Interpellation zum neuen Lehrplan LiLe und der damit verbundenen Ausstattung der Kindergärten, Primar- und weiterführenden Schulen mit digitalen Endgeräten (Tablets und Notebooks) sowie zur Nutzung von Smartphones an den Schulen der Abgeordneten Herbert Elkuch, Erich Hasler und Thomas Rehak vom 8. April 2019
Landtagspräsident Albert Frick
Wir kommen zu Traktandum 6: Interpellation zum neuen Lehrplan LiLe und der damit verbundenen Ausstattung der Kindergärten, Primar- und weiterführenden Schulen mit digitalen Endgeräten (Tablets und Notebooks) sowie zur Nutzung von Smartphones an den Schulen, Interpellation der Abgeordneten Herbert Elkuch, Erich Hasler und Thomas Rehak vom 8. April 2019.Wünschen die Interpellanten das Wort? Abg. Thomas Rehak
Besten Dank. Zum neuen Lehrplan LiLe und der damit verbundenen Ausstattung der Kindergärten, Primar- und weiterführenden Schulen mit digitalen Endgeräten (Tablets und Notebooks) sowie zur Nutzung von Smartphones an den Schulen haben wir am 9. April 2019 eine Interpellation eingereicht. Gestützt auf Art. 45 der Geschäftsordnung vom 19. Dezember 2012 für den liechtensteinischen Landtag reichen die unterzeichnenden Abgeordneten eine Interpellation ein und bitten die Regierung, Auskunft zu den Plänen, Zielen und Auswirkungen der Einführung und Benutzung von digitalen Endgeräten auf die Lerntätigkeit der Kinder zu geben. Ebenso wollen die Interpellanten Klarheit darüber haben, wie in Liechtenstein mit der Thematik von Smartphones an den Schulen und auf den Pausenplätzen umgegangen wird. Die Interpellation begründet sich wie folgt: Liechtenstein führt ab Sommer 2019 den neuen Lehrplan LiLe stufenweise ein. Damit einhergehend werden die Kindergärten, Primarschulen und weiterführenden Schulen mit digitalen Endgeräten ausgestattet. Dazu hat der Landtag im Budget 2019 CHF 6,47 Mio. bewilligt. Insgesamt werden Kosten von rund CHF 13 Mio. erwartet, von denen die Gemeinden rund CHF 5 Mio. tragen müssen. Grundsätzlich ist zu begrüssen, dass den Kindern früh die Risiken und Gefahren im Umgang mit den sozialen Netzwerken und dem Konsum von Unterhaltungselektronik aufgezeigt werden. Zudem ist auch begrüssenswert, dass den Kindern die Werkzeuge der Informations- und Kommunikationstechnologien nähergebracht werden sollen. Allerdings bestehen auch Risiken in deren Anwendung, welche es ebenso zu beachten gilt. Kinder und Jugendliche nutzen ihre mobilen Endgeräte viele Stunden am Tag. Diese Einflüsse solch intensiver Nutzung sind nicht unerheblich und nachgewiesenermassen schädlich. Die Folgen davon können Kurzsichtigkeit, soziale Abgeschiedenheit, Lernschwächen etc. sein. Von den Eltern, Kindern und Lehrern werden die negativen Auswirkungen des übermässigen Konsums oft unterschätzt oder sind ihnen gar unbekannt. Der bekannte Ulmer Psychiatrieprofessor und Neurologe Manfred Spitzer hält nichts davon, wenn Kinder schon früh mit Computern und Internet in Kontakt kommen. Der Mediziner hat jüngst in einem Vortrag in Schaan überzeugend dargelegt, dass digitale Medien dem Gedächtnis schaden, zur Förderung des Lernens ungeeignet sind und süchtig machen. Er stellt auch die Nützlichkeit des Einsatzes digitaler Me-dien in Lernprozessen infrage. Ich zitiere: «Computer nehmen uns ja geistige Arbeit ab. Und wenn man weiss, wie das Gehirn funktioniert, nämlich dass geistige Arbeit im Gehirn Spuren hinterlässt, dann kann es gar nicht anders sein, dass Computer sozusagen Lernverhinderungsmaschinen sind.» Natürlich ist das ein bisschen überspitzt formuliert, aber ich denke, das sind auch Fakten, die es zu berücksichtigen gilt. Zudem hat Spitzer Auswertungen der Pisa-Studien, in denen Daten von einer Viertelmillion 15-Jährigen gesammelt wurden, vorgelegt, die gezeigt haben, dass Jugendliche mit Zugriff auf digitale Endgeräte in der Schule genau deswegen schlechtere Leistungen bringen. Spitzer ist der Ansicht, dass wir Politiker, Lehrer und Eltern nicht zulassen dürfen, dass die Köpfe der nächsten Generation durch digitale Medien weiter so vermüllt werden, wie dies gerade geschieht. Das Buch des Hirnforschers Spitzer «Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen» geht unter anderem auf die Ergebnisse einer Umfrage unter 62 Professoren deutscher Universitäten ein. Demnach gehen dem studentischen Nachwuchs wichtige Fähigkeiten, wie argumentative Logik, die Fähigkeit, Texte zu erfassen, und auch die Fähigkeit zur Konzentration immer häufiger verloren. Deshalb sollten wir uns jetzt Gedanken darüber machen, ob die geplante Einführung von elektronischen Endgeräten an Kindergärten und Schulen sinnvoll ist.Die Regierung wird daher von uns eingeladen, verschiedene Fragen zu diesem Thema zu beantworten. Auf die Vortragung dieser Fragen verzichte ich. Danke.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Gibt es weitere Wortmeldungen? Das ist nicht der Fall. Damit werden wir die Interpellation an die Regierung weiterleiten und wir haben Traktandum 6 erledigt. -ooOoo-