. Geschätzte Anwesende, wie auch bei den anderen Staatsunternehmen, so stand auch bei der Telecom Liechtenstein AG die digitale Transformation im Fokus des Unternehmens im Geschäftsjahr 2019. Das Geschäftsjahr 2019 war geprägt von Restrukturierung und Transformation. Die Telecom Liechtenstein weist für das Geschäftsjahr 2019 einen Jahresverlust von knapp CHF 4,8 Mio. aus. Das Eigenkapital beträgt knapp CHF 63 Mio. Im Vorjahr waren es noch CHF 67,7 Mio. gewesen. Ein starker Wettbewerb prägt den Markt, in welchem sich die Telecom bewegt und in welchem sie sich den Entwicklungen mittels einer Transformationsstrategie und mittels Restrukturierungen anpassen musste. Dennoch tätigte sie wie geplant Investitionen aus Eigenmitteln von CHF 5,3 Mio. vor allem in die Glasfaserzugänge. Im 2019 wurden zudem Rückstellungen von CHF 2,8 Mio. gebildet. Die Telecom Liechtenstein AG beschäftigte im Berichtsjahr 115 Mitarbeitende mit 111 Vollzeitäquivalenten - gegenüber dem Vorjahr nahm der Bestand geringfügig ab. Die Zahlen zeigen, dass nur sehr wenige Mitarbeitende bei der Telecom in Teilzeit angestellt sind. Die Telecom Liechtenstein AG sieht die Zukunft als herausfordernd. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass die Telecom aufgrund des negativen Ergebnisses im Berichtsjahr keinen Anspruch auf Bonusausschüttungen vorsah und keine generellen Lohnerhöhungen an die Mitarbeitenden gewährte, dennoch erachte ich es als wichtig, die Mitarbeiterzufriedenheit in der Priorität des Unternehmens hoch anzusetzen und in diesem Jahr wieder, wenn möglich, die Löhne in den Fokus zu nehmen - trotz oder gerade wegen der grossen Herausforderungen des Unternehmens in seiner Transformationsphase und im Bemühen, die Effizienz der Abläufe zu steigern. Auch Bedürfnisse wie Teilzeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Männer und Frauen können die Mitarbeiterzufriedenheit mitprägen. Die Telecom Liechtenstein ist auf Partnersuche und hat neue Wachstumsfelder identifiziert: Im Bericht nennt die Telecom den Schweizer Markt - ich weiss nicht, wie man das ausspricht -, M2M/IoT und die Cyber Sicherheit als solche neuen Geschäftsfelder. Man darf gespannt sein, wie sich hier die Aktivitäten der Telecom weiterentwickeln werden. Die Telecom Liechtenstein spricht im Zusammenhang mit der Digitalisierung nicht nur von einer absoluten Notwendigkeit, sondern gar von einer Neuausrichtung des Unternehmens. Sie erneuert die digitalen Infrastrukturen in Zusammenarbeit mit Technologiepartnern mittels rekordhohen Investitionen. Das Unternehmen bewegt sich auch nicht mehr wie früher in einem geschützten Rahmen, sondern in einem komplett freien Wettbewerb auf allen Produkt- und Dienstleistungsgebieten. Das sind zusammengefasst die Herausforderungen des Unternehmens in der Gegenwart und nahen Zukunft. Die Festnetztelefonie erodiert und verschwindet vielleicht bald ganz. Die Entwicklung wird, wie die Telecom schreibt, durch den Ausbau der Glasfaser noch beschleunigt, weil jeder Endkunde einen neuen Vertrag für glasfaserbasierte Produkte abschliesst. Dieser Schwung wird sich im laufenden Jahr richtig zeigen beziehungsweise richtig durchsetzen. Dabei bleibt weiterhin zentrale Mission der Telecom, der Bevölkerung Liechtensteins eine hochstehende Dienstleitungs- und Versorgungsqualität zur Verfügung zu stellen - und dies langfristig und zu wettbewerbsfähigen Preisen. Den Mitarbeitenden und den Verantwortlichen der Telecom danke ich herzlich für ihr ausserordentliches Engagement für unsere Bevölkerung und wünsche dem Unternehmen weiterhin alles Gute und viel Erfolg. Danke. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Thomas Rehak
Besten Dank für das Wort. Auch ich bedanke mich zu Beginn bei den Mitarbeitern der Telecom Liechtenstein für ihre Arbeit im Jahr 2019. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht gerade noch akzeptabel, denn die Telecom steht vor sehr grossen Herausforderungen, welche sie im Geschäftsbericht auch eindrücklich dokumentiert. Die eine Herausforderung - haben wir schon gehört - ist das rückläufige Kerngeschäft im Festnetztelefonie-Bereich. Das bedeutet für die Telecom: Umsatzverlust. Des Weiteren bemerkt die Telecom, dass es tiefe Einstiegsbarrieren für Mitbewerber gebe. Das bedeutet für die Telecom: Preisdruck. Durch den Glasfaserausbau sind alle Kunden erneut auf dem Markt. Das heisst, diese Kunden sind offen, mit einem neuen Provider einen Vertrag einzugehen. Das heisst für die Telecom: Umsatzverlust. Zudem verlangen die LKW hohe Infrastrukturgebühren, die deutlich - das schreibt die Telecom - über dem europäischen Durchschnitt liegen. Das bedeutet für die Telecom: erhöhte Kosten. Des Weiteren hat die Telecom auch ausgeführt, dass die Endkunden-Preisregulation nach dem europäischen Benchmark gemacht wird und es deshalb ein Regulationsgefälle gebe, weil die Bewertung der Telekommunikationsnetze auf der Vollkostenrechnung basiere. Damit ist die Vergleichbarkeit mit dem Ausland für die Telecom schwieriger. Der Ausstieg der Telekom Austria bedeutet für die Telecom sehr wahrscheinlich höhere und teurere Serviceverträge. Zudem bedeutet das auch einen Know-how-Verlust, einen Technologiezugangsverlust und auch den Verlust modernster Mobilfunktechnologie. Schlussendlich endet das für die Telecom in steigenden Kosten. Eine weitere Herausforderung ist eben, dass der starke Partner in Zukunft fehlen wird. Für die Telecom bedeutet das weniger Synergien und weniger Optionen. Das sind die wesentlichsten Herausforderungen, vor welchen die Telecom heute steht. Natürlich hat die Telecom auch Chancen: Sie ist sehr gut kapitalisiert mit CHF 37 Mio. Finanzreserven, sie hat keine Liquiditätssorgen, des Weiteren ist sie dabei, ihr Marktgebiet langsam auszudehnen. Für die Telecom sind das Chancen, ihre Umsätze zu steigern. Dann hat die Telecom auch Chancen - sie hat es ausgeführt - mit Innovation von neuen Produkten. Ein Teil ist Wholesale, wo sie ihre Produkte Dritten zur Verfügung stellt, welche sie weiterverkaufen. Wir haben auch gehört Machine-to-Machine-Kommunikation. Dort ist die Telecom sehr erfolgreich und auch im Internet der Dinge. So verkaufte sie zum Beispiel im letzten Jahr eine Million SIM-Karten mit 100 Terabyte Daten. Dazu möchte ich der Telecom gratulieren. Ich frage mich allerdings, ob das im gleichen Rahmen weiterhin möglich sein wird, ohne einen starken Partner im Mobilfunkbereich. Natürlich bestehen für die Telecom auch erhebliche Risiken: Sie kann sich zum Beispiel den falschen Partner für die Zukunft aussuchen. Das bedeutet ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sie kann auch auf falsche Produkte setzen. Das ist der Telecom passiert, Sie müssen nur schauen, wie die ausserordentliche Abschreibung zustande kommt. Auf der Seite 9 ist das ausgeführt: Dort steht, dass sie für die IMSI-Catcher Detektion rund CHF 2,3 Mio. abschreiben hat müssen. Dann ist die Telecom auch ein europäischer Einzelgänger: Die Telecom als praktisch einziges Telekommunikationsunternehmen hat keine eigene Netzwerkinfrastruktur. Das heisst für die Telecom: fehlende Einnahmen und Synergien. Ungleiche Voraussetzungen, wie die Swisscom beim geplanten Verkauf von 2013 gehabt hätte - ich zitiere hier aus dem Bericht und Antrag Nr. 21/2013 wie folgt: «Im Rahmen dieser Prämissen hat die Swisscom von Beginn weg unter anderem dargelegt, dass die Hoheit über die Netzinfrastruktur an die Swisscom übergehen müsse, um insbesondere die angestrebten Effizienzverbesserung und Skaleneffekte durch eine vollständige Integration in die Betriebsumgebung und Prozesse erzielen zu können.» Diese Prämisse wurde vom Marktführer in der Schweiz eindeutig und unmissverständlich formuliert. Für mich ist nach wie vor klar, weshalb ich diese logische und sinnvolle Bedingung nicht auch für die nun bald wieder zu 100% in Staatshand liegende Telecom zur Anwendung bringe: Wenn wir nämlich tatsächlich wollen, dass die Telecom mittel- bis langfristig bestehen soll, braucht dieses Unternehmen analog der Swisscom eine Netzinfrastruktur. Die bestehende Abhängigkeit der Telecom von den LKW bezüglich Preisen und der strategischen Netzplanung sowie deren Unterhalt ist für einen Telekommunikationsanbieter hinderlich. Für die Swisscom war im Jahr 2013 die Netzhoheit nicht verhandelbar. Für mich ist nach wie vor nicht nachvollziehbar, dass wir eine komplett andere Strategie wie unsere europäischen Nachbarn verfolgen. Dass unsere horizontale Dienstaufteilung schlechter funktioniert, wird sich in den kommenden Jahren noch stärker akzentuieren. Schade für ein Unternehmen, das aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung im richtigen Segment mit den richtigen Produkten arbeitet, aber auf Skaleneffekte und Effizienzsteigerungen verzichten muss. Bildlich gesprochen befindet sich die Telecom barfuss auf einem Bergmarathon. Ich bin gespannt, wann die ersten Fragen auftauchen, weshalb man nicht im ersten Drittel mitlaufen kann. Danke. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Manfred Kaufmann
Besten Dank für das Wort, sehr geehrter Herr Präsident. Sehr geehrte Frauen und Herren Abgeordnete, die Telecom Liechtenstein ist im Vergleich zu den anderen staatsnahen Unternehmen eindeutig am meisten dem freien Markt ausgesetzt und sieht sich vor grossen Veränderungen. Wie man aus dem Geschäftsbericht erkennen kann, muss sich die Telecom Liechtenstein auf verschiedenen Ebenen den sich ändernden Marktbegebenheiten anpassen. Wenn ich den Geschäftsbericht lese, kommt es mir vor, als ob die Telecom Liechtenstein in unterschiedlichen Bereichen aus verschiedenen Richtungen in die Mangel genommen wird und in den nächsten Jahren vor sehr grossen Herausforderungen stehen wird. So sieht sich die Telecom Liechtenstein techno-logisch sowohl mit Veränderungen im Mobilfunkbereich - mit dem am Mittwoch im Landtag besprochenen Thema zu 5G - als auch mit dem Umbau auf Glas konfrontiert. Beides Themen, welche die Kostenstruktur des Unternehmens negativ beeinflussen. Der Umbau im Glasbereich beschleunigt die Erosion der Festnetztelefonanschlüsse. Hier drücken die eingeführte Nummernportierung und die dadurch entstandene Konkurrenz zusätzlich auf die Anschlusszahlen. Wie aus dem Geschäftsbericht ersichtlich ist, liegen die Festnetzanschlusszahlen pro 100 Einwohner in Liechtenstein bereits unter denen der Schweiz und Österreich. Mit dem Ausbau auf Glas und dem Ausschalten der Kupferinfrastruktur fallen weitere Kosten an und Einnahmen aus dem Fernseh- und Radioanschluss fallen weg. Zusätzlich steht jeder Kunde de facto vor einem neuen Vertragsabschluss und muss sich für ein neues Produkt oder für einen neuen Anbieter entscheiden. Dass die Glas- und Kupferinfrastruktur nicht im Besitz der Telecom Liechtenstein ist, kommt in der Planung und Umsetzung sicher erschwerend dazu. Der Umbau könnte in einem solchen Szenario ressourcen- und kostenschonender durchgeführt werden. Dafür hat man in Liechtenstein auf der anderen Seite mehr Wettbewerb und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Angebot. Eine weitere Herausforderung ist die regulatorische Androhung, die Terminierungsrate auf das Niveau der grossen Anbieter in Europa zu senken - dies wird die Einnahmen einschneidend reduzieren. Hier profitieren die Endkunden nicht direkt, sondern die angeschlossenen internationalen Anbieter. Dem allem nicht genug hat sich die A1 Telekom Austria Group letztes Jahr entschieden, ihren Aktienanteil an das Land zurück zu verkaufen. Eine Verteuerung der aktuellen Serviceverträge ist absehbar und eine logische Folge daraus. Die Telecom Liechtenstein muss sich nun neue Beteiligungsmöglichkeiten oder strategische Partnerschaften suchen, um die Marktherausforderungen zu bestehen. Die Telecom Liechtenstein muss sich in den nächsten Jahren neu erfinden, sich transformieren, um das bestehende Geschäft in Liechtenstein bestmöglich zu stabilisieren und das Neugeschäft weiter aufzubauen. Eine Nachhaltigkeit des Geschäftes ist heute noch nicht sichergestellt und wird sicher noch etwas Zeit benötigen. Die ausserordentlich gute finanzielle Lage der Firma hilft, diese Phase zu überbrücken. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass sich die Kundenzufriedenheit aufgrund des Einsatzes der Telecom-Mitarbeiter deutlich gesteigert hat. Dies kann ich aus meiner eigenen Erfahrung nur bestätigen. Die Dienste sind deutlich stabiler und die Kunden können attraktive Produkte nutzen. Ich wünsche dem Team der Telecom Liechtenstein auf diesem Weg alles Gute und bedanke mich für ihre geleistete Arbeit. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch
Vielen Dank für das Wort, Herr Präsident. Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete, auch und besonders bei der Telecom Liechtenstein danke ich den Mitarbeitenden, der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat für die Arbeit und die Leistungen im letzten Jahr. Es war alles andere als einfach in diesem zum einen natürlich sich stark verändernden Umfeld, zum anderen aber natürlich auch aufgrund der Thematiken mit der Telekom Austria und dem Ausscheiden aus dem Aktionariat. Also insofern war das jetzt sicher ein sehr ereignisreiches und schwieriges Jahr und deshalb möchte ich das besonders verdanken.Die Voten lassen sich vielleicht ein bisschen in die Richtung zusammenfassen: Was gut für die Kunden ist, ist schwierig für die Anbieter - und natürlich insbesondere für den grössten Anbieter, weil der grösste Anbieter immer auch am meisten zu verlieren hat. Ich komme zu den Fragen und starte mit dem Abg. Günter Vogt: Sie haben gefragt zum Ausscheiden der Telekom Austria, was ja auf Seite 23 im Geschäftsbericht auch beleuchtet wird, und wie es um diese Exit-Verhandlungen steht beziehungsweise was das für einen Einfluss auf die Serviceverträge haben kann. Dazu ist einfach die Eignerebene zu unterscheiden, wo das Land Liechtenstein und die Telekom Austria, wo die Aktien dann irgendwann den Eigentümer wechseln und wir wieder 100% der Aktien haben. Da ist der Prozess vorgezeichnet im entsprechenden Vertrag. Und der wird im Moment beschritten und ich bin zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen, maximal Monaten, dieser Prozess abgeschlossen werden kann. Man schreitet da also voran. Und dann gibt es quasi die Ebene der Unternehmen. Das heisst, dort wo eben die Telekom Austria operativ mit der Telecom Liechtenstein zusammenarbeitet. Und da werden jetzt unter den neuen Vorzeichen die Verträge angeschaut und die Telecom schaut sich natürlich auch frei auf dem Markt herum. Also das kann sie natürlich, schauen, was es denn sonst für Anbieter gäbe, die ähnliche Services anbieten. Ich glaube, es ist auch eine Pflicht, das zu tun, zu schauen, ob allenfalls bessere Angebote da sein könnten. Aber über die Details dieser Verhandlungen und Gespräche kann ich keine weiteren Ausführungen machen. Nur so viel: Ich glaube, was wirklich im Zentrum steht, ist der gute Service, der den Kunden angeboten wird. Ich glaube, da kann man wirklich sehen, dass gerade auch in den letzten zwölf Monaten oder auch im letzten Geschäftsjahr die Telecom Liechtenstein eine wirklich herausragende Arbeit gemacht hat, gerade auch auf der technischen Seite, aber auch - wie es der Abg. Daniel Oehry gesagt hat - im Bereich Preis-Leistung die Angebote wirklich geprüft hat und heute aus Sicht der Kunden sehr gut dasteht.Beim Abg. Oehry, der Abg. Konzett und dem Abg. Kaufmann habe ich mir jetzt keine Fragen notiert, sondern kann eigentlich Ihre Ausführungen aus dem Geschäftsbericht nur verdanken und unterstreichen.Dann komme ich noch ganz kurz zum Abg. Thomas Rehak: Jedes Mal beim Geschäftsbericht der Telecom und bei den LKW stossen wir auf die gleichen Themen. Sie haben den Blick in die Vergangenheit hier auch wieder gemacht, Bericht und Antrag Nr. 21/2013 - vielleicht ein im Rückblick ein bisschen romantisierter, verklärter Blick auf die damalige Situation. Die Regierung war nämlich bereit, auch im Infrastrukturbereich entsprechende Schritte zu gehen. Der Landtag hat die Zustimmung ja dann, wie Sie wissen, verweigert. Insofern haben wir die Situation, wie wir sie haben. Mir ist der Blick in die Vergangenheit schon auch wichtig - das habe ich, glaube ich, gestern auch gezeigt. Auch 150 Jahre zurückblicken können wir - nur, wir müssen dann eben mit dem, was wir dann haben, in die Zukunft gehen. Ich glaube, das Setting, das wir heute haben, ist im Moment so, wie es ist. Und die vertikale Separierung hat auch Vorteile: Beispielsweise gibt es kein Investitionsrisiko für die Telecom in diesem Bereich und es ist für alle Anbieter eben auch das gleiche Spielfeld vorhanden. Aber natürlich, man darf immer schlauer werden. Insofern prüfen wir regelmässig und immer wieder, ob das Setting, wie wir es haben, noch das richtige ist. Aus Sicht der Regierung - und eben damals aus Sicht des Landtages - ist es das. Vielen Dank. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Nachdem es keine weiteren Wortmeldungen gibt, haben wir den Geschäftsbericht 2019 der Telecom Liechtenstein AG zur Kenntnis genommen und wir haben Traktandum 21 erledigt. -ooOoo-