Interpellation zum Naturschutzgebiet Ruggeller Riet - Gefährdung von Arten und Lebensräumen durch Austrocknungstendenzen im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet der Abgeordneten Georg Kaufmann, Thomas Lageder und Patrick Risch vom 6. Mai 2019
Landtagspräsident Albert Frick
Geschätzte Frauen und Herren Abgeordnete, wir fahren mit den Beratungen fort. Wir kommen zu Traktandum 6: Interpellation zum Naturschutzgebiet Ruggeller Riet - Gefährdung von Arten und Lebensräumen durch Austrocknungstendenzen im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet der Abgeordneten Georg Kaufmann, Thomas Lageder und Patrick Risch vom 6. Mai 2019. Abg. Georg Kaufmann
Danke. Gestützt auf Art. 45 der Geschäftsordnung reichen die Abgeordneten der Freien Liste eine Interpellation ein und laden die Regierung ein, nachfolgende Fragen zum Naturschutzgebiet Ruggeller Riet zu beantworten: - Wie schätzt die Regierung die Situation im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet bezüglich der Bedrohung der dort vorkommenden Flora und Fauna ein?
- Wie werden der Bestand und die Entwicklung der Pflanzen- und Tierarten im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet aktuell erfasst?
- Besteht im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet ein Monitoring, um den Artenschwund festzustellen? Falls ja: Wie ist dieses ausgestaltet?
- Sieht die Regierung Massnahmen vor, um den Substanzverlust und das Verschwinden von Arten zu verhindern beziehungsweise zu stoppen? Falls ja: Wie sehen diese aus?
- Wie sieht die Regierung den zeitlichen Rahmen für Massnahmen, um irreparable Schäden im Naturschutzgebiet zu verhindern?
Das Naturschutzgebiet Ruggeller Riet wurde 1978 unter Schutz gestellt. Es ist ein Schutzgebiet mit landesweiter Bedeutung. Zuständig für den Unterhalt ist die Regierung. Oft wird das Gebiet als ein Juwel der Artenvielfalt bezeichnet. Vor allem die Schwertlilienblüte zwischen Ende Mai und Anfang Juni ist alljährlich für Hunderte von Naturbeobachtern ein grossartiges Schauspiel. Hier kommen Pflanzen- und Tierarten vor, die es in der Umgebung nicht mehr gibt. Das Naturschutzgebiet ist ein Archiv von Arten und Genen und damit ein wichtiger Hotspot der Biodiversität. Das Gebiet hat überregionale Bedeutung.Es ist nicht nur für Liechtenstein das wertvollste und artenreichste Gebiet, sondern hat naturschützerische Bedeutung für die Region. Liechtenstein kann stolz sein auf ein so artenreiches Gebiet. Es ist für das Land ein Ausweis an die Nachbarstaaten, dass Liechtenstein das Thema Natur- und Artenschutz ernst nimmt. Ebenfalls wurde es auf internationaler Ebene als Smaragdgebiet aufgenommen. Seit Jahren wird im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet eine Tendenz zur Austrocknung des Flachmoores beobachtet. Bereits 1990 wurde in der Publikation «Naturmonographie Ruggeller Riet», Band 12 der Naturkundlichen Forschung im Fürstentum Liechtenstein, darauf hingewiesen, dass eine zunehmende Entwässerung und Düngung die stärksten Bedrohungen für das Gebiet sind. Die landwirtschaftliche Düngung wurde mittlerweile unterbunden. Eine Düngung durch Niederschläge erfolgt auch heute noch, ist aber nicht quantifiziert worden. Unterstützt durch regenarme Sommer und zunehmende Temperaturen wird von Fachleuten seit etlichen Jahren eine zunehmende Tendenz zur Austrocknung des Flachmoores festgestellt, was gravierende und nicht mehr wiederherzustellende Zerstörungen des Moorkörpers zur Folge hat. Dadurch wird Moorboden unwiederbringlich humusiert, Nährstoffe werden freigesetzt und die typische Flora und Fauna gefährdet. Artenreiche Pfeifengraswiesen, wo auf einer Aare bis zu hundert verschiedene Arten gefunden werden können, wandeln sich zu Schilfwiesen um. Schilf ist so dominant, dass kaum mehr weitere Arten daneben existieren können. Es findet also eine Umwandlung von sehr artenreicher Vegetation in monotone Schilfflächen statt. Die Verschilfung ist augenscheinlich und wird von den Besuchern des Gebietes wahrgenommen. Es ist davon auszugehen, dass durch diese Vorgänge Arten in diesem Gebiet aussterben werden. Der bis zu neun Meter mächtige Torfkörper des Flachmoores, der aus der Zeit der Eiszeit-Gletscherschmelze stammt, verliert durch Humusierung bis zu 90% seines Volumens und kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Wir werden die Interpellation an die Regierung weiterleiten. Wir haben Traktandum 6 erledigt.-ooOoo-