Interpellation zur Bedeutung des dualen Bildungssystems der Abgeordneten Manfred Kaufmann, Frank Konrad, Violanda Lanter, Gunilla Marxer-Kranz, Günter Vogt, Thomas Vogt, Christoph Wenaweser und Mario Wohlwend vom 28. Oktober 2018
Landtagspräsident Albert Frick
Wir kommen zu Traktandum 5: Interpellation zur Bedeutung des dualen Bildungssystems der Abgeordneten Manfred Kaufmann, Frank Konrad, Violanda Lanter, Gunilla Marxer-Kranz, Günter Vogt, Thomas Vogt, Christoph Wenaweser und Mario Wohlwend vom 28. Oktober 2018.Landtagsvizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz
Besten Dank, Herr Präsident. Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete. Jeder von uns kennt sicher die Sprichworte, «Übung macht den Meister», «Lehrjahre sind keine Herrenjahre» oder auch «jemandem das Handwerk legen». Diese Redewendungen zeugen von der grundlegenden Rolle, welche das Handwerk in unserer Kultur bis heute spielt. Mit unserer Interpellation möchten wir die Bedeutung des dualen Bildungssystems wieder einmal in Erinnerung rufen und haben daher die Regierung gebeten, einige dem Thema entsprechende Fragen zu beantworten. Die Fragen tangieren Themen wie das Überangebot von Lehrstellen vor allem bei handwerklichen Berufen oder auch Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die berufliche Aus- und Weiterbildung beziehungsweise das duale Bildungssystem. Ebenfalls stellen wir in dieser Interpellation Fragen zu einer möglichen Unterstützung von Ausbildungsbetrieben sowohl in finanzieller wie auch in organisatorischer Hinsicht. Auch das Thema Online-Handel und dessen Auswirkungen auf Ausbildungs- und später Arbeitsplätze werden angeschnitten. Der Online-Handel und Einkaufstourismus sind eine potentielle Gefahr für viele unserer Kleinunternehmen. Ausbildungsplätze des dualen Bildungssystems sind daher gefährdet. Ferner möchten wir die drohende Gefahr eines übermässigen Trends Richtung des gymnasialen Bildungsweges oder KVs gegenüber der handwerklichen Ausbildung ansprechen. Den genauen Wortlaut der Fragen wie auch der Begründung können sie der Interpellation - man findet diese auch auf der Website des Landtags - entnehmen und ich werde diese nun nicht eins zu eins vorlesen. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben diese sicher - so hoffe ich zumindest - schon bei der Vorbereitung zu diesem Traktandum eingehend studiert. Die jetzige Regierung hat bezüglich dualer Bildung in der aktuellen Legislatur bereits einiges aufgegleist und an die Hand genommen. Sei dies zum Beispiel mit einer erwachsenengerechten Infrastruktur und erweiterten Räumlichkeiten für die BMS oder einer Erhöhung des Subventionsbeitrags für Vorbereitungskurse zu Berufsprüfungen und Höheren Fachprüfungen. Mit den in der Interpellation gestellten Fragen möchten wir einen positiven Beitrag zu dieser Thematik leisten und eine vermehrte Wertschätzung unseres liechtensteinischen Handwerks in Erinnerung rufen. Weshalb stellen wir diese Fragen? Das Handwerk bildete bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die tragende Säule der Wirtschaft und ist bis heute noch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Ehedem haben die Handwerker all das fabriziert, was die Liechtensteiner zum Leben brauchten und nicht selbst herstellen konnten. Seien dies Häuser bauen, Einrichtungen fertigen, Kleidung und Werkzeuge herstellen. Heute droht dem hohen handwerklichen Können die Gefahr einer zu geringen Wertschätzung im Vergleich mit der Ausbildung über den dritten Bildungsweg. Dies hat zur Folge, dass aufgrund der fortwährenden Akademisierung unserer Gesellschaft immer mehr Schüler zur Matura mit dem Ziel einer Hochschulausbildung drängen. Der gravierende Mangel an Lehrlingen für eine handwerkliche Ausbildung ruft nach besserem gesellschaftlichen Ansehen und Wertschätzung der Handwerksberufe. Die gegebene demografische Entwicklung zeigt, dass mehr Arbeitskräfte in den Ruhestand treten, als Neueinsteiger in das Berufsleben einsteigen. Heute schon droht uns ein Fachkräftemangel in gewissen Berufsfeldern. In Kombination mit einer Überzahl an Studienabgänger könnte dies zu gesellschaftlichen Problemen führen. Möglich ist dagegen auch, dass eine handwerkliche Ausbildung zukünftig sogar erstrebenswerter als ein Studium erscheint. Könnte so allenfalls der Boden des Handwerks wieder golden werden? Die Entwicklung in obigen Fragen zeigt, dass letztlich ein gut ausgebildeter Handwerker, ein Fachmann, auf dem Arbeitsmarkt die grösseren Chancen haben könnte als ein durchschnittlicher Studiumsabsolvent, dem handwerkliches Können fremd ist. Es muss daher erstrebenswert sein, dass wir das duale Bildungssystem bestmöglich unterstützen, dies als Bekenntnis zur Handwerksarbeit und zu einem weiterhin erfolgreichen Wirtschaftsstandort Liechtensteins. Das besondere Augenmerk soll auf die Jugend gerichtet werden. Mit verschiedenen Angeboten wie zum Beispiel «PepperMINT», «FITNA Tage», «next step» oder «Berufscheck» werden den Jugendlichen bereits jetzt schon verschiedenste Anreize zur Orientierung bei der Berufswahl angeboten. Allenfalls wäre es auch interessant, vermehrt Kindern in der Primarschule berufstechnische, handwerkliche Einblicke zu geben, wie dies vereinzelt schon geschieht. Diese könnten so schon früh persönliche Erfahrungen mit handwerklicher Arbeit sammeln. Wir sind uns bewusst, dass das Bildungsministerium derzeit mit der Erarbeitung der Bildungsstrategie 2025 beschäftigt ist. Genau deshalb erachten wir unseren Input bezüglich der Wichtigkeit des dualen Bildungssystems zum jetzigen Zeitpunkt für notwendig, um eben gerade die Wichtigkeit des Einbezugs der dualen Ausbildung in diese Strategie zu betonen. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Wir werden auch diese Interpellation gerne an die Regierung weiterleiten. -ooOoo-