Interpellationsbeantwortung betreffend die Bedeutung des dualen Bildungssystems (Nr. 41/2019)
Landtagspräsident Albert Frick
Sehr geehrte Frauen und Herren Landtagsabordnete, wir fahren mit unseren Beratungen fort. Zuvor aber darf ich noch eine Schulklasse bei uns begrüssen, es handelt sich um die vierte Klasse der Realschule Triesen mit ihrer Lehrperson Frau Renate Lanter, herzlich willkommen im Landtag. Wir kommen zu Traktandum 12: Interpellationsbeantwortung betreffend die Bedeutung des dualen Bildungssystems.Die Interpellationsbeantwortung der Regierung trägt die Nr. 41/2019. Wird dazu das Wort gewünscht?Abg. Mario Wohlwend
Besten Dank, Herr Präsident, für das Wort. Guten Morgen, geschätzte Damen und Herren Landtagsabgeordnete. Geschätztes Mitglied der Fürstlichen Regierung. Akademisierungswahn gefährdet die duale Berufsbildung. Mangels Bodenschätzen ist die Bildung im globalen Wettbewerb eine Art Überlebensversicherung für unser Land und dessen Wohlstand. Ein gutes Bildungssystem bereitet Kinder und Jugendliche darauf vor, sich in Gesellschaft und Arbeitswelt zurechtzufinden. Neben der entsprechenden Ausbildung und hoher, dauernder Lernbereitschaft wird auch die soziale Kompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung zu einem zunehmend wichtigen Qualitätsfaktor. Somit geht es um die Zukunft unserer Kinder, also um unsere Zukunft. Es gibt den akademischen Bildungsweg und den dualen Ausbildungsweg mittels einer Berufslehre. Beide Wege können zu einem späteren Zeitpunkt diverse Weiterbildungen bis zum Doktortitel absolvieren. Wir sollten die Unterschiede kennen und Bewusstsein schaffen, dass beide Bildungswege ihre Berechtigung haben. Der Arbeitsmarkt braucht Absolventen aus beiden Bildungswegen. Eine gute Kombination aus beruflicher und akademischer Ausbildung sowie zusätzlicher Arbeitsmarkterfahrung ist in der Regel eine erfolgreiche Mischung. Um den richtigen Bildungsweg einzuschlagen, stehen drei Fragen im Zentrum: Will er/sie, kann sie/er, passt sie/er zum jeweiligen Bildungsweg? Eine gute Bildung soll fördern und individuell ermöglichen, seine persönlichen Fähigkeiten optimal zu nutzen. Die Tatsache, dass jeder und jede die eigenen Stärken nutzen und zum Beruf machen kann, ist das Erfolgsrezept eines Bildungssystems. Ausserdem kann das Gelernte am Arbeitsplatz eingesetzt werden, daraus resultieren Erfolgserlebnisse und damit Freude am eigenen Können. Ich gehe davon aus, dass das Gymnasium und einige Berufe eine zu hohe Anziehungskraft haben. Gefördert wird dies durch ehrgeizige und fürsorgliche Eltern, welche ihre Kinder von einer normalen Lehre abhalten. Im Grossen und Ganzen handeln die Eltern nach bestem Wissen und Gewissen. Sie wollen schliesslich nur eine rosige Zukunft für ihre Schützlinge. Dies ist grundsätzlich nicht verwerflich. Da jedoch viele Eltern das heutige duale Berufsbildungssystem oder einige Berufe zu wenig kennen, nehmen sie dadurch unqualifiziert Einfluss auf ihre Kinder. Die Eltern sollten ihr Kind vor allem nicht überfordern. Gerade ehrgeizige Eltern verlangen teils zu viel. Es kann auch sein, dass ein Kind intelligent genug ist, um Staranwalt zu werden. Wenn sich das Kind aber für die Technik interessiert und dort seine Fähigkeiten hat, dann ist der Beruf Konstrukteur vielleicht besser geeignet. Viele Eltern überschätzen die Intelligenz ihres Nachwuchses. Das kann die Kinder extrem unter Druck setzen und sie auf kurz oder lang unglücklich machen. Hinzu kommt, dass das Topmanagement eines mittleren oder grossen Unternehmens meist einen akademischen Hintergrund hat, und dann ist das duale Berufsausbildungssystem, wie wir es in der Schweiz haben, relativ unbekannt. Auf der Seite 68 führt die Regierung aus, dass sie derzeit keinen Anlass sieht, das bestehende System zu ändern. Sie führt aus: «Die Wiedereinführung einer selektiven Aufnahmeprüfung wäre mit zu vielen Nachteilen verbunden. Insbesondere ist nicht sicher, ob dadurch die Maturitätsquote gesenkt werden könnte, bestehen doch genügend Ausweichmöglichkeiten in private in- und ausländische Gymnasien, insbesondere für zahlungskräftige Personen.» Dieser Argumentation schliesse ich mich an.Der gesunde Mix kann zukünftig nur erhalten werden, wenn den Vorteilen der Berufsausbildung und den Berufen weiterhin die nötige Beachtung geschenkt wird. An dieser Stelle möchte ich den Ausbildungsbetrieben, dem Schulamt, den Lehrern, den Berufsbildnern, «100pro!», AGIL und allen danken, welche sich mit sehr viel Herzblut für die Berufsausbildung einsetzen. Die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Bildungswege sowie die benötigten Fähigkeiten und das vorhandene Talent werden aus meiner Sicht in einigen Fällen zu wenig berücksichtigt. Dadurch fehlt die Übereinstimmung und es kommt zum Misserfolg, obwohl die Akteure mittels gezielter Massnahmen und Kampagnen sehr viel tun. Es gibt hier die Institutionen und Initiativen wie pepperMINT, FITNA, Projektunterricht, Explore-it, «next-step», «BerufsCHECK», Schnuppertage, Berufsberatung, Berufswahlunterricht, Firmenbesichtigungen und viele weitere Massnahmen, die stattfinden. Ein grosser Dank geht auch an die verschiedenen Verbände, welche durch den Zusagetermin 1. November den Schülern die benötigte Zeit einräumen. Es muss nämlich beachtet werden, dass sich deren Bedürfnisse und Wünsche während des Berufswahlprozesses noch entwickeln. Durch genügend Zeit sinkt das Risiko von Fehlbesetzungen und daraus folgenden Lehrabbrüchen. Die Motivation der Schüler für die Schule kann auch hochgehalten werden, wenn sie den Lehrvertrag noch nicht so früh im Sack haben. Ein wichtiges politisches Ziel ist es, unseren Wirtschaftsstandort und unser Land wettbewerbsfähig zu halten. Dadurch sind wir in der Lage, den Einwohnerinnen und Einwohnern auch künftig Arbeit und soziale Sicherheit zu geben. Ein wesentliches Element in diesem Vorhaben ist die duale Berufsbildung. Die Berufslehre, für die sich zwei Drittel der Schulabgängerinnen und Schulabgänger aus den liechtensteinischen Sekundarschulen entscheiden, ist durch die enge Verzahnung von betrieblicher Praxis und schulischer Bildung sehr gut geeignet, um mit den raschen Veränderungen in einem dynamischen Markt Schritt zu halten. Die duale Berufsausbildung ist bedarfsgerechter, praxisbezogener, flexibler und kostengünstiger als ein rein schulisches System. Die Industrie 4.0 wird insbesondere die verarbeitenden Industrien gravierend verändern und einen grossen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder nach sich ziehen. Die Berufsbildung vermittelt nicht nur Wissen und Können. Eine ihrer wesentlichen Aufgaben ist auch die Förderung der Sozialkompetenz. Dies gelingt durch Problemstellungen aus der Praxis, die im Team gelöst werden müssen. Hinzu kommt, dass das duale Bildungssystem durch die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt für die sehr tiefe Jugendarbeitslosenquote von weniger als 2% verantwortlich ist. Dies muss uns bewusst sein. Wir müssen die Eltern als die wichtigsten und entscheidendsten heimlichen Meinungsmacher bei der Auswahl des Bildungsweges noch besser abholen. Es muss uns gelingen, die Eltern frühzeitig von den Vorteilen der Berufsausbildung zu überzeugen, sodass der gesunde Mix zwischen dem akademischen und dualen Bildungssystem gewährleistet ist.Die Verbände und die Politik müssen kontinuierlich daran arbeiten, einen einheitlichen und grenzüberschreitenden Lehrstellenzusagetermin 1. November zu etablieren. Zusammen mit der Familie gehören Berufsbildner zu den wichtigsten Bezugspersonen der Jugendlichen. Das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung durch die vorhandenen Plattformen und Erfahrungsaustausch ist hier das oberste Gebot. Die duale Berufsbildung muss weiterhin auf allen Ebenen gefördert werden. Handwerkliche Fähigkeiten sollen wieder einen grösseren Stellenwert bekommen. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass wir unsere Häuser selbst bauen und die Gipfel selbst backen müssen, weil unsere Produktionsstätten nur noch in der Theorie funktionieren. Besten Dank. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Günter Vogt
Danke, Herr Präsident. Guten Morgen, meine geschätzten Damen und Herren. Ich danke dem zuständigen Ministerium und dem Amt für Berufsbildung für die Beantwortung dieser Interpellation und danke auch allen Beteiligten, welche sich in der dualen Berufsausbildung engagieren. Ich denke auch, dass wir diesem Thema weiterhin eine hohe Beachtung schenken sollten und Massnahmen folgen lassen müssen. Die Interpellanten haben mit diesem parlamentarischen Vorstoss im November letzten Jahres versucht, die Bedeutung des dualen Bildungssystems, insbesondere dessen laufender Weiterentwicklung, vermehrt Beachtung zu schenken. Diese Weiterentwicklung von Berufsbildung und Berufsberatung ist von zentraler Bedeutung, um den Bedürfnissen und Anforderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft auch gerecht zu werden. Investitionen in diese duale Berufsausbildung sind somit als Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Liechtenstein zu sehen und können dem Fachkräftemangel zum Teil gezielt entgegenwirken. Es werden mit Blick in die Zukunft nicht nur Fachkräfte, sondern auch künftige Steuerzahler ausgebildet. Mit diesem Vorstoss sollten Ansatzpunkte für eine erhöhte Bereitschaft zur Verbesserung des dualen Bildungssystems gefunden werden. Es sollten gezielte Massnahmen gesetzt werden, welche insbesondere dem Berufswahlprozess und dem aktuellen Trend der hohen Zahl an akademischen Ausbildungen im Vergleich zur geringeren Anzahl an handwerklich Auszubildenden Rechnung tragen, um auf gewisse Themenbereiche in dieser Beantwortung vertieft einzugehen und dies, wenn möglich, in eine Bildungsstrategie einfliessen zu lassen. Ersichtlich wird auch der demografische Wandel der Bevölkerungsentwicklung, welcher in der ganzen westlichen Welt zu beobachten ist. Durch Rückgang der Geburtenzahlen und einen gleichzeitigen medizinischen Fortschritt wird unsere Bevölkerung im Schnitt immer älter und steht nicht mehr im Einklang mit der Entwicklung unserer Schulabgänger. Die Bevölkerung ist seit 2007 um 8% gewachsen, die Zahl der Schulabgänger aber um 20% gesunken. In diesem Zusammenhang wird ausgeführt, dass die Anzahl Lehrverträge oder das Ausbildungsangebot in dieser Periode konstant geblieben sei. Es darf aber explizit auch erwähnt werden, dass das BIP oder die Beschäftigungszahl in der gleichen Periode ebenfalls um 20% gestiegen ist, oder im Umkehrschluss, dass die Ausbildungsquote aus diesem Blickwinkel um 20% gesunken ist oder die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe um den gleichen Prozentsatz abgenommen hat. In Frage 2 wurden die Harmonisierungsbestrebungen der Zu- und Absagetermine angesprochen. Gemäss Regierung sei ein möglichst einheitlicher Zusagetermin im Sinne der Chancengleichheit zu begrüssen. Es wird auch ausgeführt, dass dieses Gentleman's Agreement innerhalb der Wirtschaftsverbände nicht vollständig im Einklang stehe. Die Wirtschaftskammer Liechtenstein hatte sich in einem Schreiben vom 30. Januar in diesem Jahr zu dieser Fragestellung wie folgt geäussert: Viele Jugendliche bewerben sich zuerst für Lehrstellen bei grossindustriellen Betrieben. Erst nach einer Absage von den sogenannten Lehrstellen-Grossanbietern orientieren sich die Jugendlichen dann im Berufswahlprozess allenfalls neu und konzentrieren sich eher auf gewerbliche Kleinbetriebe und alternative Ausbildungsberufe. Zweifellos haben ohne solche Absprachen Arbeitgeber wie auch Stellensuchende ständig den Anreiz, etwas früher zu sein als ihr «Marktbegleiter». Die Markttiefe nimmt somit ab, die Paarungsquote sinkt, welches dann bei einem Ungleichverhältnis der Anzahl Lehrstellen zur Anzahl der Bewerbungen dann klarer ersichtlich werden wird. Zu diesem Harmonisierungsthema hat der Staat die Aufgabe, zumindest auf diese Einhaltung eines einheitlichen Termins hinzuweisen, Fairness anzustreben und, wenn möglich, durch den Staat unterstützend begleitet werden sollte. In diesem Zusammenhang wurden diese Harmonisierungsbemühungen nicht nur im regionalen, sondern auch im überregionalen Aspekt jenseits des Rheines angesprochen, wo die Politik durchaus auch Hilfestellung leisten könnte. Auf Seite 22 wird ausgeführt, dass bei Lehrberufen, in welchen nur vereinzelt Lehrstellen angeboten werden, es wahrscheinlicher sei, dass sich verhältnismässig viele Jugendliche bewerben. Bei Lehrberufen mit einem höheren Lehrstellenangebot könne es sein, dass sich verhältnismässig wenige Jugendliche pro Ausbildungsplatz bewerben. Ich verstehe diese Aussage so nicht. So gibt es zum Beispiel nur wenige Gipserlehrstellen und dafür aber auch keine Bewerber. Zum Thema in Frage 4 und zu Industrie 4.0, welche unbestritten zu Veränderungen in der Arbeitswelt und zu Herausforderungen im Bildungswesen führen wird. In diesem Zusammenhang wurde in der Beantwortung auf die gute Zusammenarbeit mit der Schweiz hingewiesen. In der Schweiz unterliege der jeweiligen Kommission für Berufsentwicklung die Förderung der laufenden Weiterentwicklung der beruflichen Grundausbildung. Wem obliegt diese Aufgabe in Liechtenstein oder verlässt sich Liechtenstein hier darauf, dass sich die Schweiz für uns um diese Frage kümmert und wir uns im Fünfjahresrhythmus dann anschliessen? Die Transformationen dieser Veränderungen werden uns extrem fordern und ich denke nicht, dass hier eine Weiterentwicklung, bei der wir uns nur auf die Schweiz verlassen sollten, in einem Fünfjahresrhythmus erfolgen sollte. In Frage 6 wird die Gesamtanzahl der angebotenen Lehrstellen und deren zahlenmässige Entwicklung angefragt. So wird in einer Tabelle auf einen ansteigenden Trend von 2008 bis 2018 hingewiesen. Wird der Blickwinkel aber um drei Jahre verschoben, wird dieser Trend eher negativ oder zumindest gleichbleibend trotz stetigen Wirtschaftswachstums. Letztlich unterscheide jeder Lehrbetrieb auch die Frage hinsichtlich der Kosten oder des Nutzens einer Ausbildung und handle entsprechend. Zwar übernimmt der Staat zum Beispiel anteilig die Kosten für die überbetrieblichen Kurse. Die Ausbildungskosten und eine stärkere Unterstützung wurden von mehreren Wirtschaftsverbänden begrüsst. Ich bitte hier auch zu beachten, dass nicht explizit nur finanzielle Unterstützungen angedacht sind. So zum Beispiel mit der Frage, ob aktive Lehrbetriebe bei öffentlichen Ausschreibungen im Rahmen der Möglichkeiten des ÖAWG durch gezielte Vergabekriterien unterstützt werden könnten. Die Antwort in der Beantwortung zu diesem Thema: Öffentliche Auftraggeber könnten die Lehrlingsausbildung als Eignungskriterium in den Ausschreibungsunterlagen einfordern. Ja, meine Damen und Herren, könnte man oder macht man? In Frage 8 wurde die Beeinflussung des Onlinehandels für das duale Bildungssystem und eine mögliche Unterstützung angefragt. In der Beantwortung wird ausgeführt, dass der stationäre Handel nicht vom Onlinehandel abgelöst werde und die Steuerung des Einkaufverhaltens und deren Vertriebskanäle primär dem Wirtschaftssektor Handel unterliege. Diese Ansicht unterstütze ich nicht. Der Onlinehandel ist unbestritten schon ein übermächtiger Gegner im Spiel Onlinehandel versus stationärer Handel. Der stationäre Handel schrumpft. Die Onlinekonkurrenz hat massive Kostenvorteile, keine teuren Standorte, kein Verkaufspersonal, keine Ausbildungsplätzte. So kann natürlich knapper kalkuliert werden. Im nackten Preisvergleich Einzelhandel versus Onlinehandel hat der Internethandel dann oft die Nase vorn. Und schlimmer noch: Beratungsdiebstahl. Oft holt sich so mancher Kunde im stationären Einzelhandel die Beratung, um dann im Onlinehandel zu kaufen. Zumindest die Zalando-Paket-Flut ist in den Fahrzeugen der Liechtensteinischen Post AG wohl nicht zu übersehen und bringt auch steigende Einnahmen - zumindest auf dem Paketweg. Im Umkehrschluss fehlen diese Einnahmen dem Detailhandel. Der Beantwortung zu dieser Frage wird ausgewichen. Ziel sollte es zumindest sein, dieses Thema gemeinsam zu erörtern. Dafür muss ein gemeinsames Verständnis dieser aktuellen Entwicklungen geschaffen werden. Die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen und dem Einfluss des technologischen Wandels auf Beschäftigung und Arbeit sowie eine präzise Beschreibung der Situation wäre anzustreben sowie Sichtweisen und Interessen von Unternehmen und der Erwerbstätigen in diesen Bereichen zu sensibilisieren und auch anzusprechen. Bei Kleinsendungen in die Schweiz oder nach Liechtenstein verzichtet man zum Beispiel auf die Erhebung einer Einfuhrsteuer. Überdies gilt ab Anfang 2019 eine Umsatzgrenze für den Onlineversandhandel bei Kleinsendungen. Sie betrifft die Händler, die Kleinsendungen vom Ausland in die Schweiz oder nach Liechtenstein versenden. Wenn man damit jährlich mindestens einen Umsatz von CHF 100'000 erzielt, wird dieser Handel ab 2019 mehrwertsteuerpflichtig. Diese Grenze erscheint mir erstens als zu hoch und zweitens wie erfolgt eine Prüfung? Genau solche Einflüsse auf das duale Bildungssystem sollten genau im Auge behalten werden. In Frage 13 werden Fragen zum Übertritt von Primarschulen in die weiteren Bildungsstufen sowie die Maturitätsquoten angesprochen. Die Regierung sieht trotz einer höheren Maturitätsquote als in der Schweiz keinen Anlass, das bestehende System zu ändern. Es wird auch ausgeführt, angesichts der Herausforderungen der Zukunft wäre eine tiefere Maturitätsquote anstrebenswert. Diesbezüglich erklärt sich die Wirtschaftskammer Liechtenstein zu einer Überprüfung zur Rückkehr von einheitlichen Übertrittsprüfungen in den Primarschulen und der Bankenverband spürt einen qualitativen starken Rückgang der Schulabgängerquote aufgrund der hohen Maturitätsquote. Nun, die Zuteilungsquote für das Gymnasium sollte eigentlich bei maximal 22% liegen. Sie liegt aber konstant darüber und reicht in diesem Bereich bis fast 30%. Es darf also durchaus die Frage gestellt werden, welches die Gründe für den generellen Anstieg der Maturitätsquote sind. Sind die Schüler alle klüger geworden oder wurden die Anforderungen geringer?Hierzu kann sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen, aber wenn Eintrittsprüfungen wegfallen ist es auch kein Wunder, dass mehr Jugendliche im Gymnasium landen. Überdies haben sie unendlich viele Möglichkeiten sich Informationen zu beschaffen. Und die Eltern tun effektiv sehr viel, um sie auch dort unterzubringen. Das Folgeproblem für das duale Bildungssystem ist es, dass je höher sich die Maturitätsquote bewegt, desto tiefer verhält sich die Aufnahmestrenge in den Betrieben im dualen Bildungssystem. In der Beantwortung wird auf Seite 68 ausgeführt, dass die Wiedereinführung einer selektiven Aufnahmeprüfung mit vielen Nachteilen verbunden wäre. Ich würde hier von der zuständigen Ministerin gerne ausgeführt wissen, was denn für Nachteile zu erwarten wären. Besten Dank. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Christoph Wenaweser
Danke, Herr Präsident. Guten Morgen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Vielen Dank an die Frau Bildungsministerin für die sehr wertvolle Interpellationsbeantwortung. Daraus geht hervor, dass Staat und Wirtschaft im Verbund miteinander strukturell bestens ausgestattet sind zum Erhalt und zur weiteren Förderung des dualen Bildungssystems, für das wir gemeinsam mit der Schweiz weltweit Respekt geniessen und das Vertreter unseres Landes bei internationalen Berufswettkämpfen regelmässig beachtliche Erfolge feiern lässt. Das will nicht heissen, dass deswegen Nichtstun angesagt ist, nicht permanent über Optimierungen nachgedacht werden darf, neue Impulse gesetzt werden. Das geschieht auch laufend wie jüngst beispielsweise mit dem Experimentierlabor pepperMINT und den bereits erforderlichen Erweiterungen. Den Vertretern von Behörden, Verbänden und vor allem den Ausbildnerinnen und Ausbildnern in ihrer täglichen Arbeit mit den Lernenden zolle ich grössten Respekt. Der duale Bildungsweg ist keine Sackgasse. Er ermöglicht Fach- und Führungskarrieren. Diese Perspektiven scheinen die Schulabgänger zu schätzen. Weiterhin entscheiden sich zwei Drittel von ihnen für eine Berufslehre. Dennoch ist das Angebot an Ausbildungsplätzen doppelt so gross wie die jährliche Anzahl an Schulabgängern mit Einstieg in die Berufslehre. Die nicht besetzten Lehrstellen nehmen tendenziell zu. Die «Feinde» des dualen Bildungssystems sind nicht im System selbst zu suchen, sondern es ist in erster Linie die Bevölkerungsentwicklung. Aber auch die Maturitätsquote tut das ihre dazu. Die Zahl der Schulabgänger sinkt und die Maturitätsquote ist ungebrochen hoch bis weiter steigend, sprich inflationär, verbunden mit einer Entwertungsgefahr für die Maturität an sich. Noch sind wir zumindest in unseren Breiten ein gutes Stück weit von jenem Bild entfernt, in welchem der arbeitslose Jungakademiker wochenlang auf den überlasteten 70-jährigen Handwerker wartet. Dennoch: Wir steuern auf ein gewaltiges Ressourcenproblem zu, und das für die Gesamtwirtschaft. Heute haben wir pro hochaltrige Person älter als 80 Jahre noch 17 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren. Im Jahr 2030 werden es noch acht sein und im Jahr 2050 nur noch 4,5. Der Kampf um die sich absehbar und in enormem Masse verknappende Ressource Mensch wird nicht nur, aber auch über das duale Bildungssystem ausgetragen werden. Industrie 4.0 und die Digitalisierung sind aktuelle Herausforderungen für das duale Bildungssystem. Viele sprechen von den damit verbundenen Chancen, aber ich sehe auch enorme Risiken und hoffe, dass bestimmte Berufsgruppen eingedenk sämtlicher sich abzeichnenden Entwicklungen von der Ressourcenverknappung über die Maturitätsquote bis hin zu Industrie 4.0 und Digitalisierung nicht gänzlich auf der Strecke bleiben. Damit meine ich beispielsweise die Pflege- und Betreuungsberufe. Diese sind nicht digitalisierbar. Darüber müssen wir intensiv nachdenken. Es geht nicht nur um die Finanzierung der Alterspflege und -betreuung. Das unbeantwortete Postulat grüsst aus dem Grossen Haus. Ebenso wichtig ist es, wer die Arbeit macht. Eines ist ansonsten heute schon sicher: Wir künftigen Alten werden wenig Pflege erhalten und schon gar nicht von unseren eigenen Jungen. Danke.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Stv. Abg. Peter Frick
Besten Dank für das Wort, Herr Landtagspräsident. Guten Morgen, geschätzte Damen und Herren. Bei der vorliegenden Beantwortung, die insgesamt 14 Fragen beinhaltet, hat sich mir im Ergebnis ein rundes, ja sogar optimistisches Bild gezeigt. Die Interpellationsbeantwortung zeigt, dass die Regierung dem höchsten Gut, der Bildung, sehr gut Sorge trägt. Die Wichtigkeit, das friedliche Miteinander, der damit verbundene Wohlstand, den wir uns durch Bildung erschaffen und erhalten, ist ein Ergebnis daraus. In diesen schnelllebigen Zeiten ist es von enormer Bedeutung, dass Bildung nicht an Interesse verliert. Es muss ein ständiges Bestreben von uns allen sein, weiterhin ein gutes Augenmerk auf die verschiedensten Entwicklungen zu haben, vor allem wenn die Möglichkeit besteht, dass diese Entwicklungen Einfluss auf unsere Bildung und deren Prozesse nehmen könnten. Hier ist ein starkes System gefragt, über das, wie uns die vorliegende Interpellationsbeantwortung zeigt, wir auch verfügen. Keine Frage, sämtliche Akteure, die in diesem dualen Bildungssystem, um das uns ja auch viele Länder auch beneiden, aktiv tätig sind und dieses System am Leben erhalten, auf die gilt es besonders zu achten. Die unbestrittenen Veränderungen werden in den Betrieben wahrgenommen. Hier hört man doch die eine oder andere Sorge, hier ist es wichtig, dass diese Sorgen gehört werden und nicht mit Aussagen wie «willst du lieber in Frankreich oder Deutschland einen Betrieb haben» abgetan werden. Wenn bei uns Betriebe in ihren Sorgen nicht ernst genommen werden, kann dies gut auf die zukünftige Ausrichtung, ob eine Lehrstelle angeboten wird oder nicht, Einfluss nehmen. Daher mein Fazit: Achten wir auf alle Akteure, die hier mit voller Schaffenskraft das duale Bildungssystem und damit unsere Zukunft hochhalten. Ich bedanke mich bei der Regierung und insbesondere beim Bildungsministerium für die umfassende Beantwortung der vorliegenden Interpellation. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Es melden sich Abgeordnete zu Wort, die nicht zu den Interpellanten zählen. Ich beantrage daher Diskussion. Wer mit diesem Antrag einverstanden ist, möge bitte die Stimme abgeben. Abstimmung: Zustimmung mit 24 Stimmen
Landtagspräsident Albert Frick
Der Landtag hat mit 24 Stimmen einhellig Diskussion beschlossen.Abg. Georg Kaufmann
Danke für das Wort, Herr Präsident. Geschätzte Anwesende, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen guten Morgen. Ich danke den Interpellanten für das Einbringen ihrer Fragen, ebenso der Frau Bildungsministerin und den betroffenen Ämtern, also dem Schulamt und dem Amt für Berufsbildung und Berufsberatung, für die Beantwortung derselben. Ich habe den Bericht mit Interesse gelesen, auch weil ich beruflich mit der Thematik konfrontiert bin. Zwei Drittel der Jugendlichen wählen nach Abschluss ihrer Pflichtschulzeit den Weg über eine Berufslehre. Aktuell ist das Lehrstellenangebot grösser als die Nachfrage, was logischerweise zu unbesetzten Ausbildungsplätzen führt. Zu Beginn meiner Beratungstätigkeit am Ende der 90er-Jahre war das Verhältnis genau umgekehrt. Wer damals im März oder April noch keine Lehrstelle hatte, musste sich ernsthaft mit einer Zwischenlösung auseinandersetzen. Wenn ich heute auf die Liechtensteiner Lehrstellenplattform «next-step» gehe, finde ich immer noch 100 freie Lehrstellen in vielen Berufsfeldern. Aus Sicht der Jugendlichen ist mir diese Variante selbstverständlich lieber als die umgekehrte.Nun, was sind die Gründe für die aktuelle Entwicklung? - Einmal die demografische Entwicklung: Der Anteil der Schulabgänger aus den Real- und Oberschulen ist in den vergangenen zehn Jahren um 20% zurückgegangen. Allein schon aus diesem Grund werden fast ein Drittel unserer Lehrstellen durch Sekundarschulabgänger aus der umliegenden Region besetzt.
- Ein weiterer Grund liegt in unserem Bildungssystem mit der Dreigliedrigkeit der Sekundarstufe I und dem Langzeitgymnasium, welches etwa ein Viertel aller Jugendlichen nach der fünften Primarschulklasse abzieht. Diese Schüler sind dem Lehrstellenmarkt weitestgehend entzogen, was ich persönlich bedauere. In der Interpellation wird dann die Frage gestellt, ob der Zugang zum Langzeitgymnasium durch Prüfungen verschärft werden sollte. Das finde ich keine geeignete Massnahme.
- Dazu kommt die gleichbleibende Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft. Hier liegt meines Erachtens der Kern für den Erfolg des dualen Bildungssystems: Die Wirtschaft kennt das Potenzial, welches in unseren jungen Menschen steckt, und will es nutzen. Dies wiederum führt beim jungen Menschen zu einer ganz wichtigen Erkenntnis, nämlich: Ich werde gebraucht, ich kann etwas. Und diese Erkenntnis ist von unschätzbarem Wert für seine weitere Persönlichkeitsentwicklung.
- Untersuchungen zeigen es immer wieder: In den allermeisten Berufen rechnet es sich auch finanziell, Lernende auszubilden. Dies verdeutlicht die Beantwortung der Frage 9, welche diesen Punkt konkret anspricht. Ich finde es aber einseitig und falsch, den finanziellen Nutzen in den Vordergrund zu schieben. Die erfolgreichen Berufsbildner, die ich kenne, sprechen nie vom finanziellen Nutzen oder Aufwand der Ausbildung. Sie haben einfach die innere Motivation, junge Menschen durch eine Ausbildung zu begleiten. Ihnen spreche ich an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank aus. Was sie leisten, ist schlichtweg grossartig.
Die duale Berufsbildung scheint also auf gesunden und stabilen Beinen zu stehen. Doch tut sie das wirklich? Dass gewisse Lehrberufe für die jungen Menschen attraktiver sind als andere, liegt in der Natur der Sache. Aktuell sind vor allem soziale Berufe und MINT-Berufe im Trend, während die kaufmännische Ausbildung bereits seit Jahrzehnten bei den Jugendlichen hoch im Kurs steht. Schwieriger haben es die handwerklich ausgerichteten Berufe, welche vor allem auch körperlich einiges von den Lernenden abverlangen. Und dennoch: Wer sich etwas intensiver mit wissenschaftlichen Untersuchungen zur Zukunft unserer Arbeitswelt auseinandersetzt, erkennt gerade auch in handwerklichen Berufen ein enormes Potenzial. Noch etwas zur Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe: Sie ist aus meiner Sicht gut, wobei es in kreativen Berufszweigen zu wenige Ausbildungsplätze gibt. Dies hat auch mit der Grösse der Betriebe zu tun. Kleinere KMU kommen im Vergleich zu Industriebetrieben schneller an ihre Ressourcengrenzen. Einen Lernenden zwei, drei oder vier Jahre gut zu betreuen, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, welche mit der zunehmenden Professionalisierung der dualen Berufsbildung in den letzten 20 Jahren noch zugenommen hat. Lehrberufe sind einer stetigen Entwicklung unterworfen. Es steigen also die Anforderungen an die Ausbildung, was sich wiederum in zunehmendem Druck sowohl auf die Jugendlichen als auch die Berufsbildner äussert. Auf diesen Punkt komme ich etwas später noch einmal zu sprechen. Es muss damit gerechnet werden, dass insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe diese Anforderungen nicht mehr erbringen können und sich deshalb aus der Berufsbildung verabschieden werden. Gespannt bin ich, wie sich die Veränderungen in der Arbeitswelt, die immer stärker auf Flexibilisierung setzt, auf die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe auswirken werden. Können sie dann noch eine stabile oder qualitativ hochstehende Ausbildung über drei oder vier Jahre garantieren? Ich bin optimistisch, dass die Organisationen der Arbeitswelt diese Hürden meistern werden. So gibt es heute schon modular gestaltete Berufslehren oder Berufslehren im Verbundsystem, wo zwei oder drei Betriebe sich einen Lernenden teilen. Dass das duale Bildungssystem bei uns gut implementiert ist, zeigt sich auch an den tiefen Zahlen bei den Lehrvertragsauflösungen. Mit 6 bis 8% jährlichen Abbrüchen liegt Liechtenstein weit unter den vergleichbaren Zahlen in der Schweiz. So liegt die nationale Auflösungsquote in der Schweiz bei 21% und in der Ostschweiz ist sie mit 16% immer noch doppelt so hoch. Vieles spricht also dafür, dass es bei uns gut läuft. Doch rufe ich hier ein Schreiben des Jugendrates Liechtenstein in Erinnerung, das uns ganz am Anfang dieser Legislatur überreicht wurde. Anlässlich der ersten Jugendsession, die am 26. November 2016 in diesem Raum stattfand, wurde von den teilnehmenden Jugendlichen nach intensiver Diskussion folgender Antrag gutgeheissen: «Wir beantragen, dass es eine Qualitätsoptimierung der Berufsbildung durch ein Obligatorium für Berufsbildner zur Aus- und Weiterbildung gibt, dass ein Vertrauensteam geschaffen wird und dass die Lehrzeit evaluiert wird.» Aus Sicht der jungen Menschen scheint es also Optimierungspotenzial zu geben. Meiner Ansicht nach lohnt es sich, diese Anträge zu prüfen. Durch die zweijährige Attestausbildung, die es inzwischen für praktisch alle Berufe gibt, wird auch schulisch schwächeren Jugendlichen ein idealer Einstieg in eine Ausbildung angeboten. Für diese Jugendlichen gibt es zudem die Möglichkeit einer individuellen Betreuung im schulischen Bereich während der ganzen Lehrzeit. Ich begrüsse diese relativ neue Massnahme ausserordentlich. An dieser Stelle erlaube ich mir eine Zwischenbemerkung. Ich wünsche mir, dass sich die Wirtschaft und die Behörden auch bei einer anderen Problematik mit der gleichen Motivation und ähnlich systematisch aufgebauten Programmen engagieren würden, wie sie es in der Berufsbildung tun. Ich denke hier an jene Menschen, die es bei der Integration in den Arbeitsmarkt schwer haben, vielleicht weil sie schon älter oder wegen einer gesundheitlichen Einschränkung nicht mehr voll leistungsfähig sind. Geschätzte Anwesende, in diesem Bereich liegt bei uns noch vieles im Argen, weil unkoordiniert und wenig zielgerichtet gearbeitet wird. Viele Betroffene fühlen sich verwaltet, anstatt begleitet und unterstützt. Ich bin überzeugt, mit wirklicher Kooperation und engagierter Zusammenarbeit könnte vielen Personen der Gang in die Sozialhilfe erspart bleiben. Unser Postulat zur IV und auch unser Vorstoss zu einem Behinderteneinstellungsgesetz hatten genau diese Zielrichtung. Doch zurück zum Thema: Der duale Bildungsweg bietet Schulabgänger/-innen die verschiedensten Möglichkeiten, in zwei, drei oder vier Jahren zu einem ersten Berufsabschluss zu kommen und darauf aufbauend die weitere berufliche Zukunft anzugehen. Und wird dieser fachliche Berufsabschluss noch mit einer Allgemeinbildung in Form der Berufsmatura ergänzt, so steht dem jungen Menschen die ganze Palette von Weiterbildungen oder Studienmöglichkeiten auf der Tertiärstufe offen. Auch der Fokus der Berufsbildung wird sich immer stärker auf die Tertiärstufe richten. Ich bin überzeugt, dass neben Fachwissen eine gute Allgemeinbildung eine immer entscheidendere Rolle spielen wird, nicht nur für die berufliche Laufbahn, sondern mindestens so sehr für ein besseres Verständnis unserer immer komplexer werdenden Umwelt, für ein sich aktives Einbringen in die demokratischen Prozesse unseres Staates und somit für die Übernahme von Verantwortung. Von daher freut es mich, dass die BMS Liechtenstein sich parallel zum dualen Bildungssystem weiterentwickelt und den jungen Menschen nach erfolgreichem Lehrabschluss attraktive Bildungsgänge in Vollzeit und Teilzeit anbietet. Ich meine, die aktuelle Berufsmaturaquote von 10,8% darf nur eine Zwischenstation sein. Diese Quote muss unbedingt erhöht werden, wenn wir wollen, dass a) unsere jungen Berufsleute für die Zukunft gerüstet sind und b) die duale Berufsbildung auch in Zukunft als attraktiver Einstieg ins Arbeitsleben genutzt wird. Ich hoffe, dass dies auch bei der Planung des SZU II, wo die Berufsmatura ihr zukünftiges Zuhause haben wird, entsprechend berücksichtigt wird.Eine Berufslehre oder eine gymnasiale Matura sind der erste Schritt in ein erfolgreiches Berufsleben. Beide Abschlüsse sind Schlüssel für die berufliche Weiterentwicklung, welche auf der bereits erwähnten Tertiärstufe stattfindet, denn dort öffnen sich die Türen für eine Vielzahl von Weiterbildungen. Unsere Arbeitswelt verändert sich ständig, Berufe verschwinden, neue Berufe entstehen. Auch der Mensch verändert sich selbst. Ein Arbeitsleben dauert mindestens 40 Jahre oder mehr und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man in dieser Zeit den Beruf ein- oder mehrmals wechselt. Die beruflichen Übergänge werden in einer digitalisierten und flexibilisierten Arbeitswelt stark zunehmen und sind tendenziell krisenhaft. Das kennen wir sicher auch aus persönlicher Erfahrung. In einem dynamischen und durch Unsicherheit geprägten Umfeld wollen Menschen bei der Planung ihrer Erwerbsbiografie von Fachpersonen unterstützt werden. Leider ist in Liechtenstein die kostenlose Erwachsenenberatung im Zuge der Sanierung des Staatshaushaltes dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das ABB bietet seine Beratungsdienstleistungen nur noch für bestimmte Personengruppen an. Ich finde dies äusserst schade, sprechen wir doch alle von lebensbegleitendem Lernen und der Bildung als unserem einzigen Rohstoff. In der Schweiz laufen bezüglich der Stärkung der Erwachsenenberatung aktuell politische Vorstösse. Dort wurde die Wichtigkeit des Themas erkannt und entsprechende Prozesse wurden angestossen. Nachdem unsere Bildungsministerin Mitglied der EDK, also der Konferenz der kantonalen Bildungsminister, ist, erwarte ich, dass Liechtenstein die Entwicklungen in der Schweiz aufmerksam verfolgt und parallel dazu auch bei uns Anpassungen prüft. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Daniel Oehry
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Damen und Herrn Landtagsabgeordnete, guten Morgen. Vielen Dank an das zuständige Ministerium für die Erstellung des vorliegenden Berichtes. Ich bedanke mich auch bei den angefragten Verbänden und Kammern für ihre Stellungnahmen. Die Interpellanten sind davon ausgegangen, dass ihre 14 gestellten Fragen dazu beitragen werden, der Regierung zusätzliche Inputs für die Weichenstellung im dualen Bildungssystem zu liefern. Den in der Begründung zur Interpellation eingebauten Seitenhieb, dass die letzte Legislatur bezüglich Bildung ein Stillstand gewesen sein soll, nehme ich zur Kenntnis. Aus meiner Sicht würde ich dies aber als bedarfsorientierte Weiterentwicklung des Systems bezeichnen. Denn die Hauptakteure im Bildungssystem brauchen vom Staat nur etwas, und das ist Spielraum für neue Wege. Wenn der Staat oder ein Amt tätig sein soll, dann in der Sicherstellung der Partnerschaft zur Schweiz und in der Zurverfügungstellung von Budgetmitteln für den Schuldienst. Erlauben Sie mir, dies kurz zu verdeutlichen. Obwohl die Bevölkerung seit 2008 um 8% wächst und die Anzahl der Schulabgänger um 20% zurückgeht, bleibt das Ausbildungsangebot nahezu konstant. Die Anzahl der angebotenen Lehrstellen ist doppelt so gross, wie die Anzahl der Schulabgänger. Auch hier nehmen die Liechtensteiner Firmen ihre Verantwortung wahr. Ein hervorragender Berufswahlprozess und sehr gut ausgebildete Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sind der Hebel, damit auch in Zukunft diese Lehrstellen weiterhin besetzt werden können. Bezüglich Zusageprozess wurde die Frage einer Vereinheitlichung gestellt. Seit vielen Jahren halten sich die meisten Lehrbetriebe des Landes an das Stichdatum 1. November. Auch hier kann der Staat vermitteln, aber sich daran halten müssen sich die einzelnen Akteure schon selbst. Wenn wir die Anzahl der Lehrabbrüche mit denen der Schweiz vergleichen, dann liegen wir bei 6 bis 8% im Vergleich zu 21% der Schweiz. Somit auch hier mustergültig.Unser Berufsbildungsgesetz, die Verordnungen, die Bildungspläne, eigentlich fast alles, beruht auf schweizerischen Vorlagen und darum ist es für uns von grosser Wichtigkeit, sehr gute Kontakte zur Schweiz zu pflegen. Nur wenn die schulische und praktische Grundbildung weiterhin optimal mit dem schweizerischen System abgestimmt ist, können wir weiterhin von dieser Kooperation profitieren. Weil die Weichenstellungen durch die Lehrbetriebe, die Firmen und die Verbände vorgenommen werden, können wir auch von einer sehr niedrigen Jungendarbeitslosigkeit profitieren. Diese Akteure kennen den Bedarf und produzieren darum nicht am Markt vorbei. Aus diesem Grund sehe ich die Rolle des Staates, einen möglichst grossen Spielraum sicherzustellen. Bezüglich der Frage der finanziellen Unterstützung kommt die Regierung zum Glück zum Schluss, dass es keinen Grund gibt, diese zu erweitern. Konstante Lehrstellenzahlen über zehn Jahre belegen, dass die aus Frage 9 abnehmende Ausbildungsbereitschaft sich nicht belegen lässt. Ja, wir sind mitten in der digitalen Transformation, aber trotzdem liegt es an den Lehrbetrieben, zu erkennen, welche Kompetenzen in Zukunft nötig sind, und dann diese auch zu fördern. Ich erwähne an dieser Stelle als Beispiel das Techniklabor pepperMINT. Diese MINT-Initiative wird zusammen mit Firmen und dem Land Liechtenstein getragen. Auch hier wurde der Zeitgeist erkannt. Schon heute überwiegen die produktiven Leistungen der Lernenden die Nettokosten des Lehrbetriebs in den meisten Lehrberufen. Das heisst, sie machen unter dem Strich Gewinn, wenn sie Lernende ausbilden. Dies bedeutet, dass der Staat hier keine Weichenstellungen vornehmen muss, zumal er auch sicher nicht besser weiss, wohin die Reise geht. Damit aber Lehrbetriebe einen guten Job machen können, benötigen sie sehr gute Lehrkräfte. Auch hier bestätigt die Interpellationsbeantwortung, dass sich die Akteure hier seit Jahren sehr gut abstimmen und es ausreichend und gut besuchte und vom Staat subventionierte Aus- und Weiterbildungsmodule gibt. Die angenommenen Trends wurden fast alle durch die Regierung widerlegt. Einzig die Frage der gymnasialen Quote muss aus meiner Sicht differenzierter betrachtet werden. 2016 verfügen in der Schweiz 39,6% der jungen Erwachsenen über einen Maturaabschluss. Wir liegen hier bei 44,3%. Diese 44,3% unterteilen sich bei uns auf 31,1% gymnasiale Matura, 10,8% Berufsmatura und 2,4% Fachmittelschule. Die Schweiz unterteilt ihre 39,6% auf 21,2% gymnasiale Matura, 15,4% Berufsmatura und 3% Fachmittelschule. Somit weisen wir eine 4,7% höhere Maturitätsquote aus, 9,9% mehr im Gymnasium und 4,6% weniger in der Berufsmatura. Ob eine weitere Akademisierung der Berufswelt Sinn macht, ist eine wichtige Frage. Der Trend geht in Europa in diese Richtung und macht auch nicht vor Liechtenstein halt. Dies ist der einzige Trend, den ich gerne brechen würde. Wobei auch hier der Bedarf dies zu regeln hat. Was ich bereits am Anfang angedeutet habe, wiederhole ich am Ende meiner Bemerkungen nochmals. Die Regierung kommt zum Schluss, dass alle Rahmenbedingungen seit Jahren sehr gut sind. Und wir sollten dafür Sorge tragen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Punktuelle Weichenstellungen müssen zwischen den Bildungsakteuren direkt vereinbart werden und der Staat hat primär dafür zu sorgen, dass wir stabile Rahmenbedingungen vorfinden. Diese Basis ermöglicht es weiterhin, Firmen im Land zu halten, die dann auch unsere Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten. Sei dies in der dualen Ausbildung durch eine Lehre oder durch den Weg über eine Matura mit anschliessendem Studium. Am Ende braucht es aber vor allem eines: Sehr gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen, die ideale Rahmenbedingungen vorfinden, damit sie täglich ihren Job mit viel Engagement verrichten können. Und zum Glück dürfen wir im Land genau dies immer antreffen. Herzlichen Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Regierungsrätin Dominique Hasler
Geschätzter Präsident, guten Morgen, geschätzte Damen und Herren Abgeordnete. Eingangs bedanke ich mich bei den Interpellanten für die aufgeworfenen Fragestellungen rund um die duale Berufsbildung und deren Weiterentwicklung betreffend den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Liechtenstein. Wir verfügen in Liechtenstein über ein Bildungssystem mit einer Vielzahl von Bildungswegen und Bildungsmöglichkeiten, bei welchen vor allem die Durchlässigkeit im Vordergrund steht. Das heisst, für die Erstausbildung steht den Jugendlichen die Berufswahl einerseits über eine Berufslehre oder andererseits über die gymnasiale Ausbildung offen. Beide vorgenannten Bildungswege stehen nicht im Wettbewerb, sondern sind als Ergänzung anzusehen, denn beide Wege führen zum Ziel, zum Einstieg in die Berufswelt. Wie von Ihnen, von einigen Abgeordneten, richtig ausgeführt, geniesst die duale Berufsbildung einen gleichermassen hohen Stellenwert bei der Gesellschaft und der Wirtschaft und stellt ein bedeutendes und immanent wichtiges Element unseres Bildungssystems dar. Die duale Berufsbildung geniesst vor allem auch in den deutschsprachigen Ländern einen hohen Stellenwert, da dieser Bildungsweg ja gerade dort seit vielen Jahrzehnten bekannt und sehr erfolgreich umgesetzt wird. In vielen europäischen Ländern laufen derzeit grosse Anstrengungen, das Modell der Berufslehre zu etablieren, und dies zeigt die besondere Bedeutung, welche diesem Bildungszweig beizumessen ist, auf eindrucksvolle Art und Weise. Bei dieser Gelegenheit ist es mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass Liechtenstein über einen mit den Bildungsbeteiligten abgestimmten und standardisierten Berufswahlprozess verfügt. Diese staatlichen Dienstleistungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, sind de facto einzigartig und führen letztlich dazu, dass fast ausnahmslos alle Schulabgänger im Rahmen ihrer Berufswahl eine für sich geeignete Anschlusslösung finden. Die Regierung erachtet es als wenig zielführend, die Berufswahl der Jugendlichen in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Das gemeinsam angestrebte Ziel aller Bildungsbeteiligten muss es sein, dass bei der Berufswahl die Neigung und Eignung der Jugendlichen und somit eine möglichst erfolgreiche Ausbildung im Vordergrund stehen. Die laufende Förderung und Weiterentwicklung des dualen Bildungsweges ist eine wichtige und zentrale Aufgabe der beiden Verbundpartner Staat und Wirtschaft. Und ich glaube, es darf an dieser Stelle festgehalten werden, dass die gerade vorgenannten Verbundpartner in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte erfolgreich gemeinsam lanciert haben. Wir verfügen über ein zukunftsfähiges Bildungssystem, davon bin ich überzeugt. Die Bildung wird sich aber auch in den nächsten Jahren an den laufenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen orientieren und weiterentwickeln dürfen. Genau daran werden wir, der Staat und die Wirtschaft gemeinsam weiterarbeiten. Ich möchte nun auf die Fragen und Aussagen von einzelnen Abgeordneten eingehen. Der Abg. Günter Vogt hat die Anzahl Lehrverträge oder das Ausbildungsangebot in die Verbindung mit dem BIP gestellt. Hier möchte ich einfach sagen, dass man natürlich diese Betrachtungsweise einnehmen und dann eine These aufstellen kann, dass es hier einen Zusammenhang gibt. In diesem Zusammenhang sind bei einem solchen Vergleich auch die jährlich nicht besetzten freien Lehrstellen aber zu berücksichtigen. Solche Vergleiche sind unserer Meinung nach sehr mit Vorsicht zu behandeln, weil einerseits die Wirtschaft das summarische Angebot an Ausbildungsplätzen vorgibt und andererseits die demografische Entwicklung in Bezug auf die Anzahl an Schulabgängern, also auch die Nachfrage der Ausbildungsplätze, einen wesentlichen Faktor in dieser Thematik darstellt.Dann haben Sie ausgeführt oder auch die Frage gestellt: Soll der Staat nicht eine aktivere Rolle in Bezug auf den Harmonisierungsbedarf beim einheitlichen Lehrstellenzusagetermin übernehmen? Wie bereits in der Interpellation ausgeführt, die Regierung begrüsst das von der Wirtschaft gemeinsam abgestimmte Harmonisierungsbestrebungsprojekt, dass möglichst ein einheitlicher Lehrstellenzusagetermin im Land geschaffen wird. Wir freuen uns über das gemeinsame Engagement und wir sind auch gerne bereit, sofern diesbezüglich ein regionales Bedürfnis besteht, hier die notwendigen Hilfestellungen auf politischer Ebene regional einzubringen. Aber es ist einfach zu berücksichtigen, dass letztendlich die regionale Wirtschaft und somit die einzelnen Lehrbetriebe einen solchen einheitlichen Zusagetag festlegen, mittragen und sich schlussendlich auch daran halten müssen. Das darf unserer Meinung nach nicht vom Staat verordnet werden. Dann haben Sie ausgeführt, dass Sie nicht verstehen, dass auf Seite 22 diese Verhältnismässigkeit von Lehrberufen und höherem Lehrstellenangebot ausgeführt wird. Hier kann ich nur sagen, es gilt im Grundsatz das Angebot-und-Nachfrage-Prinzip, welches von Jahr zu Jahr, von Lehrberuf zu Lehrberuf anders ist und vor allem aber auch abhängig ist von den individuellen Neigungen der Jugendlichen und der Schulabgänger. Auch das von Ihnen angeführte Beispiel im Lehrberuf Gipser, Trockenbauer zeigt, dass es durchaus vorkommen kann, dass die von der Wirtschaft angebotenen Ausbildungsplätze, aus welchen Gründen auch immer, offensichtlich nicht vergeben werden konnten. Das kann dann aber im nächsten Jahr wieder komplett anders aussehen, es ist also wirklich ein Angebot-und-Nachfrage-System.Dann haben Sie die Frage gestellt, wem in Liechtenstein die Frage obliegt, sich auch den Herausforderungen in Bezug auf Industrie 4.0 und den damit einhergehenden Entwicklungen im Digitalisierungsbereich anzunehmen, der natürlich auch die duale Berufsbildung betrifft, wer hier welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen übernimmt. Hier ist es so, dass der Staat die Bildungsverordnungen, also unsere Ausbildungsreglemente, die in der Interpellation auch auf Seite 37 ausgeführt sind, jeweils im Fünfjahresrhythmus überprüft und bei Bedarf anpasst. Dazu werden die heimischen Wirtschaftsverbände und die zuständigen Bildungsbehörden immer eingeladen, eine Stellungnahme abzugeben, und somit können ihre Anliegen Anpassungen, Veränderungen immer miteingearbeitet werden, und die Lehrberufsweiterentwicklung ist somit gewährleistet.Dann haben Sie zur Frage 6 ausgeführt, dass es wichtig ist, dass die Lehrbetriebe Unterstützung bekommen, insbesondere auch die kleinen Lehrbetriebe, und dass Sie hier festhalten möchten, dass es nicht nur um Unterstützung von finanzieller Natur geht. Die Situation in Liechtenstein ist so, dass es beide Seiten gibt. Es gibt einerseits die finanzielle Unterstützung der Berufsbildung im Rahmen der geltenden Rechtsbestimmungen in den verschiedenen Bereichen, dass wir vor allem Schulgelder, Berufsfachschule, Qualifikationsverfahren, üK-Ausbildungen bezahlen. Und andererseits aber vor allem grosse Dienstleistungen im berufsberaterischen Bereich anbieten. Hier ist es wichtig auch auszudrücken, dass eben neben diesen monetären Unterstützungen vor allem auch Beratungen und Dienstleistungen unterstützend wirken, und hier sieht der Staat sich sehr stark in der Berufsberatung auch in der Verantwortung, hier die Kleinbetriebe, aber natürlich auch die Grossbetriebe gezielt zu unterstützen. Und bei dieser Beratung soll immer der Lernende im Kontext von seinem Lehrbetrieb im Zentrum stehen.Dann haben Sie mit Sorge die Entwicklungen im Onlinehandel und die daraus entstehenden Veränderungen in der Berufswelt thematisiert. Hier ist sicherlich zu sagen, dass natürlich grundsätzlich die Wirtschafts- und Gewerbebereiche in der Eigenverantwortung stehen, ihre Arbeit oder ihr Angebot in Bezug auf die digitalen Entwicklungen fortlaufend anzupassen. Was natürlich wichtig ist, ist, dass der Staat und die Politik im Bedarfsfall geeignete Massnahmen mitunterstützen und gegebenenfalls notwendige Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb ist gerade auch im Bereich der Digitalen Agenda ja das Thema Bildung ein sehr wichtiger und grosser Bereich, der darin ausgeführt wird, wo auch klar beschrieben wird, dass natürlich auch im Bereich der Berufsbildung es wichtig ist, dass wir mit den Entwicklungen gehen und unsere jungen Leute für die Herausforderung der Zukunft fit machen.
Als letztes haben Sie das Thema der Steuerung der Maturitätsquote aufgeführt und auch mich direkt gefragt, warum aus pädagogischen Gründen vieles gegen eine Übertrittsprüfung spricht. Ich möchte hier einfach festhalten, dass die Zuteilungsquoten ins Untergymnasium grundsätzlich, über einen Langzeithorizont betrachtet, relativ konstant sind. Aber natürlich unterliegen sie von Jahr zu Jahr gewissen Schwankungen. Letztes Jahr waren sie bei, ich glaube, 29%, wir haben jetzt bereits für dieses Jahr die aktuellen Zahlen, die liegen wieder bei 21,1%. Das zeigt über einen längeren Zeithorizont, dass wir grundsätzlich konstante Zahlen haben. Eine Steigerung der Maturitätsquote ist nicht mit einer gestiegenen Zuteilungsquote aus dem Übertrittsverfahren von der Primarschule begründet, das zeigt sich auch auf Seite 18 in der Interpellationsbeantwortung. Wir können immer noch festhalten, zwei von drei Schulabgängern entscheiden sich relativ konstant für eine Berufslehre.Die Anforderungen sind also nicht gesunken, um einen Eintritt in das Liechtensteinische Gymnasium machen zu können. In unserem Schulsystem erfolgt eine erste Weichenstellung mit dem Übertritt in eine Langform des Gymnasiums im Vergleich zur Schweiz sehr früh. Es gab viele pädagogische Entwicklungen in den letzten Jahren, wo man ganz bewusst von diesem starren Übertrittsprüfungen abgekommen ist. Da gibt es viele pädagogische Gründe dafür. Einer davon ist gerade auch, weil die Selektion bei uns so früh ist, dass man vermeiden möchte, dass man eine Kultur des «teaching for tests» fördert. Und damit können gerade auch die Chancengleichheitsprobleme für Kinder, die zum Beispiel aus einem Elternhaus kommen, wo eine andere Sprache gesprochen wird, oder die eine andere sozioökonomische Herkunft haben, dass diese in einem solchen System nicht die gleichen Chancen haben, verringert werden. Somit fahren wir ein duales System, wir haben immer noch Prüfungen, wir haben immer noch Standortbestimmungen, wo die Leistungen der Schülerinnen und Schüler gemessen werden. Wir haben aber auch auf der anderen Seite zusammen mit den Lehrpersonen und den Eltern die Möglichkeit, dass hier gemeinsam die Fähigkeiten des Kindes ins Zentrum gestellt werden, weil das das Ziel sein muss, und gemeinsam am runden Tisch geschaut wird, was der beste Weg für die Schülerin oder den Schüler für die Zukunft sein soll. Wir sind der Überzeugung, gerade auch mit den Entwicklungen im neuen Liechtensteiner Lernplan, der mit der Kompetenzorientierung auch die Beurteilung nochmals in den nächsten Jahren sicherlich in einen anderen Kontext stellen wird, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Denn schlussendlich soll hier nicht eine Quote, sondern die Fähigkeit und die Zukunft der Kinder im Zentrum stehen. Dann möchte ich noch auf die Fragen des Abg. Georg Kaufmann eingehen. Sie haben ausgeführt, dass Sie Sorge haben, dass eventuell Kleinstunternehmen aufgrund des Return on Invest sozusagen oder aufgrund der Herausforderungen vielleicht in Zukunft eher weniger Lehrstellen anbieten. Grundsätzlich zeigen sich diese Zahlen im Moment nicht. Natürlich braucht es eben weiterhin Unterstützung und es braucht weiterhin dieses Erfolgsmodell, dass wir in Liechtenstein auch aufgrund der kurzen Wege wirklich sehr eng mit den Lehrbetrieben zusammenarbeiten können, nicht nur monetär unterstützen, sondern gerade auch vom Amt für Berufsbildung aus auch kleine Betriebe in herausfordernden Fragestellungen, die es durchaus in einer Lehrzeit auch geben kann, wirklich auch begleiten können, dass sie vor allem auch bei den zeitlichen Aspekten, die in einer Lehrbegleitung natürlich auch ein Unternehmen belasten können, Unterstützung leisten. Es ist aber einfach auch darauf hinzuweisen, das zeigt die Interpellation auch: Lehrlinge können sehr schnell - je nach Beruf, je nach Komplexität des Berufes aber auch - im Lehrbetrieb eingesetzt werden. Sie sind dort auch Arbeitskraft und können deshalb sehr wohl einen sehr grossen und auf verschiedenen Ebenen angesiedelten Return on Invest, um es zu sagen, in die Betriebe einbringen. Sie haben dann auch gesagt, ob wir die Anliegen des Jugendrates ernst genommen haben. Sie sehen hier Bedarf, dass die Beratung der Jugendlichen noch verbessert werden kann. Auch hier möchte ich ausführen, dadurch dass wir ein sehr individuelles System haben und wirklich immer wieder auch am runden Tisch mit dem Lernenden, mit dem Lehrbetrieb diese Situation angeschaut werden kann, aber auch schon in der Vorbereitung auf die Berufsbildung aufgrund der Strukturen sehr individuell und nicht in Grossgruppenveran-staltungen auf die Personen eingehen, sind wir der Überzeugung, dass wir diesen Forderungen der Jugendlichen und diesen Bedürfnissen sehr wohl auch nachkommen können.Dann vielleicht noch: Zum Abschluss haben Sie die Bedeutung der Beratung, der Berufsberatung, im Erwachsenenbereich ausgeführt. Hier teile ich Ihre Meinung, dass natürlich lebenslanges Lernen gerade auch in einem dualen Berufsbildungssystem von grosser Bedeutung ist. Hier hat Liechtenstein neben den Berufsbildungsmassnahmen gerade auch im Erwachsenenbildungsbereich grosse Angebote, ich sehe hier vor allem auch, dass es wichtig sein wird, dass hier in Zukunft auch gut abgestimmt zusammengearbeitet wird und dass man wirklich gezielt schaut, wer welches Angebot hat. Ich nehme hier zum Beispiel die Bildungsgutscheine, die wir in der Erwachsenenbildung haben, wo ja auch eine gewisse Beratungsleistung über das ABB angeboten wird, dass wir hier vor allem gut über die Koordination schauen, dass hier gut zusammengearbeitet wird, weil ich glaube, es wird hier sehr viel gute Arbeit geleistet und auch für die Erwachsenen gute Beratungsmöglichkeiten angeboten.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Eugen Nägele
Herr Präsident, danke für das Wort. Guten Morgen in die Runde. Ich möchte mich sehr herzlich für die sehr ausgewogenen Antworten der Bildungsministerin bedanken. Ich denke, Sie haben versucht, die Vielfalt und die Breite des jetzigen Systems aufzuzeigen, das hat mir sehr gefallen. Das wollte ich Ihnen einfach sagen, das habe ich sehr gut gefunden. Ich denke, was mir auch gefallen hat, ist, dass Sie sehr klar aufgezeigt haben, dass Maturitätsquote nicht automatisch Gymnasialquote heisst. Ich denke, das ist ganz wichtig. Bei ein, zwei Voten war ich nicht ganz sicher, ob diese Differenzierung auch ganz klar angekommen ist. Sie haben es in Ihrer Beantwortung sehr deutlich ausgeführt, schriftlich und auch mündlich. Wir dürfen diese Quote nicht verwechseln. Es gibt eine Maturitätsquote mit BMS, Gymnasium und so weiter. Sie haben auch gesagt, dass diese Quote mehr oder weniger konstant ist. In der Verordnung sprechen wir ja nicht über eine Quote, sondern über einen Richtwert; und auch in ihrer Beantwortung haben Sie über Richtwerte gesprochen. In diesem Jahr, Sie haben es jetzt auch gesagt, werden wahrscheinlich 72 Schülerinnen und Schüler von den Primarschulen an das Gymnasium übertreten. Bei so einem kleinen Jahrgang können fünf oder sechs Schüler mehr oder weniger diesen Richtwert total verändern. Deshalb wäre ich sehr froh, wenn Sie in Ihrer wichtigen Funktion als Landtagsabgeordnete auch sehr bewusst mit diesem Thema umgehen und nicht, das haben Sie sicher nicht bewusst gemacht, Stimmung machen. Natürlich gibt es einen Ausreisser, letztes Jahr, das war ein deutlicher Ausreisser in diesem Richtwert. Aber grundsätzlich glaube ich, dass schon versucht wird, das sehr gut einzuhalten. Da möchte ich auch den Primarschullehrerinnen und -lehrern ein Kränzchen winden. Sie haben hier eine wichtige Aufgabe und ich glaube, sie machen das sehr gut in Zusammenarbeit mit den Eltern. Wenn ich an Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz denke, dann beneiden uns eigentlich sehr viele um dieses System ohne Prüfungen. Das zeigten viele Gespräche, sei das jetzt im Kanton Zürich oder St. Gallen oder auch in anderen Kantonen, vor allem in der deutschsprachigen Schweiz. Sie hätten das System, das wir hier haben, eigentlich sehr gerne. Eine Rückkehr zu den Prüfungen müssten wir uns schon sehr gut überlegen, ob das richtig ist. In den Kantonen - das ist natürlich keine repräsentative Aussage, die ich hier mache, das sind Einzelgespräche, die ich führe - kann ich feststellen, sie hätten sehr gerne dieses System, das wir hier haben, und würden sehr gerne von den Prüfungen wegkommen, wenn das möglich ist. Danke.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Günter Vogt
Danke, Herr Präsident. Danke der zuständigen Ministerin für die Beantwortung meiner Fragen. Ich habe noch gewisse Zusatzfragen - auch an den Abg. Daniel Oehry. Wir hatten die abnehmende Ausbildungsbereitschaft erwähnt, er hat ausgeführt, das lasse sich nicht belegen. Ich frage mich schon, wenn wir ein Wirtschaftswachstum von 20% haben und die Ausbildungsquote konstant ist, ist dann die Ausbildungsbereitschaft gewachsen, ist sie gefallen? Oder wie verstehe ich jetzt diese Aussage? Ich verstehe sie nicht. Für mich ist die Ausbildungsbereitschaft gesunken. Dann zum Lehrstellenangebot, ich habe das Beispiel Gipser angesprochen und für viele Jugendliche ist der Beruf des Gipsers vielleicht zu wenig sexy oder wird vielleicht auch nicht so gut bezahlt wie ein kaufmännischer Angestellter. Ich denke, dass wir hier schon ein kleines Gesellschaftsproblem vielleicht haben, diese Lehrstellen auch zu besetzen. Das betrifft jetzt nicht nur explizit den Gipser, sondern generell die handwerklichen Berufe. Ich denke, wir müssen hier auch die gesellschaftliche Entwicklung betrachten, die in der Bevölkerung stattfindet, sich eher für kaufmännische Berufe zu entscheiden. Dann hatten Sie im Zusammenhang mit der Berufsentwicklung und der Förderung der laufenden Weiterentwicklung den Rhythmus der Betrachtung im Zusammenhang mit der Schweiz erwähnt, dass dieser Fünfjahresrhythmus gewählt wurde und die Berufsentwicklung in diesem Zusammenhang betrachtet würde und ein Austausch stattfindet. Ich denke, dass dieser Rhythmus überholt ist, er war vielleicht vor 20, 30 Jahren noch richtig. Aber im heutigen IT-Zeitalter denke ich, muss dieser Rhythmus überlegt werden, ob wir den nicht den Entwicklungen, insbesondere auch den Entwicklungen im Bereich Industrie 4.0, anpassen wollen.
Dann noch zum Onlinehandel: Dazu gehört vielleicht auch der Grenzverkehr. Wir haben halt gewisse gesetzliche Rahmenbedingungen, die Onlinehandel oder auch Grenzverkehr oder auch Einfuhr von Waren bevorzugen. Bei CHF 300 Mindestgrenze muss eben keine Mehrwertsteuer bezahlt werden. Jeder Detailhändler in Liechtenstein, der irgendetwas für CHF 5 verkauft, muss eben diese Mehrwertsteuer bezahlen. Das ist für mich eine Ungleichbehandlung. Oder dass es im Onlinehandel bestimmte Grenzen für Einfuhrsteuern gibt, also dass nicht besteuert wird oder erst ab gewissen Umsätzen besteuert wird, das ist halt auch eine Ungleichbehandlung, auf die man zumindest gesetzgeberisch einwirken könnte, sofern es dann halt auch gewollt wäre. Danke.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Georg Kaufmann
Ja, ich möchte gerne noch etwas zu dieser Maturaquote sagen. Also wir haben in Liechtenstein, ich glaube, zwischen 40 und 45% Maturaquote. Davon ist, glaube ich, 25% gymnasiale Matura und der Rest Fachmatura oder Berufsmatura. Also ich warne davor, hier irgendwo auch nur die Idee zu haben, man müsse diese Gesamtmaturaquote ja nicht erhöhen. Ich bin überzeugt, die gymnasiale Maturaquote mit 25% ist für mich ein guter Wert, aber dass wir sagen, wir dürfen auch nicht mehr Berufsmaturaquote haben, das finde ich den falschen Weg. Wir brauchen oder auch unsere zukünftige Arbeitswelt braucht sehr gut ausgebildete und breit ausgebildete junge Menschen. Von daher erhoffe ich mir eben auch, dass sich die Berufsmaturaquote erhöhen wird. Ich traue sehr vielen, den allermeisten Menschen, die ich in der Beratung habe, zu, dass sie nach einer Lehre eine Berufsmatura machen und sich damit für den tertiären Bereich, für die Weiterbildung, vorbereiten und so ihr zukünftiges Leben selbstständig handeln können. Also bitte ja keinen Ruf, man müsse die Maturaquote auf unter 50% halten oder so. Das würde ich komplett den falschen Ansatz finden.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Thomas Vogt
Danke, Herr Präsident, für das Wort. Besten Dank, Frau Bildungsministerin, für Ihre Ausführungen. Wir haben hier in Liechtenstein ein duales Bildungssystem, um das uns wirklich sehr viele Länder, vor allem die benachbarten Länder auch, beneiden. Mir hat die Diskussion bis jetzt sehr gut gefallen und ich fand sie auch sehr ausgewogen. Der einzige Teil, der mir hier in dieser Diskussion nicht gefallen hat, war die Diskussion um diese Maturitätsquote oder um die Gymnasialquote. Ich habe hier auch ein bisschen Angst oder ich finde, wir müssen hier ein bisschen aufpassen. Unser Problem hier in Liechtenstein, wir haben ein Luxusproblem: Wir haben das Problem, dass wir zu viele Stellen im Verhältnis zu unserer Bevölkerung und zu unserem Nachwuchs hier haben. Das führt dann dazu, dass wir sowohl zu wenig Leute haben im Bereich des dualen Bildungssystems, also die diese Stellen besetzen können, wir haben aber auch viel zu wenige Personen, die Stellen besetzen können, bei denen man eine Matura benötigt. Also gibt es hier wohl einen gewissen Kampf um diese Personen. Ich finde es grundsätzlich sehr begrüssenswert, wenn Personen nach höheren Ausbildungen streben. Ich würde hier einfach davor warnen, wenn wir jetzt hier irgendwie eine Quotendiskussion beginnen und sagen: 44% ist uns viel zu viel, wir müssen diese wieder auf 35% drücken. Wichtig scheint mit in Bezug auf die Matura, sowohl die gymnasiale Matura als auch die Berufsmatura, dass am Schluss diese Ausbildung zumindest mit der Ausbildung in der Schweiz und in Österreich vergleichbar ist. Wie gross die Quote am Schluss ist, ist mir egal. Mir ist wichtig und da habe ich auch das Vertrauen ins Gymnasium, dass das Niveau sehr hoch gehalten wird und dass am Schluss ein Maturant von sich behaupten kann, ich habe die gleichen Voraussetzungen in der Schule gelernt wie ein Maturant in der Schweiz und in Österreich als Beispiel. Wenn wir jetzt hier in Liechtenstein die Maturitätsquote künstlich tief halten, dann müssen wir uns auch nicht wundern, wenn wir beispielsweise bei einer Finanzmarktaufsicht, ich nehme das einmal als Beispiel, eine Schlüsselstelle in unserem Staat, oder bei den Richtern Personen vermehrt aus dem Ausland brauchen und verzweifelt im Inland suchen, weil es eben hier keine Personen gibt, da wir zu wenig Personen haben, die die Matura gemacht haben. Wie gesagt, für mich ist wichtig, nicht die Quote, sondern die Qualität an den Schulen, dass am Schluss die Personen, die bei uns die Matura gemacht haben, die gleichen Qualifikationen haben wie Maturanten im Ausland.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Ja, wenn ich hier einen Satz anfügen darf, ich fühle mich sehr von Ihrem Votum angesprochen, auch vom Vorgängervotum. Ich bin ganz dieser Meinung, ich finde auch, dass wir ein Luxusproblem mit beinahe 40'000 Arbeitsplätzen in diesem Land haben. Das heisst, wir haben genau dasselbe Problem in der Ausbildung. Wir werden nie genügend Handwerker für unsere Bedürfnisse ausbilden können. Und wir werden nie genügend Akademiker für unsere Bedürfnisse ausbilden können. Da scheint mir ganz einfach sehr wichtig, die Wahlfreiheit für unsere jungen Leute im Land zu erhalten und nicht irgendwelche Zwangsmassnahmen ergreifen zu wollen, etwas in eine Richtung zu dirigieren. Ganz wichtig für unser Land ist es, dass wir die Bildungsbereitschaft erhalten können, die gegeben ist in unserem Land, das scheint mir ein sehr hohes Gut, und die damit verbundene Wahlfreiheit. Das ist mein Einwurf.Abg. Daniel Oehry
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, danke für das Wort. Ich wurde vom Landtagsabgeordneten Günter Vogt gefragt, wie ich das Thema Ausbildungsbereitschaft auf dieser Art und Weise einordne, dass ich davon ausgehe, dass das konstant bleibt. Wenn ich mir die Anzahl der Lehrstellen, die wir im Land haben, anschaue, dann deckt es den Bedarf der Betriebe, das ist ein Thema. Das zweite ist, wenn ich mir anschaue, wohin die Reise bei den Anforderungen geht. Da stecken wir natürlich im Trend drin, dass die Anzahl der Stellen, die wir in Liechtenstein zu besetzen haben, natürlich vor allem im Wachstumsbereich, im Akademisierungsbereich, drin ist. Das heisst, ich sehe jetzt weniger ein Wachstum an der Anzahl Schreiner oder Gipser, die Sie vorher aufgeführt haben, sondern dann bei den Lehrbetrieben oder auch bei den grossen Firmen drin, wo das grosse Wachstum natürlich auch vonstattengeht, bei Berufen, die einen höheren Schulabschluss haben, dann suchen wir Leute die eine Maturität gemacht haben. Sei das auf dem gymnasialen Weg oder auf der Berufsmaturitätsschiene, aber schlussendlich mit einem Abschluss im Level Bachelor oder Master, wenn es in die Studienrichtungen reingeht. Ich schliesse mich meinem Vorredner oder beiden Vorrednern Thomas Vogt und Landtagspräsident Albert Frick an. Wir haben tatsächlich ein Luxusproblem, weil wir 50% mehr offene Lehrstellen als Schüler im Land haben. Aus Sicht der Bank, die dort drüben sitzt, klasse, ich kann mir etwas aussuchen, aber wir bleiben beim Aussuchen. Ob jetzt jemand Gipser, Schreiner, Konstrukteur werden will, muss demjenigen überlassen sein. Wir haben auch das zweite Thema, wir haben 20'000 Pendler, die jeden Tag ins Land kommen. Das allein zeigt schon, dass wir die Anzahl von Fachkräften, die wir in Liechtenstein brauchen, nicht vom Land selbst aus besetzen können. Das zusammengezählt führt zu dieser Entwicklung, dass das an sich gesteuert werden muss vom Bedarf von den Betrieben, von den Abnehmern, sonst gibt es Fehlentwicklungen. Darum bin ich auch gegen eine Quote, weil das in die falsche Richtung laufen würde. Herzlichen Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Johannes Kaiser
Danke, Herr Präsident. Geschätzte Damen und Herren. Es ist mir ein Anliegen, doch auch noch etwas zu dieser Maturitätsquote auszuführen. Auch schon nur das Andenken, dass man eine Maturitätsquote künstlich tief halten könnte, finde ich wirklich verwerflich in dem Sinne, dass wir da nicht steuern können, damit wir im Land die Lehrstellen besetzen können, wie es der Landtagspräsident und auch andere Votanten ausdrücklich dargelegt haben. Die jungen Menschen in unserem Land müssen eine Chance für Bildung oder Ausbildung in jegliche Studienrichtung haben, das auch im internationalen Vergleich. Deshalb habe ich meine Frage an die Bildungsministerin: Wie sind die Maturitätsquoten oder wie gestalten sich die Maturitätsquoten im Vergleich zu Österreich oder zu Deutschland oder zur Schweiz? Irgendwie gibt es diese Zahlen wahrscheinlich. Wenn wir jetzt die Maturitätsquote in dem Sinne herunterfahren würden, dann würden wir die Ausbildungschancen und die Maturitätschancen und damit die Studienchancen von jungen Menschen massiv beeinträchtigen. Das wäre eine Diskriminierung in der Ausbildungsrichtung. Also dies hier steuern zu wollen, wäre völlig der falsche Ansatz. Ich finde es wichtig, weil sich die Gymnasiasten oder im gymnasialen- oder im Maturitätsbereich in der Berufsmatura die Menschen immer selbst entscheiden können, ob sie dann ein Studium antreten oder auch eine andere berufliche Laufbahn nehmen - trotzdem oder auch mit der Matura, was auch vielfach der Fall ist. Diese Frage, die ich an die Ministerin gestellt habe, würde mich noch interessieren.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Eugen Nägele
Danke für das Wort, Herr Präsident. Bitte lassen Sie uns doch über Richtwerte und nicht über Quoten sprechen. Eine Quote hat so etwas abschliessendes, ein Richtwert lässt uns ein bisschen mehr Spielraum, wenn wir über dieses Thema reden. Die Richtwerte haben sich in den letzten 20 oder 30 Jahren verändert. Ältere Semester, die hier sitzen, und das Glück hatten, weil sie aus eigenen Neigungen das Gymnasium machen konnten, wissen, dass es damals vielleicht 10 oder 12% waren. Heute sind wir bei 22%. Das hat aber damit zu tun, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Das hat auch damit zu tun, das hat auch der Abg. Daniel Oehry in seinem Statement gesagt, dass die Anforderungen sich auch verändert haben. Viele Berufe verlangen heute eine Matura, die vor 20 oder 30 Jahren keine Matura brauchten. Also diese Richtwerte haben sich auch an die gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. Das sind keine willkürlichen Entscheidungen der Bildungsministerin oder des Schulamtes, sondern das sind die Entwicklungen, die nachvollzogen worden sind. Heute liegt der Richtwert bei 22%, das entspricht ungefähr dem Durchschnittswert der Schweiz. Das hat der Abg. Georg Kaufmann in seiner Aussage auch gesagt. Diese unterstütze ich übrigens sehr, ich finde das sehr richtig, was Sie gesagt haben. Ich glaube, es wäre jetzt aber heute falsch zu sagen, dass wir die gymnasiale Quote unbedingt erhöhen müssen, da hätte ich jetzt Mühe. Ich glaube, bei dieser Quote, bei diesem Richtwert, jetzt sage ich auch schon Quote, bei diesem Richtwert liegen wir nicht schlecht. Es geht darum, dass wir eine gute Balance finden zwischen den Ansprüchen der Berufswelt und der, ich sage jetzt, eher akademischen Welt. Ich glaube, hier sind wir mit diesem Richtwert auf einem guten Weg, der wird sich wahrscheinlich dann auch irgendwann einmal verändern. Wenn der Landtag in fünf oder zehn Jahren über dieses Thema reden wird, dann bin ich gespannt, ob noch der gleiche Richtwert gilt oder ob sich dieser aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen angepasst hat. Also diese 22% entsprechen momentan ungefähr dem Durchschnittswert der Schweiz. Die Schweiz kennt ja ganz unterschiedliche Richtwerte, wenn man die Ostschweiz mit dem Kanton Genf vergleicht, da sind die Werte völlig unterschiedlich.Ich finde es richtig, was Sie, Herr Kaufmann, gesagt haben. Ich glaube, die Entwicklung wird wahrscheinlich vor allem in der Berufsmaturität stattfinden. Das könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Und wenn man die Zahlen der letzten Jahre anschaut, das hat ja die Bildungsministerin auch gesagt, dann sind die Richtwerte bei der gymnasialen Quote ungefähr konstant, mit leichten Ausschlägen je nach Jahrgang. Aber die Entwicklungen haben vor allem bei der Berufsmaturität stattgefunden; und dort gibt es eine klare Zunahme. Das finde ich so auch richtig. Dann wollte ich das erste Mal noch etwas sagen. Bei einem Votum heute Morgen habe gehört, dass die Eltern auf die Schüler unqualifizierten Einfluss nehmen und sie die Intelligenz der Schüler auch überschätzen. Das kann in Einzelfällen zutreffen. In vielen Gesprächen kann ich feststellen, dass einzelne Eltern ihre Kinder wirklich überschätzen. Aber das sind wirklich Einzelfälle. Ich denke, den Eltern kommt eine ganz wichtige, eine zentrale Rolle zu. Und ich glaube nicht, dass sie unqualifiziert sind, und ich glaube auch nicht, dass sie sie überschätzen. Die meisten Eltern kennen ihre Kinder extrem gut und sie wissen genau, was ihnen gut tut oder was ihnen nicht gut tut. Ich würde jetzt nicht von diesen Einzelfällen ausgehen, sondern von der ganz grossen Mehrheit. Und diese Mehrheit weiss, was für ihre Kinder gut ist und was nicht gut ist. Diese wichtige Erfahrung kommt ja auch bei diesen Übertritten ins Spiel. Ich denke, da wissen sie schon, was das Beste für ihre Kinder ist. Ich wollte das einfach sagen, ich möchte das nicht so im Raum stehen lassen, als ob man das Gefühl hat, dass die Eltern wirklich unqualifiziert handeln oder überschätzen. Ganz im Gegenteil. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Christoph Wenaweser
Danke, Herr Präsident. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Ich bin eigentlich sehr froh, dass die Diskussion jetzt diese Wende genommen hat. Wenn wir uns überlegen, was eigentlich die grosse Stärke oder die grösste Stärke unseres Bildungssystems ist. Das ist seine Durchlässigkeit. Ab der Primarstufe ist die Durchlässigkeit extrem hoch und wohl nirgends auf der Welt so grossartig ausgestaltet wie bei uns. Jeder junge Mensch hat dank der Durchlässigkeit unseres Systems enorme Möglichkeiten. Wenn wir uns Quoten überlegen, dann führen wir die Stärke unseres Bildungssystems augenblicklich ad absurdum, dann brauchen wir die Durchlässigkeit des Systems nicht mehr lange zu loben. Ich stimme mit den Voten des Kollegen Vogt, mit dem Herrn Landtagspräsidenten und insbesondere auch mit dem Votum von Ihnen, Herr Kollege Nägele, absolut überein. Ich möchte nur einen Begriff nochmals aufnehmen, Sie reden von Richtwerten. Ich möchte aber einfach auch den Begriff Wert auch noch anders sehen: Wertigkeit und Wertschätzung. Es ist mir sehr, sehr wichtig, dass jemand, der sich für einen nicht akademischen Weg entscheidet, in seinem Berufsleben die gleiche Wertigkeit erfährt, das heisst, eine angemessene Bezahlung. Das stelle ich eben wieder in Zusammenhang mit meinem einleitenden Votum, wir haben Berufsgruppen, die wir dringend stärken müssen, dringend. Das sind insbesondere die Pflege- und Betreuungsberufe nebst vielen anderen Handwerks- und industriellen Berufen. Aber dort muss eine Stärkung erfolgen und das geht über Wertigkeit und letztendlich auch über die Bezahlung. Dann geht es auch noch um die gesellschaftliche Wertschätzung. Wir dürfen nicht zu einer Gesellschaft werden, in der jemand mit einem nicht akademischen Werdegang sich irgendwo minderwertig, um bei dieser Begrifflichkeit zu bleiben, fühlen muss. Zu guter Letzt noch Folgendes: Der Bedarf regle die Menge der benötigten Akademiker. Dann möchte ich einfach auch einmal die These in den Raum stellen, dass auch der Bedarf zu regeln ist. Das soll einfach jeder für sich selbst in seiner Berufswelt kritisch hinterfragen. Man stellt ja fest, dass der Bedarf an Akademikern steigt. Ist es wirklich so, dass bei jeder Stelle, die jetzt ausgeschrieben ist, ein akademischer Werdegang als unabdingbar gilt? Insbesondere auch in der Landesverwaltung sind sehr, sehr viele Stellen, bei denen halt der akademische Werdegang als unabdingbar bezeichnet wird. Ist jede Stelle, wo das so beschrieben ist, tatsächlich auch so ausgestattet, dass nur ein Akademiker die Leistung zu erbringen imstande ist? Das könnte man lange diskutieren, aber das soll jeder für sich selbst einmal kritisch hinterfragen. Brauchen wir wirklich an allen Ecken und Enden die Akademiker?Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Eugen Nägele
Danke für das Wort. Nur ganz kurz, ich bedanke mich sehr für dieses Votum, Herr Abg. Christoph Wenaweser. Ich unterstütze das zu 100%. Ich finde, das ist eine wertvolle Ergänzung, die Sie noch gemacht haben. Das wollte ich Ihnen einfach mitteilen, das finde ich sehr wichtig, was Sie gesagt haben. Danke schön.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Mario Wohlwend
Danke, Herr Präsident. Ich habe die Wahlfreiheit auch nicht infrage gestellt, weil das ein sehr wichtiger Punkt ist. Ich habe nur dahin meine Ängste geäussert oder auch den Wunsch geäussert, dass durch eine umfangreiche Information auch eine belastbare Entscheidung getroffen werden kann. Ich glaube, in der heutigen Zeit ist der akademische Weg vielleicht der Weg, der in der Öffentlichkeit sexy daherkommt. Deshalb sind die zahlreichen Massnahmen wichtig, die hier im Bericht und Antrag ausgeführt werden, das ist eigentlich einiges an Aufwand, den man betreibt, dass man die Informationen, die vorhanden sind, auch zu den Personen bringt, welche auch entscheiden müssen. Das hat für mich einen hohen Stellenwert. Wenn ich den Aufwand, ich kann es nicht abschätzen, aber was das Gymnasium für einen Aufwand macht, um Werbung zu machen für den akademischen Weg, und was die Berufsausbildung unternimmt, über die einzelnen Berufe zu informieren, ich glaube, das ist ein bisschen ein Unterschied. Das ist auch wichtig, dass man das macht. Denn wenn die Entscheidungen vorhanden sind, dann kann auch eine belastbare Entscheidung getroffen werden. Das ist auch wünschenswert für die Demokratie. All die Abstimmungen, die getroffen werden, basieren hoffentlich auf fundierten Informationen. Mein Hinweis bezüglich der Eltern liegt im Auge des Betrachters. Ich habe erwähnt, es sind viele - es ist immer die Frage: Was sind viele? Vielleicht sind es wenige oder einige. Und ich finde es auch nicht verwerflich, weil ich bin ja selbst auch ein Elternteil und man will ja nur das Beste für das Kind. Aber schlussendlich sind die drei Fragen sehr wichtig, die ich ausgeführt habe: Will die Person, kann die Person und passt die Person zum jeweiligen Weg? Denn wenn sie passt, wenn sie kann und wenn sie will, ist die Aussicht auf Erfolg bedeutend grösser und die ganze Gesellschaft kann durch eine gute Passung am meisten profitieren. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Regierungsrätin Dominique Hasler
Herr Präsident, geschätzte Damen und Herren Abgeordnete. Ich möchte zusammenfassend einige Schwerpunkte festhalten. Wir haben jetzt eine intensive Diskussion über Richtwerte, Quoten versus individuelle Förderung gehört. Ich kann Ihnen derzeit die aktuellen Zahlen der Nachbarkantone nicht exakt über die letzten Jahre sagen. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist, dass Liechtenstein sehr eng zum Beispiel, wie es der Abg. Georg Kaufmann ausgeführt hat, in der Zusammenarbeit mit der Schweiz steht. Wir kennen die Entwicklungen in der Schweiz und wir orientieren uns mit diesen eben nicht starren Zahlen, sondern mit diesen Richtwerten natürlich auch an den Entwicklungen in unseren Nachbarländern, weil das Anschlusslösungen für unsere Schülerinnen und Schüler sind. Da möchte ich unterstützen, was Sie gesagt haben, Herr Abg. Georg Kaufmann, hier müssen wir natürlich auch immer auf den unterschiedlichen Ebenen schnell und aktiv auf die Entwicklungen in der Schweiz reagieren können. Ich möchte hier noch auf einen Input des Abg. Günter Vogt eingehen. Sie haben gesagt, man kann nicht nur alle fünf Jahre in den Verordnungsebenen reagieren. Die Verordnungsebene ist natürlich bei Weitem nur ein Teil; wir reagieren sehr schnell auf Entwicklungen im Bildungsbereich. Aber da ist die Verordnungsebene, wo nur die groben Berufsinhalte der einzelnen Lehrberufe abgebildet sind, nicht die richtige Ebene. In den nachgelagerten Bildungsplänen, die gemacht werden, in den nachgelagerten Ausbildungszielen, die definiert werden, da wird sehr wohl sehr schnell und sehr reaktiv einerseits auf die Bedürfnisse des Ausbildungsbetriebes, des Ausbildungsinhaltes, aber natürlich auch auf die Bedürfnisse der Lerninhalte der Lernenden und Lehrenden eingegangen. Abschliessend möchte ich noch kurz zusammenfassen. Die Durchlässigkeit, und hier unterstütze ich das Votum des Abg. Christoph Wenaweser, aber auch das Votum des Votum des Landtagspräsidenten und das Votum des Abg. Eugen Nägele zu 100%, ist der grosse Erfolg in unserem Bildungssystem. Zu dieser Durchlässigkeit gehört auch, dass auf der Gymnasialstufe nicht nur «Bemühungen» gemacht werden, dass für die Maturitätsausbildung geworben wird, wie Sie das ausgeführt haben, Herr Abg. Wohlwend. Wir führen sogar auch auf der Gymnasialstufe grosse Informationsangebote durch, wo wir auch den Gymnasiasten die Möglichkeit der Berufslehre anbieten. Also wir haben ein sehr, sehr breites System, das breit die Möglichkeiten aufzeigt, und ich glaube, das ist schlussendlich der Erfolg für die Durchlässigkeit. Es sind die Angebote, die vielen Angebote in der Bildungsoffensive, wo wir transparent darstellen, welche Berufe gibt es, welche Bedeutung haben diese Berufe für die Gesellschaft - auch das unterstütze ich explizit, was der Abg. Christoph Wenaweser ausgeführt hat -, aber dann eine Stufe tiefer auch, was bringt jeder einzelne Lernende mit, wo sind seine Stärken und Fähigkeiten und wo möchte er sich zukünftig für unser Land einbringen. Da bin ich der tiefen Überzeugung, dass wir da mit den gemeinsamen Anstrengungen zwischen Wirtschaft und Bildung auf dem richtigen Weg sind.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Mario Wohlwend
Danke, Herr Präsident. Nur eine Rückmeldung an die Bildungsministerin. Also ich bin mir sehr wohl bewusst, dass diese Information auch im Gymnasium stattfindet, weil ich habe auch jedes Jahr Leute oder Personen, die einen Maturaabschluss haben und die dann den Weg Way-up einschlagen. Das ist eine verkürzte Lehre, die zwei Jahre dauert. Ich bekomme dann regelmässig die Rückmeldung, dass sie die Lehre, sie sind zwar, was den schulischen Teil anbelangt, teilweise ein bisschen unterfordert in der Berufsschule. Allerdings schätzen sie es sehr, dass sie eigentlich den Praxisbezug haben. Ich male hier immer ein Bild, es ist eigentlich wie ein Christbaum, der das Grundgerüst bietet, und die Wissenskugeln können dann belastbar an die einzelnen Äste gehängt werden. Mittlerweile habe ich einige, sie sind danach zu mir gekommen und haben im ersten Jahr gesagt, ein Studium komme für sie nicht infrage, und haben dann gleich anschliessend die Fachhochschule besucht. Aber ich hatte mittlerweile auch einen Fall, der sich das offengelassen hat und dann anschliessend die ETH besucht hat. Wenn ich mit ihm spreche, hat er die zweijährige Lehre eigentlich sehr genossen und auch einiges davon profitiert. Wenn man dann an der ETH von Projektmanagement spricht, dann stellt man schon den Dozenten gezieltere Fragen, weil man die Problemstellungen - zwar auf einem niedrigen Niveau - kennt, aber dann noch mehr wissen will. Also, dass das stattfindet, will ich gar nicht infrage stellen. Grundsätzlich geht es einfach darum, die Berufsausbildung braucht einfach die Plattform, um die Informationen an die Entscheidungsträger weiterzugeben. Das kommt auch ganz klar, das ist ja auch kein Vorwurf, im Bericht und Antrag zum Ausdruck, dass sehr viele Beteiligte rund um die Berufsausbildung einen sehr guten Job machen und sehr viel Herzblut in diese Dinge hineinsetzen. Also Chapeau allen Beteiligten, weiter so.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Damit haben wir die Interpellationsbeantwortung der Regierung zur Kenntnis genommen. Wir haben Traktandum 12 erledigt. Wir machen jetzt Pause bis 11 Uhr. Die Sitzung ist unterbrochen (von 10:40 bis 11:00 Uhr).
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