Interpellation betreffend Inklusion, Beschulung und staatliche Verantwortung bei Kindern mit besonderem Bildungsbedarf in Liechtenstein vom 12. Mai 2026, eingereicht von den Abgeordneten Erich Hasler, Marion Kindle-Kühnis, Thomas Rehak und Simon Schächle
Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Wir kommen zu Traktandum 10: Interpellation betreffend Inklusion, Beschulung und staatliche Verantwortung bei Kindern mit besonderem Bildungsbedarf in Liechtenstein vom 12. Mai 2026, eingereicht von den Abgeordneten Erich Hasler, Marion Kindle-Kühnis, Thomas Rehak und Simon Schächle.Wünschen die Interpellanten das Wort?Abg. Marion Kindle-Kühnis
Besten Dank. Die vorliegende Interpellation verdankt ihr Entstehen einem am 5. November 2024 eingereichten Postulat der Abgeordneten Manfred Kaufmann, Georg Kaufmann, Johannes Kaiser und Thomas Rehak. Der Titel des Postulats lautete «Postulat zur allfälligen Übernahme der Schulkosten im Ausland bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen». Leider blieb die Beantwortung bis zum heutigen Tag aus, was die Interpellanten dazu bewog, die heute vorliegende Interpellation betreffend Inklusion, Beschulung und staatliche Verantwortung bei Kindern mit besonderem Bildungsbedarf in Liechtenstein einzubringen. Parlamentarische Vorstösse dienen dem Landtag, seine Themen auf die Agenda der Regierung zu bringen und diesen ein Gewicht zu geben. Einem Postulat, welches überwiesen wurde, muss bis spätestens zur vierten Landtagssitzung eine Beantwortung vorliegen, so Art. 7 Abs. 2 des GVVKG. Leider ist dies in diesem Fall nicht erfolgt. Die vorliegende Interpellation mit ihren 43 Fragen unterstreicht die Wichtigkeit des Themas des unbeantworteten Postulats und geht noch ein wenig weiter. Diese Interpellation widmet sich dem Thema der Inklusion, aber stellt auch Fragen dahingehend, was, wenn Inklusion nicht zielführend für die Betroffenen ist und Kinder und Eltern unter einem Ansatz, den wir uns auferlegt haben, weil es vielleicht gut tönt, leiden. Inklusion beinhaltet so viel mehr, als was wir im momentanen Bildungssystem darunter verstehen. Diese Interpellation nimmt den Fokus von Kindern mit besonderem Bildungsbedarf und deren Eltern ein, die eben nicht in das System passen und für die das System zu einer Belastung wird und alles andere als eine Entlastung darstellt. Die Eltern unter uns wissen, wie es ist, wenn ein Kind leidet. Wir können uns vorstellen, wie es ist, wenn einem Kind etwas versagt ist, nur weil es nicht in das von der Gesellschaft vorgegebene Raster passt. Als ich mein Votum vor einigen Tagen zu Hause geschrieben habe, wäre es hier zu Ende gewesen. Allerdings wurde ich im Zusammenhang mit der anstehenden Ämterprüfung der GPK des Schulamts und dem Einreichen dieser Interpellation von mehreren besorgten Eltern kontaktiert. Sie alle haben ein Familienschicksal, das nicht dem regulären Schulalltag unserer Kinder gleicht. Sie haben sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die am Rande der Belastbarkeit sind. Sie haben mit langen Bearbeitungszeiten zu kämpfen, bei denen jeder Tag entscheidend für das Wohl des Kindes ist. Dazu kommt, dass diese Eltern neben all der seelischen Belastung auch noch enorme finanzielle Belastungen auf sich nehmen müssen, nämlich dann, wenn das Land nicht die für ihr Kind am besten geeignete Schule bezahlt. Meine Damen und Herren Abgeordnete, es handelt sich bei all diesen Fällen um Einzelschicksale, um Kinder, die ein Recht auf Bildung haben, und zwar genau die Bildung, die sie benötigen und die sie individuell fordert und fördert. Aber es sind auch Kinder, die nicht mit den starren Strukturen, die wir ihnen auferlegen, umgehen können. Vielmehr müssen wir die Strukturen für sie schaffen. Ist es etwa zumutbar, dass Kinder auf Internate oder Schulen weit weg von ihren Eltern geschickt werden, wo doch das Wichtigste in ihrem Leben der soziale Halt ihrer Familie ist? Kann man Kindern zumuten, dass sie immer wieder die Schule wechseln müssen, wo doch eine ständige Bezugsperson so wichtig für die psychische Entwicklung und Genesung für sie wäre? Ich bin mir bewusst, dass wir als Staat rücksichtsvoll und weitsichtig mit unseren Reserven umgehen müssen. Aber wenn es um Kinder geht und gerade noch um sehr vulnerable, dann haben wir doch als Gesellschaft und auch als Politik eine Verantwortung zu übernehmen. Diese Interpellation mit den vielen Fragen entspringt einem Bedürfnis von betroffenen Eltern. Es betrifft Kinderschicksale. Um in dieser Thematik ein vertieftes Wissen und eventuell auch Lösungen zu finden, danken wir heute schon der Regierung für die Beantwortung der Fragen und hoffen, dass die betroffenen Familien durch die daraus resultierenden nächsten Schritte Erleichterung in ihrem Alltag erfahren dürfen. Besten Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank. Es gibt keine weiteren Wortmeldungen. Somit werden wir die Interpellation an die Regierung überweisen und haben Traktandum 10 erledigt. -ooOoo-