Interpellation zum Schulbeginn am Morgen an den Weiterführenden Schulen der Abgeordneten Helen Konzett Bargetze, Thomas Lageder und Wolfgang Marxer vom 2. November 2015
Landtagspräsident Albert Frick
Wir kommen zur Traktandum 5: Interpellation zum Schulbeginn am Morgen an den Weiterführenden Schulen der Abgeordneten Helen Konzett Bargetze, Thomas Lageder und Wolfgang Marxer vom 2. November 2015. Abg. Helen Konzett Bargetze
Danke, Herr Präsident, für das Wort. Geschätzte Abgeordnete. Gestützt auf Art. 45 der Geschäftsordnung vom 19. Dezember 2012 für den Liechtensteinischen Landtag, Landesgesetzblatt 2013/9, reichen wir Abgeordneten der Landtagsfraktion der Freien Liste eine Interpellation ein und laden die Regierung ein, nachfolgende Fragen zum Schulbeginn am Morgen an den Weiterführenden Schulen zu beantworten: - Welche Auswirkungen hätte ein späterer Schulbeginn am Morgen an den Weiterführenden Schulen
- für die Jugendlichen in gesundheitlicher und leistungsmässiger Hinsicht?
- für die Eltern in organisatorischer Hinsicht?
- für die Lehrerschaft in organisatorischer und pädagogischer Hinsicht?
- für die LIEmobil in verkehrstechnischer Hinsicht?
- für die Wirtschaft im Zusammenspiel mit den Eltern als Arbeitnehmende und hinsichtlich einer möglichen Verkehrsentlastung zu Spitzenzeiten?
- Verfügt die Regierung zum jetzigen Zeitpunkt zum Thema späterer Schulbeginn an den Weiterführenden Schulen schon über gewisse Erkenntnisse aus Gesprächen mit Lehrer- und Elternvereinigungen, dem Schulamt oder der LIHK und der Wirtschaftskammer?
- Was wäre nach Ansicht der Regierung der bestmögliche Zeitpunkt für den Schulbeginn am Morgen, um dem Anliegen der verbesserten Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen, aber auch den Bedürfnissen der anderen beteiligten Akteure wie berufstätiger Eltern und der Wirtschaft, der Lehrerschaft sowie eines optimierten LIEmobil-Schülerbus-Betriebs nachzukommen?
Noch kurz zur Begründung: In Liechtenstein beginnt der Unterricht an allen öffentlichen Weiterführenden Schulen um 7:45 Uhr morgens. Da die Mehrheit der Jugendlichen eine Weiterführende Schule besucht, die ausserhalb ihrer Wohngemeinde liegt, sind sie frühmorgens schon um 7 Uhr, in nicht wenigen Fällen schon weit vor 7 Uhr unterwegs an ihre Schule. Es stellt sich die Frage, ob es besser wäre, den Unterricht so zu planen, dass Jugendliche nicht «gefühlt mitten in der Nacht» aufbrechen müssen: Konsultiert man Studien, ergeben sich verschiedene gesundheitliche Argumente für einen späteren, den Leistungskurven der Jugendlichen entsprechenden, Unterricht. Schüler seien nachmittags wesentlich leistungsfähiger als morgens: Bei Prüfungen schneiden Schüler nach 11 Uhr besser ab als davor. Der Vorteil beginne schon ab 9 Uhr, gemäss anderen Aussagen schon ab 8:30 Uhr morgens. Jugendliche seien dann fitter und könnten sich besser auf Aufgaben konzentrieren. Sie fühlten sich wohler und wacher. Das kann auch objektiv gemessen werden: Frühmorgens sind die Schüler, vor allem die über 13-Jährigen, nur bedingt leistungsfähig beziehungsweise können ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Das Resultat sind schlechtere Leistungen. Ein früher Unterrichtsbeginn führe ausserdem zu einem chronischen Schlafmangel der Jugendlichen. Am Wochenende versuchten Jugendliche den Schlaf nachzuholen, was aber nur bedingt gelinge. Für die Eltern könnten sich ebenfalls Vorteile ergeben; aber ein späterer Schulbeginn könnte für berufstätige Eltern, welche früh mit der Arbeit beginnen, auch ein Nachteil sein. Für die Lehrerschaft ergäben sich aus einem späteren Schulbeginn am Morgen auch Veränderungen, welche diskutiert werden sollten. Es ist wichtig zu erfahren, ob ein späterer Schulbeginn von der Lehrerschaft der Weiterführenden Schulen grundsätzlich begrüsst würde und was die Konsequenzen für den Stundenplan wären. So können die pädagogischen Vorteile in einen Kontext gestellt werden. Für die LIEmobil könnten sich verschiedene Vorteile ergeben, wenn die Verteilung des Verkehrsaufkommens zeitlich breiter vorgenommen werden könnten beziehungsweise wenn die Busse nicht alle genau dann fahren, wenn der Werkverkehr auf den Liechtensteiner Strassen in vollem Gange ist. Möglicherweise könnte die LIEmobil dann sogar einige Busse weniger unterhalten. Uns Interpellanten interessieren diese verkehrstechnischen und finanziellen Konsequenzen eines späteren Schulbeginns für die LIEmobil. Für die Wirtschaft könnten sich ebenfalls Vorteile, aber auch Herausforderungen ergeben, die für eine Gesamtbetrachtung wichtig sind. Mit dieser Interpellation sollen bisherige Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen eines späteren Schulbeginns am Morgen an den öffentlichen Weiterführenden Schulen in Liechtenstein zusammengetragen, aufbereitet und im Landtag zur Diskussion gestellt werden können. Vielen Dank. Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Wir werden die Interpellation an die Regierung weiterleiten. Wir haben Traktandum 5 erledigt. -ooOoo-