Nutzungspotenzial der Tiefengeothermie in Liechtenstein (Nr. 129/2012)
Landtagspräsident Arthur Brunhart
Wir fahren weiter und kommen zu Traktandum 17: Nutzungspotenzial der Tiefengeothermie in Liechtenstein.
Dazu hat die Regierung den Bericht und Antrag Nr. 129/2012 vorgelegt.
Wird das Wort gewünscht?Abg. Gerold Büchel
Vielen Dank, Herr Landtagspräsident, für das Wort. Geschätzte Abgeordnete. Besten Dank der Regierung und ihren Mitarbeitern für die Erarbeitung dieses Berichts, welcher gegenüber den vorangegangenen Berichten zu diesem Thema um einiges an Konkretisierungsgrad und Qualität gewonnen hat.
Vorab möchte ich an dieser Stelle schon sagen, dass ich die Position der Regierung unterstütze in ihrem Vorhaben, beim weiteren Vorgehen den Fokus auf die Machbarkeit eines «Wärmeverbunds Buchs-Schaan» zu legen. Die Geothermie soll in dieser Machbarkeitsstudie als Option mitberücksichtigt werden. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass mit der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs bei der regionalen Betrachtung eine Energiequelle gesehen wird, welche auch für das Land Liechtenstein genutzt werden kann.
Die im Bericht und Antrag ausgeführten Wärmegestehungskosten von 11Rp/KWh, bei einer alleinigen Nutzung der Fernwärmelieferung der KVA-Buchs, kann durchaus als attraktiv gesehen werden.
Die im Bericht aufgezeigte Vorgehensweise würde des Weiteren einen etappenweisen Ausbau, vor allem im notwendigen Ausbau der Netzinfrastruktur, ermöglichen. In diesem Prozess kann auch eine entsprechende Marktbearbeitung vorangetrieben werden.
Wie aus dem Bericht klar hervorgeht, sind heute für die erwartete Wärmeenergie der Tiefengeothermie bei weitem nicht genügend Abnehmer vorhanden. Das bestehende Abnehmerpotenzial in einer ersten Phase über die Nutzung der Fernwärmelieferung der KVA-Buchs zu nutzen und dabei die Möglichkeiten eines weiteren Ausbaus zu prüfen, erscheint mir ein pragmatischer Weg, auch um bezüglich der netzgebundenen Wärmeenergie einen Schritt weiterzukommen und sich einen eventuellen Schritt in Richtung Tiefengeothermie offen zu lassen.
Zur Tiefengeothermie: Bezüglich den Ausführungen zur Tiefengeothermie möchte ich der Regierung für ihre umfangreichen Ausführungen bezüglich Technologie, Wirtschaftlichkeit und Marktpotenzial danken. Wie bereits bei der ersten Behandlung ausgeführt, war es der Wunsch einiger Abgeordneter, auch Zahlen der Wirtschaftlichkeit aufzuzeigen. In ersten Grundzügen ist die Regierung diesem Wunsch nachgekommen. Besten Dank an dieser Stelle.
Neben dem energietechnischen Potenzial der Tiefengeothermie, welches durchaus ein gewisses Interesse erweckt, sind jedoch auch weitere kritische Punkte hinzugekommen. Zum einen ist aus der Energiekostenabschätzung ersichtlich, dass mit 37Rp/KWh die Energie doch nicht ganz billig ist, jedoch mit der Erwartung steigender Energiekosten könnte dieses Kostenniveau an Attraktivität gewinnen. Der besorgniserregendste Punkt aus meiner Sicht ist die Tatsache, dass sich inzwischen die Erdbebenthematik weiter verschärft hat. So war bei der letzten Diskussion nur das Tiefengeothermieprojekt in Basel, welches inzwischen abgebrochen wurde, als negatives Beispiel der möglichen Konsequenzen aufgeführt worden. Im vorliegenden Bericht werden weitere Beispiele aufgeführt, bei welchen Erdbeben als Folge einer massiven hydraulischen Simulation auftraten. Auch wird ausgeführt, dass Erdbeben während dem laufenden Betrieb einer Geothermieanlage auftreten können. So zum Beispiel bei den hydrothermalen Geothermieanlagen in Unteraching und in Landau mit einer Magnitude von 2.7
Unter diesen Aspekten stellt sich mir die generelle Frage, ob wir überhaupt eine Tiefengeothermieanlage bei uns haben wollen. Auf jeden Fall möchte ich die Vorgehensweise unserer Nachbarn in Vorarlberg auch bei uns empfehlen, nämlich, dass wir die Ergebnisse aus den Bohrungen der Stadt St. Gallen abwarten, bevor wir hier weitere Schritte vornehmen.
Ich danke der Regierung für diesen Bericht und begrüsse die Weiterführung der Machbarkeitsstudie bezüglich der verstärkten Nutzung der KVA-Buchs. Bei der Tiefengeothermie erscheint es mir angebracht, ein paar Jahre auf die Bremse zu treten und abzuwarten, um zu sehen, wie sich die bereits in Umsetzung befindenden Projekte im Ausland weiter entwickeln und sich die Erdbebenthematik weiter entwickelt. Hierbei möchte ich wirklich kein Risiko eingehen. Besten Dank.Landtagspräsident Arthur Brunhart
Besten Dank.Abg. Peter Lampert
Herr Präsident, geschätzte Frauen und Herren Abgeordnete. Die Regierung hat dem Landtag einen umfangreichen Bericht über das Nutzungspotenzial der Tiefengeothermie in unserem Land unterbreitet. Wenn man den Bericht liest, gewinnt man den Eindruck, dass die Euphorie über die Tiefengeothermie weitgehend verflogen ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, wie aus dem Bericht ersichtlich ist.
Erstens erlauben die bisherigen Untersuchungen über die Nutzung der Geothermie noch keine Entscheidungen, weil noch zahlreiche Unsicherheiten vorhanden sind. Zweitens schrecken zum jetzigen Zeitpunkt wohl auch die Kosten davon ab, ein Projekt an die Hand zu nehmen, dessen Ausgang derzeit noch ungewiss erscheint.
Wenn der Fokus nun auf die Realisierung eines «Wärmeverbunds Buchs-Schaan» gelegt wird, halte ich dieses schrittweise Vorgehen für richtig. Sollte sich nämlich in einigen Jahren ergeben, dass auch unsere Nachbarn im St. Galler und Vorarlberger Rheintal den Einsatz der Tiefengeothermie erwägen, können wir uns immer noch anschliessen und damit die Untersuchungen in unserem Land mit den Abklärungen in der weiteren Region koordinieren.
Dem Projekt eines «Wärmeverbunds Buchs-Schaan» stehe ich positiv gegenüber, wie ich bereits bei der Erstellung der Dampfleitung zwischen der KVA und einigen Industriebetrieben in unserem Land ausgeführt habe.
Ich spreche mich damit für eine positive Kenntnisnahme des vorliegenden Berichts aus.Landtagspräsident Arthur Brunhart
Besten Dank. Abg. Gebhard Negele
Danke, Herr Präsident. Werte Damen und Herren. Ich bin froh, dass dieser Bericht heute vorliegt und bedanke mich bei allen involvierten Stellen für ihre Arbeiten. Der Bericht ist gut verständlich und reich illustriert. Ich gebe zu, dass in der Juni-Debatte von 2009 meine Euphorie für ein Projekt in der Tiefengeothermie grösser war als heute.
Dies, weil auch heute noch vieles im Konjunktiv formuliert ist, trotz den getätigten Abklärungen. Nichtsdestotrotz zeichnet sich ein Vorgehen ab, welches sich aus geologischer, nutzungstechnischer und wirtschaftlicher Sicht auch für mich als gangbar erweist.
Ohne grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist jedoch – dies scheint mir jetzt klar zu sein - keine sinnvolle Lösung am Horizont sichtbar. Ein Wärmeverbund der KVA Buchs mit Schaan für sich allein – also ohne Tiefengeothermie – wäre schon ein grosser Schritt in die erstrebte Richtung, meines Erachtens rasch realisierbar und natürlich auch vor allem eine Voraussetzung für die Weiterverfolgung der Tiefengeothermie. Die Kombination einer Geothermienutzung mit der KVA Buchs ist auch hinsichtlich der Möglichkeit einer erhöhten Stromproduktion sehr interessant. Wir alle wissen, dass die Energie «Strom» für viele Alternativen zur Wärmeerzeugung notwendig ist und in diesem Bereich eine starke Zunahme herrscht. Ich denke hier – um nur ein Beispiel zu nennen - an die Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpen.
Der Bericht zeigt deutlich, dass die Erkundung des Untergrundes nur eine Seite dieses Projektes ist. Ebenso wichtig ist die nötige Infrastruktur für die Energieverteilung. Beides ist sehr kostspielig. Sollte eine grenzüberschreitende faire Zusammenarbeit wirklich möglich sein, muss Liechtenstein diese Chance packen.
Das weitere Vorgehen beschreibt uns die Regierung ab Seite 64 des Berichts. Vorderhand gilt es, eine Arbeitsgruppe mit allen relevanten Akteuren zu bestellen und die Machbarkeitsstudie zu erarbeiten. Darin erwarte ich konkretere Aussagen zu den zwei Projektbestandteilen «Wärmeverbund Buchs-Schaan» und die Einbindung der Geothermie in diesen Verbund.
Im Bericht steht, dass diese Machbarkeitsstudie rund zwei Jahre benötigt und dass mit Kosten in der Grössenordnung von CHF 100'000 gerechnet wird. Das ist ein sehr bescheidener Betrag gemessen an der möglichen Projektsumme, welche nach Schätzungen mehr als CHF 80 Mio. beträgt.In diesem Sinne werte ich den Bericht positiv und bin für eine Weiterverfolgung des Projektes gemäss dem Vorgehensplan der Regierung. Besten Dank.Abg. Rainer Gopp
Danke, Herr Präsident, für das Wort. Wie Sie wissen, bin ich in der Vergangenheit immer eher kritisch dieser Technologie in unserem Land gegenüber gestanden. Das in erster Linie natürlich auch aufgrund der prognostizierten horrenden Kosten, die da auf einen zukommen könnten. Mich hat persönlich immer Aufwand und Grössenordnung des Projekts abgeschreckt. Ich konnte hier die Sinnhaftigkeit für Liechtenstein in der Vergangenheit nicht erkennen bzw. ich hatte eher grossen Respekt, ob das für uns grössenverträglich ist. Und auch andere Projekte waren für mich da wenig beruhigend. Wenn man das Projekt zum Beispiel in Landau in Deutschland anschaut, die schreiben auch in diesem Bereich rote Zahlen. Es sind auch andere Probleme vorhanden: die Risikopotenziale bezüglich Erdbeunruhigung bzw. -beben. Ein Restrisiko bleibt da immer, ist in diesen Gutachten überall nachzulesen. Und das hat mich in der Vergangenheit immer eher kritisch stimmen lassen. Ich war da in einem Zwiespalt, weil ich mich grundsätzlich positiv gegenüber nachhaltiger und erneuerbarer Energie ausspreche, und auch die CO2-Reduktion im Inland immer ein zentraler Aspekt bei solchen Projekten ist.
Ich möchte jetzt aber der Regierung mit diesem Bericht explizit ein Kompliment aussprechen. Meiner Ansicht nach - soweit ich das beurteilen kann - war eine gute Datenlage vorhanden in diesem Bericht. Die Abklärungen über bisher Gemachtes und das Aufzeigen von Risiken und Chancen bzw. Potenzialen hat mich sehr erfreut in diesem Bericht. Es wurde auch gut aufgezeigt, dass es ja eine ganz neue Aus-gangslage, wie meine Vorredner das auch schon skizziert haben, mit dem KVA in Buchs gibt. Es war bis jetzt nicht das Thema in diesem Zusammenhang. Das hat mich eigentlich überzeugt.
Wie gesagt, die Zusammenarbeit mit dem KVA Buchs scheint aus technischer und wirtschaftlicher Sicht zumindest interessant zu sein, einen solchen Wärmeverbund Buchs-Schaan zu prüfen, mit oder ohne Nutzung der Geothermie, und erst in einem zweiten Schritt über diese Nutzung der Geothermie zu entscheiden, scheint mir ein gangbarer Weg. Und dies eben wieder mit dem Synergiepotenzial, das direkt bei der KVA unter Umständen machen zu können und dort eben die Synergien und nicht so investitionsintensive Thematik vorzufinden, wie das im ursprünglichen Projekt geplant war. Für mich steht hier im Mittelpunkt, diese Synergien zu nutzen, dass für beide Rheinseiten, wenn ein solches Projekt zustandekommt, ein möglichst optimaler Nutzen erzielt werden kann.
Dies kann unter Umständen als Basis für eine Energieplanung mit diesem Wärmeverbund Buchs-Schaan initiiert werden. Für mich ist das ein Muss, wenn wir die Energieversorgung in unserem Land - wir haben das bei den Holzheizkraftwerken schon diskutiert - wenn wir das nachhaltig gestalten wollen, müssen wir dies wirklich auch planen und wissen, wo wir was anbieten wollen und wo wir eben was nicht machen.
Ich bin mit diesem Bericht zum Schluss gekommen, dass die Nutzung der Geothermie - und ich glaube, auch die Regierung ist zu diesem Schluss gekommen -, dass die für mich ab dem heutigen Zeitpunkt dann machbar ist, wenn sie wirklich einen zusätzlichen Nutzen mit diesem Wärmeverbund Buchs-Schaan bringt. Und ich unterstütze somit hier den Weg der Regierung.
Abschliessend noch eine Frage: Im Bericht auf Seite 69 habe ich ein Verständnisproblem bezüglich Grössenordnung der Zahlen. Dort wird von CHF 60 Mio. gesprochen. Ich habe nicht ganz verstanden, was da alles dabei ist. Vielleicht können Sie das genauer ausführen. Ist das der Betrag, wenn auch die baulichen Synergien beim KVA genutzt werden können - oder was ist da genau gemeint? Wir haben ja in der Vergangenheit von weit über CHF 100 Mio. gesprochen. Danke.Abg. Peter Büchel
Danke für das Wort. Ich möchte mich bei der Regierung auch bedanken für diesen Bericht, der einen guten Abriss über das Projekt Tiefengeothermie gibt. Dieser Bericht zeigt uns allen, was alles untersucht wurde, welche Erkenntnisse aus der Geologie durch diese verschiedenen Messmethoden gewonnen wurden, und dass man wohl einige Rückschlüsse ziehen kann, aber doch noch einige Unbekannte in den Tiefen des Rheintals schlummern.
Der Bericht gibt uns ausserdem auch einen interessanten Abriss über ähnliche Projekte im angrenzenden Ausland und kommt schlussendlich zu den Schlussfolgerungen, die aufgelistet werden. Ich denke, mit diesem Bericht liegt nun eine Basis vor, mit dem die nächsten Schritte initiiert werden könnten. Das heisst für mich auch, wir müssen nun entscheiden, lassen wir die Erkenntnisse ruhen - wie das einige Vorredner schon angetönt haben - und sagen wir, das war es bis auf weiteres (wir haben ja auch diese Tage gehört, dass auf A nicht unbedingt B folgen muss), oder gehen wir in eine neue Phase, bei der die einzelnen vorgestellten Schlussfolgerungen auf ihre Realisation untersucht und in Projekte gefasst werden? Wir haben ja bereits diese CHF 80'000 im Budget 2013 bewilligt, um hier das weitere Vorgehen zu prüfen, was ich durchaus als sinnvoll erachte.
Ich kann die verschiedenen vorgestellten Schlussfolgerungen durchaus nachvollziehen und es ist sicher richtig, dass diese Schlussfolgerungen nun vertieft geprüft werden. Was aber sicher ist bei allen Erkenntnissen aus diesem Bericht, der nächste grosse Schritt, der zwangsweise für eine Realisation nötig sein wird, wird einiges an Geld kosten. Ich bin der Auffassung, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt kein weiteres Geld investieren sollten in eine 3D-Seismik oder Probebohrung, sondern nur in die Prüfung des Bedarfs über eine Machbarkeitsstudie im Wärmeverbund Buchs-Schaan veranlassen sollten, wie dies von Vorred-nern vorgeschlagen wurde. Dann haben wir fundiertes Zahlenmaterial, das wir doch noch eines Tages mit der Tiefengeothermie beginnen könnten.
Auch im Hinblick auf das Geothermieprojekt in St. Gallen - das wurde auch schon angetönt -, das in den Startlöchern steckt, sollten wir unser Projekt zurückstellen und die Verfahren in St. Gallen abwarten. Das Projekt in St. Gallen ist hier allen bekannt und umfasst den Bau eines Geothermiekraftwerkes am westlichen Stadtrand, am Sittertobel, und wird ja etwa CHF 176 Mio. kosten. Zusätzlich sollen da noch einige Millionenbeträge in die Infrastruktur der Versorgung der Stadt gesteckt werden. Wir sehen, wir kommen bei der Realisation in eine Grössenordnung an Kosten, die ich zur Zeit nicht verantworten möchte. Ich denke, wir haben keinen Zeitdruck und können durchaus die Entwicklung und Erkenntnisse bei unseren Nachbarn abwarten, bevor wir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt bei einer stabilen Finanzlage gut geplant den nächsten Schritt wagen sollten. Danke.Abg. Pepo Frick
Danke. Ich habe die Geothermieabklärung bisher befürwortet und mitgetragen und werde dies auch weiterhin tun. Das nun vorgeschlagene Vorgehen erscheint mir sinnvoll, aber vor allem auch wirtschaftlich. Ich begrüsse explizit die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und möchte nochmals auf die Wichtigkeit hinweisen, ein Energiekataster zu erstellen und die Tiefengeothermie in ein Energiegesamtkonzept zu integrieren. Insbesondere muss die bestehende Gasversorgungsinfrastruktur mit der Fernwärmeversorgung koordiniert werden, damit so weit wie möglich keine Konkurrenzsituation geschaffen wird.
Den Bericht der Regierung nehme ich zustimmend zur Kenntnis. Danke.Landtagspräsident Arthur Brunhart
Danke. Damit gebe ich das Wort an Frau Regierungsrätin Renate Müssner.Regierungsrätin Renate Müssner
Danke, Herr Präsident, für das Wort. Ich bedanke mich für die positive Aufnahme dieses Berichts und möchte, weil Sie eigentlich alle relevanten Ausführungen gemacht haben, einige zusätzliche Ausführungen meinerseits vorbringen.
Ich denke, wir haben uns in der ersten Ansicht dieses Projektes zu den wirklichen Seismik-Untersuchungen damals geäussert. Wir haben eine 2D-Seismik seit damals durchgeführt. Und ich denke, heute können wir uns fragen: Was hat die uns gebracht? Ich glaube, wir können sagen, dass wir im Vergleich zu früher heute über ein wesentlich besseres Verständnis verfügen über den tiefen Untergrund und damit auch über die besseren Kenntnisse über die geothermischen Ressourcen bzw. über das Nutzungspotenzial, das wir haben. Wir kennen die Verbreitung der Gesteinsschichten etwas besser. Insbesondere verfügen wir heute über genauere Angaben über die Tiefe und damit auch über die mögliche nutzbare Temperatur. Es hat sich dann auch herausgestellt, dass die geothermisch interessanten Gesteinsschichten weiter nach Norden reichen als bisher bekannt war. Und zudem wird dann unter dem Eschnerberg eine Anhäufung von geothermisch interessanten Gesteinsschichten erwartet. Und diese Erkenntnisse sind eine zentrale Grundlage für eine aussagekräftige Ressourcenbewertung, das heisst nämlich, wo viel Energie vorhanden ist und wie diese dann auch genutzt werden kann.
Ohne diese Grundkenntnisse, die wir aus dieser 2D-Seismik gewonnen haben, wäre eine Analyse von diesen Nutzungsszenarien, die wir Ihnen vorgestellt haben, an der Oberfläche eine rein theoretische Betrachtung geblieben. Es braucht nämlich für eine ergebnisorientierte Betrachtung von Nutzungsoptionen doch ein Minimum wenigstens an geologischen Grundlagen, um auf dieser Basis dann auch geothermisches Potenzial eingrenzen zu können.
Im Vergleich zu unserer Nachbarschaft, Schweiz, Vorarlberg und Süddeutschland, ist bei uns der Kenntnisstand über den tiefen Untergrund, also bei uns im Alpenrheintal, sehr bescheiden. Und dies hat einerseits mit der sehr komplexen inneralpinen Geologie zu tun, vor allem auch mit den fehlenden Untersuchungen. In Vorarlberg nämlich und in der Schweiz und im Schweizer Mittelland und dann auch insbesondere im süddeutschen Alpenvorland wurden teils ziemlich umfangreiche Untersuchungen in den Jahren bereits 1960 bis 1990 durchgeführt, allerdings mit einem anderen Zweck und einem anderen Ziel dahinter. Es waren nämlich Öl- und Gaserkundungen, und dann auch die Suche nach radioaktiven Tiefenlagen, die eigentlichen Interessensgebiete. Aber aufgrund dieser Untersuchungen ist der Untergrund dort sehr gut bekannt und die Nutzung der Tiefengeothermie kann dann auch sehr gezielt eingegrenzt und projektiert werden. Das ist bei uns bisher eben nicht der Fall.
Durch die in den letzten Jahren durchgeführten Abklärungen und Untersuchungen haben wir den Kenntnisstand in Liechtenstein doch bedeutend erweitern können. Wir müssen aber sagen, es sind trotzdem jetzt einmal orientierende Untersuchungen geblieben. Es handelt sich um orientierende Untersuchungen, also eine 2D-Seismik, was bedeutet, dass unser geologischer Untergrund nach wie vor mit vielen Unsicherheiten behaftet ist. Und Liechtenstein hat also sozusagen jetzt ein bisschen das nachgeholt, was vielerorts eben schon verfügbar ist. Und falls wir wirklich die Geothermie weiter nutzen wollen, sind weitere Abklärungen natürlich zwingend notwendig. So zum Beispiel die Stadt St. Gallen, auf der Basis der bestehenden 2D-Seismik-Daten aus den Siebzigerjahren, eben bereits zur gleichen Zeit wie wir die 2D-Seismik-Untersuchungen gestartet haben, bereits eine fokussierte 3D-Seismik durchgeführt hat. Und eine 3D-Seismik gehört bei Geothermie-Projekten zur Standardabklärung. Und mit dieser geologischen Abklärung haben wir zudem wertvolle und auch wichtige Erkenntnisse über die messtechnischen Möglichkeiten zur Erkundung unseres Alpenrheintals gewonnen. Das Alpenrheintal ist eben aufgrund der komplexen Geologie messtechnisch auch ein sehr herausforderndes Gebiet.
Wir haben damit natürlich auch einige Kosten generiert. Die sind Ihnen bekannt. Wir hatten für eine Vorstudie die Gravimetrie, Ressourcenanalyse, die Planung dieser 2D-Seismik, einen Kredit von CHF 250'000 dafür verwendet. Wir haben dann einen Verpflichtungskredit von CHF 1,7 Mio. gesprochen. Von diesen haben wir dann rund CHF 1,3 Mio. benötigt. Das sind dann diese Kosten, die aufgelaufen sind. Und wir haben ja heute in der Budgetsitzung nochmals diese CHF 80'000 beantragt. Und da geht es jetzt natürlich darum, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten. Das heisst, wir beschäftigen uns jetzt nicht mit geologischen Fragen, sondern mit Seismik-Erhebungen, also mit dem geologischen Untergrund, sondern wir beschäftigen uns damit: Wie können wir diese Wärme respektive den Strom, den wir dann möglicherweise auch erzeugen könnten, auch nutzen und in welchen Verbünden? Wir haben gehört, eine Möglichkeit wäre mit der KVA Buchs. Und das ist, glaube ich, für uns vordringlich die Frage, das zu klären in einer Machbarkeitsstudie, was man mit den gewonnenen Energien und zu welchen Kosten dann auch tatsächlich aufführen könnte.
Wir haben diesen Weg beschritten, weil es klar ist: Wenn man wirklich dann wieder ans Werk geht und den Untergrund besser beleuchtet, dann wird es wirklich teuer. Bohrungen, die in einer weiteren Folge notwendig würden, die sind teuer. Da reden wir dann gleich wieder von Millionenbeträgen. Und deswegen hat die Regierung sich jetzt für diesen Weg entschieden und ich bin froh, dass Sie diesen Weg auch mitverfolgen können.
Wir haben noch die Frage des Abg. Rainer Gopp zu diesen CHF 60 Mio. zu beantworten: Da wären dann eben solche Bohrungen enthalten mit einer konservativen Schätzung von CHF 50 Mio. und die Einbindung der Geothermie in die KVA mit CHF 10 Mio. Damit kommen wir dann auf diese CHF 60 Mio. Danke.Landtagspräsident Arthur Brunhart
Besten Dank, Frau Regierungsrätin, für Ihre Ausführungen.
Gibt es weitere Wortmeldungen aus dem Plenum?
Das ist nicht der Fall.
Somit haben wir den Bericht und Antrag betreffend das Nutzungspotenzial der Tiefengeothermie in Liechtenstein zur Kenntnis genommen und gleichzeitig Traktandum 17 erledigt. -ooOoo-