Postulatsbeantwortung betreffend die Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Altersmedizin (Nr. 26/2026)
Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Geschätzte Frauen und Herren Abgeordnete, guten Morgen zusammen. Wir fahren mit den Beratungen fort und kommen zu Traktandum 6: Postulatsbeantwortung betreffend Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Altersmedizin. Der Bericht trägt die Nr. 26/2026. Gibt es dazu Wortmeldungen?Abg. Daniel Salzgeber
Vielen Dank für das Wort, Herr Präsident. Guten Morgen zusammen. Nachdem wir nun die Postulatsbeantwortung zur Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Altersmedizin vorliegen haben, möchte ich mich zunächst bei der Regierung und den Amtsstellen für den vorliegenden Bericht bedanken. Ein besonderer Dank geht an das Landesspital, die LAK, die Familienhilfe sowie an die Ärztekammer. Das aus meiner Sicht sehr gut beantwortete Postulat zeigt, dass die Zusammenarbeit funktioniert und auch gelebt wird. Ebenso wichtig und wertvoll sind die Optimierungspotenziale, die von den einzelnen Akteuren identifiziert und benannt wurden. Ich möchte mich in meinen Ausführungen nun auf genau diesen Teil der Postulatsbeantwortung konzentrieren, der sich mit der Stärkung der strukturellen Zusammenarbeit befasst. Hier wurden vier konkrete Punkte festgehalten, bei denen durch gezielte Anpassungen klare Verbesserungen erzielt werden können.Punkt 1 ist die Stärkung des Informationsaustausches. Hier wird deutlich festgehalten, dass vor allem bei der Verlegung von Patienten an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Akteuren Verbesserungspotenzial besteht. Dies insbesondere hinsichtlich Struktur, Vollständigkeit und Schnelligkeit im Informationsfluss. Ich begrüsse die aufgeführten Massnahmen wie die strukturellen Anpassungen im Informations- und Prozessmanagement sowie die regelmässigen Austauschformate auf strategischer und operativer Ebene. Punkt 2 baut auf diesen Verbesserungen auf und betrifft die Optimierung der Schnittstellen zwischen den Institutionen. Auch hier zeigt sich, dass es Anpassungsbedarf im Übertrittsmanagement gibt. Die angedachten interdisziplinären Fallbesprechungen erachte ich als sehr gute Möglichkeit, die Qualität der Versorgung im Schnittstellenbereich weiter zu erhöhen. Zentral scheint mir zudem, dass für kurzfristige Eintritte in Pflegeheime klar strukturierte Abläufe definiert werden, damit Kommunikation und Koordination durchgängig und verlässlich gewährleistet sind. Bei der kurzfristigen Aufnahme von Pflegenotfällen wurde gemäss Bericht bereits im Januar dieses Jahres ein Pilotprojekt beim Landesspital und der LAK mit dem sogenannten «Floating Bed» gestartet. Dieser flexibel einsetzbare Pflegeplatz für akute Pflegenotfälle wird aktuell fachlich durch die Akutgeriatrie des Landesspitals betreut. Hier würde mich interessieren, ob dieses «Floating Bed» seit Inbetriebnahme bereits genutzt wurde und welche ersten Erfahrungen damit gemacht werden konnten. Zwei weitere Punkte, die ich sehr positiv hervorheben möchte, sind die Einführung von Round Tables für komplexe und anspruchsvolle Situationen sowie die Prüfung des Einsatzes von APNs durch die Familienhilfe. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Versorgung zunehmend vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert, können APNs genau in diesen Schnittstellen einen grossen Mehrwert leisten. Der dritte Punkt betrifft die hausärztliche Verfügbarkeit im Zusammenspiel zwischen LAK und den Hausärzten. Aus der Postulatsbeantwortung geht hervor, dass heute keine durchgehende medizinische Erreichbarkeit für die LAK-Häuser gewährleistet werden kann. Insbesondere in den Abendstunden, an Wochenenden und Feiertagen sowie während Ferienzeit bestehen Lücken, teilweise auch aufgrund fehlender Stellvertretung. Gemäss dem vorliegenden Bericht wurde bereits 2024 ein Projekt der Ärztekammer gestartet, um genau diese Lücken zu schliessen. Dieses wurde jedoch aufgrund von Absenzen und Belastungen vorübergehend sistiert. Da eine durchgehende ärztliche Verfügbarkeit für die LAK als auch für die Familienhilfe von zentraler Bedeutung ist, würde ich gerne wissen, was konkret mit «Wiederaufnahme in absehbarer Zeit» gemeint ist und wie lange es nach Wiederaufnahme bis zu einer spürbaren Verbesserung in der Praxis etwa dauern wird. Der vierte Punkt betrifft den Aufbau eines Qualitätszirkels. Ziel ist es, Fachpersonen verschiedener Disziplinen eine strukturierte Plattform zu bieten, um regelmässig zusammenzuarbeiten und Prozesse zu optimieren. Auch diese Massnahme unterstütze ich ausdrücklich. Hier würde mich interessieren, wie der konkrete Zeitplan aussieht, da im Bericht erwähnt wird, dass die Arbeiten bereits weit fortgeschritten sind. Der letzte Teil der Postulatsbeantwortung befasst sich mit der gemeinsamen medizinischen Betreuung im stationären Bereich. Hier wird klar aufgezeigt, dass insbesondere der Einsatz eines Gerontopsychiaters einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungsqualität leisten und gleichzeitig die Hausärzte entlasten kann. Der Bedarf an einem übergreifend tätigen Geriater wird hingegen als moderat eingeschätzt. In der Einleitung zu diesem Kapitel wird neben der Geriatrie und der Gerontopsychiatrie auch die Palliative Care als zentraler Bereich erwähnt. Da darauf im weiteren Verlauf nicht mehr näher eingegangen wird, würde mich interessieren, ob auch der Einsatz eines Palliativmediziners geprüft wurde, und falls ja, wie die Haltung der Regierung dazu ist, falls nein, weshalb nicht. Ich möchte mich nochmals ausdrücklich bei allen Beteiligten für die Bearbeitung des Postulats bedanken. Die Antworten zeigen klar auf, dass die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen heute schon sehr gut funktioniert. Gleichzeitig bestätigt sie aber auch die Stossrichtung unseres Postulats. Es ist aktuell viel im Prüf- beziehungsweise Analysemodus und ich hoffe, dass daraus nun konkrete Umsetzungsschritte erfolgen.Wir haben heute ein funktionierendes und gutes Gesundheitssystem. Die Altersmedizin wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Dies haben wir schon in der aktuellen Stunde gehört. Es ist wichtig, dass wir nun die Voraussetzungen schaffen, dass sie auch in Zukunft der demografischen Entwicklung standhält und auf einem hohen Niveau funktioniert.Wenn es uns gelingt, die in der Postulatsbeantwortung aufgezeigten Massnahmen nun konsequent umzusetzen und die Zusammenarbeit weiter zu stärken, dann sind wir gut vorbereitet auf die zukünftigen Entwicklungen. Dann schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unser Gesundheitssystem auch in einer älter werdenden Gesellschaft leistungsfähig, effizient, aber vor allem auch menschlich bleibt, und genau das soll unser gemeinsames Ziel sein. Vielen Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Stv. Abg. Mario Wohlwend
Danke, Herr Präsident. Sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete, geschätzte Mitglieder der Fürstlichen Regierung, guten Morgen allerseits. Kompass statt Kosmetik, Tiefenwirkung statt «Pflästerli-Technik». Wir sprechen heute über Altersmedizin, doch in Wahrheit sprechen wir über die Zukunft unseres gesamten Gesundheitswesens, und ich sage bewusst, das ist kein Problem, das ist eine Herausforderung und vor allem eine Chance, eine Chance, weil wir nicht bei Null starten. Die Regierung hält fest, die Zusammenarbeit funktioniert, Landesspital, LAK, Familienhilfe und die Hausärzte arbeiten eng zusammen, Case- und Care-Management sind etabliert. Das ist ein starkes Fundament und genau das bestätigt meine Haltung von Anfang an: für Frau Meier oder Herrn Meier statt für neue Schlagzeilen, integrierte Versorgung durch Bündelung stärken. Trotzdem sehen wir alle, dass es im Detail noch Verbesserungspotenzial gibt. Die Verantwortlichen nennen bei der Postulatsbeantwortung diese nicht unbekannten Punkte sehr konkret. Der Informationsfluss muss noch schneller und vollständiger werden. Übergänge zwischen ambulant und stationär brauchen klare Standards. Die Demenzabklärungen und die gerontopsychiatrische Betreuung sollen verstärkt und strukturell verankert werden. Auch in der Palliative Care sind gezielte Weiterentwicklungen möglich. Das sind echte Themen aus der Praxis, nichts davon ist abstrakt. Es sind genau jene Punkte, an denen es sich entscheidet, ob Menschen wie Frau Meier oder Herr Meier nahtlos weiterbetreut werden oder ob sie Gefahr laufen, zwischen die Stühle zu geraten. Aber wir müssen der Realität ins Auge blicken, die Bevölkerung wird deutlich älter. Die Zahl der über Achtzigjährigen wird sich mehr als verdoppeln, gleichzeitig steigen Prämien und Kosten spürbar. Das ist kein Gefühl, das sind Fakten. Und genau hier braucht es Klarheit. Liechtenstein braucht keine Kosmetik, sondern ein Gesundheitssystem mit Tiefenwirkung, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen und die Qualität trotzdem stimmt. Die Regierung zeigt klar, dass die Herausforderungen nur bedingt im System selbst liegen, sondern vielmehr an den Schnittstellen, beim Informationsfluss, bei den Übergängen, bei der Koordination. Das sind keine Systemfehler, das sind Stellschrauben. Und genau dort entscheidet sich alles, ob wir Kosten im Griff haben oder ob sie uns entgleisen, ob Qualität entsteht oder nur organisiert wird. Niemand möchte, dass Angehörige im Alltag überlastet werden, niemand möchte Doppelspurigkeiten, die Fachkräfte binden, die wir dringend bei den Menschen selbst brauchen. Die Postulatsbeantwortung zeigt klar, dass die Institutionen bereits eng zusammenarbeiten und sich weiter verbessern wollen. Diese Haltung verdient Respekt. Sie verdient politische Unterstützung, nicht zusätzlichen administrativen Aufwand. Die vom Abg. Daniel Salzgeber angesprochenen Punkte, APN und Round Table, sind alles andere als neu. Zum Beispiel wurde die APN bereits vom Regierungsrat Mauro Pedrazzini ins Feld geführt und hat somit ein trauriges Ankündigungsjubiläum. Wenn wir diesen Weg weitergehen, entsteht ein klarer Kompass statt Reibung, es entsteht Bündelung statt Bürokratie, es entsteht Entlastung genau dort, wo sie wirklich gebraucht wird, denn am Ende geht es nicht darum, Abläufe zu verwalten, sondern die Zukunft zu gestalten. Und genau darin liegt die Chance. Wir müssen nicht alles neu erfinden, wir müssen das Bestehende besser ganzheitlich verbinden. Wenn wir das System als Weg sehen, dann sind wir nicht am Anfang, wir sind auch nicht auf dem Irrweg, aber an einzelnen Kreuzungen fehlt die klare Führung, und genau dort müssen wir ansetzen: nicht neue Strukturen, sondern bessere Verbindungen, nicht mehr Bürokratie, sondern mehr Wirkung. Denn eines ist klar, zu oft hatten wir in den letzten Jahren Abklärungen statt Entscheidungen, Rundwege statt Fortschritte. Das können wir uns nicht mehr leisten, denn am Ende geht es nicht um Systeme, es geht um Menschen, es geht um Frau Meier und Herrn Meier, ob sie nahtlos begleitet werden oder zwischen den Systemen verloren gehen. Und ich sage es klar, steigende Gesundheitskosten sind Realität getrieben durch Demografie, Fortschritt, Missbrauch und fehlende Koordination. Die Antwort darauf ist nicht mehr Papier, die Antwort ist integrierte Versorgung mit Tiefenwirkung. Prävention statt Laisser-Faire, Koordination statt Zersplitterung, Verantwortung statt Zuständigkeitsdenken, Zusammenarbeit statt Parallelstrukturen. Dieses Postulat war nicht nötig, und wie gesagt, nur ein Mosaikstein, dennoch waren die Auslegeordnungen im Nachhinein nicht so schlecht. Das mag den einen oder anderen Abgeordneten verwunden, wenn es aus meinem Mund kommt. Die Antwort der Regierung zeigt jedoch ebenso klar, dass wir wissen, was zu tun ist. Jetzt geht es um die Umsetzung, konsequent, verbindlich, messbar. Wir brauchen Kompass und Ganzheitlichkeit statt Kosmetik und «Pflästerli-Technik». Wir kennen den Weg, jetzt müssen wir ihn gemeinsam mit allen Akteuren gehen, mit Frau Meier und Herrn Meier, für die Angehörigen und für ein System, das uns auch morgen noch trägt. Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen für die Ausarbeitung dieses wirklich guten Postulats. Besten Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Carmen Heeb-Kindle
Besten Dank für das Wort und guten Morgen miteinander. Ich habe dieses Postulat überwiesen, weil klar ist, die Altersmedizin ist keine Randfrage, sie ist eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre. Die vorliegende Beantwortung zeigt, die Zusammenarbeit zwischen Landesspital, LAK, Familienhilfe und Hausärzten funktioniert bereits heute gut. Das ist erfreulich und verdient Anerkennung. Aber ebenso klar wird, wir haben eine gute Analyse, aber die Umsetzung steht in wesentlichen Teilen noch aus. Die zentralen Herausforderungen liegen bei den Schnittstellen, beim Informationsaustausch und bei der ärztlichen Verfügbarkeit, insbesondere ausserhalb der regulären Zeiten. Hier besteht konkreter Handlungsbedarf. Besonders kritisch sehe ich die Rolle des Landesspitals. Der Aufbau der Geriatrie wird zwar erwähnt, bleibt aber vage. Es fehlt ein klarer Zeitplan und es fehlen konkrete Zielsetzungen. Gerade im Zusammenhang mit dem Spitalneubau müssten wir hier weiter sein. Noch deutlicher ist die Situation in der Gerontopsychiatrie, also bei psychischen Erkrankungen im Alter, beispielsweise Demenz. Der Bedarf ist klar erkannt, aber konkrete Lösungen fehlen. Hier haben wir eine reale Versorgungslücke. Deshalb stellen sich für mich zwei zentrale Fragen an die Regierung. Erstens, wann ist mit konkreten Entscheiden zum Ausbau der geriatrischen und gerontopsychiatrischen Angebote am Landesspital zu rechnen? Und zweitens, welche der aufgezeigten Massnahmen werden prioritär umgesetzt und in welchem Zeitrahmen? Ich nehme die Postulatsbeantwortung zustimmend zur Kenntnis und danke der Regierung dafür. Entscheidend ist jetzt, wir dürfen uns nicht mit guten Analysen zufriedengeben. Nun braucht es konkrete Schritte, damit daraus spürbare Verbesserungen für die Menschen in unserem Land entstehen. Danke. Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank. Abg. Sandra Fausch
Besten Dank für das Wort und guten Morgen allerseits. Ich danke allen Verantwortlichen für die Erarbeitung der Postulatsbeantwortung, die einen Überblick über bestehende Kooperationen gibt und identifizierbare Optimierungspotenziale darstellt, die künftig umgesetzt werden sollen. Damit thematisieren wir eigentlich auch gleich nochmals einen Punkt der gestrigen Aktuellen Stunde zum Umgang mit dem demografischen Wandel, nämlich jenen der medizinischen Versorgung. Dabei möchte ich ebenfalls nochmals betonen, was auch der Abg. Lino Nägele bereits erwähnt hat. Der demografische Wandel betrifft insbesondere auch die jüngere Generation. Die medizinische Versorgung muss für alle in unserer Gesellschaft bedürfnisgerecht ausgestaltet sein. Dabei möchte ich auch noch einen Punkt erwähnen, der vom Abg. Christoph Wenaweser in der Debatte vom Oktober 2025 eingebracht wurde und die jüngere Generation tangiert: «Im Jahr 2050, und das ist statistisch gar nicht so weit weg, sind es über 4'000 Haushalte in Liechtenstein, in denen eine oder zwei Personen achtzig oder mehr Jahre alt sind.» Die Postulatsbeantwortung greift den Aspekt der Bedeutung von pflegenden und betreuenden Angehörigen zu wenig auf, meiner Meinung nach. In der Postulatsbeantwortung werden integrierte Versorgung, Schnittstellenoptimierung, Qualität und Fachkräftesicherung von der Regierung in ihrer Wichtigkeit erkannt. Die Zusammenarbeit zwischen LLS, LAK, FHL, Hausärzt/-innen und weiteren Akteuren zeigt, dass es bereits ein tragfähiges Netzwerk gibt.Der Bezug zur Altersstrategie, Demenzstrategie und zum Psychiatriekonzept zeigt, dass die Altersmedizin im Rahmen der übergeordneten gesundheitspolitischen Planung betrachtet wird. Das sollte nach meinem Verständnis in der heutigen Zeit auch Standard sein. Aber, wie ich im Oktober 2025 ausgeführt habe, laufen wir bei einer Fokussierung auf innerstaatliche Strukturen Gefahr, Insellösungen zu schaffen, die weder den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten noch den Anforderungen an eine moderne Altersmedizin gerecht werden. Gerade in hochspezialisierten Bereichen, etwa in der Gerontopsychiatrie oder in der Ausbildung von Fachkräften, wird Liechtenstein immer auf Kooperationen angewiesen sein. Eine zukünftige Strategie kann deshalb nur grenzüberschreitend gedacht werden. Kooperationen mit regional relevanten Partnern, beispielsweise im Spitalverband HOCH, sind aus Sicht der freien Liste nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Wir haben in der Oktober-Debatte daher angeregt, das Postulat dahingehend zu ergänzen, dass die Regierung auch prüft, wie solche Kooperationen über die Landesgrenzen hinaus gestärkt und institutionell verankert werden können. Diesen Punkt finde ich auf keiner Seite der Postulatsbeantwortung wieder. Aus der Beantwortung ergeben sich mir noch weitere offene Fragen oder Unklarheiten. Es wird über viele Seiten von vielen Seiten über die integrierte Versorgungsstruktur gesprochen. Was versteht die Regierung aber genau unter integrierten Versorgungsstrukturen? Ich denke, hier bedarf es mitunter einer Verständigung darüber, was darunter tatsächlich verstanden wird, wenn es um die Erarbeitung von Lösungen in der Versorgung geht. Das eGD fördert laut Bericht auf Seite 14 den strukturierten Informationsfluss, was unnötige Doppeluntersuchungen vermeidet. Nach meinem Wissen ist das eGD nicht vollständig gefüttert mit der Patientenakte, das heisst, es fehlen Labore, Verschreibungen, Untersuchungen etc. Seit März soll es nun möglich sein, dass Spitäler im Ausland, beispielsweise Chur, Unterlagen auf das eGD spielen können, aber nach wie vor keine Einsicht haben. Ich wünsche mir von der Regierung eine Auflistung, welche Akteure tatsächlich Einsicht und Bearbeitungsmöglichkeiten des EGD haben, damit man das in den Kontext setzen kann. Das EGD soll als längerfristige technische Lösung fungieren. Kann die Regierung Ausführungen machen, wie das EGD bis zur breiten Einführung weiterentwickelt wird? Gibt es einen Zeitplan und ist auch eine App angedacht, damit man mobil darauf zugreifen kann?Auf Seite 19 wird das Massnahmenpaket für Liechtenstein erwähnt, das gezielt auf die Herausforderungen im Pflegebereich eingeht. Dazu eine kleine Randbemerkung: Leider ohne Verweis, weshalb ich die Regierung bitten möchte, künftig bei der Nennung solcher Pakete oder Vorlagen eine kurze Fussnote anzubringen. Das würde die Bearbeitung unterstützen. Kann die Regierung hier Ausführungen dazu machen, wie der aktuelle Stand ist zum Massnahmenpaket gerade auch vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Schweiz? Nach meinem Kenntnisstand ist die Umsetzung der Pflegeinitiative in der Schweiz, die im November 2021 vom Volk mit 61 Prozent angenommen wurde, massiv in der Kritik. Obwohl das Ziel war, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, empfinden viele Initianten, Gewerkschaften und Pflegende die bisherigen Schritte als unzureichend und als Affront gegen den Volkswillen. Aber zurück nach Liechtenstein: Auf Seite 24 ist zu lesen, dass im Jahr 2024 die Ärztekammer ein Projekt lancierte, um die Angebotslücke aufgrund von Abwesenheiten wie Ferien und so weiter bei Hausärzten zu schliessen. Was sind die bisherigen erzielten Erkenntnisse oder besser gesagt Ergebnisse dieses Projekts? Aufgrund zahlreicher Absenzen und paralleler Belastungen der beteiligten Akteure konnte das Projekt gemäss Bericht nicht weitergeführt werden. Es soll jedoch in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden. Meine Frage dazu: Seit wann liegt das Projekt still und wann soll die Arbeit wieder aufgenommen werden und mit welcher Priorität? Dann, auf Seite 26 und 27 lese ich von der Notwendigkeit von strukturierten digitalen Kommunikationskanälen und kompatiblen IT-Systemen. Kann die Regierung ausführen, ob diesbezüglich ein konkretes Projekt aufgegleist ist oder was vorgesehen ist? Falls bereits etwas aufgegleist ist, möchte ich gerne fragen, wer die Kosten trägt für Implementierung und Unterhalt. Auf Seite 29, und das wurde auch schon von der Abg. Carmen Heeb-Kindle angesprochen, wird die Geriatrie vom LLS thematisiert. Hierzu führt die Regierung auf, dass Abklärungen im Rahmen der bestehenden Planung unter Einbezug der relevanten Akteure erfolgen. Ist gedacht, den Leistungsauftrag für das LLS neu zu definieren?Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Landtagsvizepräsidentin Franziska Hoop
Besten Dank für das Wort, guten Morgen zusammen. Ich danke der Regierung und allen Mitwirkenden für die Beantwortung des Postulats. Die Stellungnahme zeigt deutlich, dass die Altersmedizin in Liechtenstein auf einer breiten fachlichen Analyse beruht und dass die bestehenden Versorgungsstrukturen differenziert betrachtet werden. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die Regierung die Herausforderung des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels klar benennt und zugleich den grundsätzlichen Wert integrierter Versorgungsmodelle anerkennt. Die identifizierten Handlungsfelder, etwa beim Informationsaustausch, bei der Optimierung von Schnittstellen oder beim Aufbau interprofessioneller Qualitätszirkel, sind nachvollziehbar und fachlich gut begründet. Auch die Überlegungen zu neuen Rollenbildern wie «Advanced Practice Nurses» sowie zu Aus- und Weiterbildungsfragen zeigen, dass wichtige Entwicklungen frühzeitig mitgedacht werden. Gleichzeitig macht die Beantwortung deutlich, dass wir uns in einem dynamischen Veränderungsprozess befinden. Die demografischen Entwicklungen werden die Anforderungen an unser Gesundheitssystem in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Vor diesem Hintergrund stellt sich aus meiner Sicht die berechtigte Frage, ob die vorgesehenen, eher schrittweisen Optimierungen langfristig ausreichen oder ob punktuell auch weitergehende strukturelle Schritte notwendig werden könnten.Insbesondere die Frage einer stärker koordinierten und verbindlichen Zusammenarbeit im stationären Bereich bleibt in der Beantwortung noch relativ offen. Die angedachten Modelle einer institutionsübergreifenden fachärztlichen Unterstützung, beispielsweise in der Gerontopsychiatrie, sind sinnvoll, erscheinen derzeit jedoch noch wenig konkretisiert. Auch im Hinblick auf die Umsetzung wäre eine stärkere Fokussierung wünschenswert. Viele der genannten Massnahmen befinden sich noch in einem Prüf- oder Pilotstudium. Es wäre aus meiner Sicht hilfreich, wenn künftig klarer aufgezeigt würde, welche Massnahmen prioritär verfolgt werden sollen, in welchem zeitlichen Rahmen diese vorgesehen sind und anhand welcher Kriterien der Erfolg beurteilt werden kann. Der geplante Neubau des Landesspitals bietet in diesem Zusammenhang eine besondere Chance. Gerade hier könnten integrierte altersmedizinische Versorgungsansätze frühzeitig strukturell mitgedacht und verankert werden. Es wäre aus meiner Sicht sinnvoll, dieses Potenzial noch deutlicher strategisch zu nutzen.Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Richtung stimmt, die Analyse ist fundiert und die Herausforderungen werden ernst genommen. Für die nächste Phase wird es jedoch darauf ankommen, die aufgezeigten Ansätze weiter zu konkretisieren, Prioritäten zu setzen und die Umsetzung mit der notwendigen Verbindlichkeit voranzutreiben. Ich danke der Regierung für die Beantwortung des Postulats und nehme diese zur Kenntnis. Gleichzeitig verbinde ich damit die Erwartung, dass die identifizierten Entwicklungspotenziale in den kommenden Jahren konsequent weiterverfolgt und umgesetzt werden. Besten Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Martin Seger
Besten Dank für das Wort. Die vorliegende Postulatsbeantwortung behandelt eine Vielzahl von Themen rund um die Altersmedizin, die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen sowie organisatorische Fragen der Versorgung. Auf diese einzelnen Punkte möchte ich heute bewusst im Detail nicht eingehen. Sie sind im Bericht ausführlich dargestellt. Ich möchte den Fokus vielmehr auf eine zentrale Frage richten, die aus meiner Sicht im Bericht zu wenig Beachtung findet: Die Rolle und Zukunft des liechtensteinischen Landesspitals. Der Bericht erwähnt den geplanten Spitalneubau mehrfach und bezeichnet ihn als Chance für die Weiterentwicklung der Altersmedizin. Doch genau hier beginnt das Problem. Es bleibt weitgehend offen, wie dieser Neubau konkret aussehen soll, welche medizinischen Schwerpunkte darin vorgesehen sind und welche Rolle die Altersmedizin künftig im Spital einnehmen soll. Es fehlen klare konzeptionelle Aussagen, eine medizinische Vision und vor allem eine strategische Einordnung des Spitals im gesamten Versorgungssystem. Noch gravierender ist jedoch eine andere Frage: die Situation des heutigen Landesspitals. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Neubau, sofern er überhaupt realisiert wird, erst in mehreren Jahren zur Verfügung stehen könnte, dann stellt sich unweigerlich die Frage, ob das bestehende Spital den Anforderungen bereits heute noch gerecht werden kann. Der Bericht geht auf diese Frage kaum ein. Es wird nicht aufgezeigt, welche strukturellen Herausforderungen im aktuellen Spital bestehen, welche Anpassungen notwendig wären und wie medizinische Versorgung bis zur möglichen Inbetriebnahme eines Neubaus gewährleistet werden soll. Damit entsteht eine strategische Lücke. Wir sprechen über zukünftige Strukturen, über mögliche Kooperationen und über Entwicklungen im Zusammenhang mit einem Neubau. Aber wir hören kaum etwas darüber, wie der Betrieb im bestehenden Spital in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden soll.Gerade angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Anforderungen an die Altersmedizin wäre jedoch eine klare Übergangsstrategie von zentraler Bedeutung. Der Fokus der Diskussion müsste daher stärker auf drei verschiedenen Fragen liegen. - Welche Rolle soll das Landesspital künftig im Bereich der Altersmedizin übernehmen?
- Wie soll ein möglicher Neubau konzeptionell ausgestaltet werden, damit er den zukünftigen medizinischen Anforderungen gerecht wird?
- Wie stellen wir sicher, dass der Betrieb im bestehenden Spital bis zu einer möglichen Fertigstellung eines Neubaus weiterhin leistungsfähig bleibt?
Gerade diese letzte Frage ist entscheidend, denn der Gesundheitsbedarf der Bevölkerung entwickelt sich nicht erst mit einem Neubau, sondern bereits heute. Besten Dank für das Wort.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank. Wünscht die Regierung das Wort?Regierungsrat Emanuel Schädler
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, guten Morgen, sehr verehrte Damen und Herren Abgeordnete. Mit der heute vorliegenden Postulatsbeantwortung legen wir dar, wie wir die Altersmedizin in Liechtenstein strukturell stärken, zukunftsfähig weiterentwickeln und gleichzeitig auf dem bereits soliden Fundament unserer bestehenden Versorgung aufbauen können. Der Auftrag des Landtags war klar, wir sollten prüfen, wie die Zusammenarbeit zwischen dem Landesspital, der liechtensteinischen Alters- und Krankenhilfe, der Familienhilfe und den Hausärztinnen und Hausärzten gezielt vertieft und verbindlicher ausgestaltet werden kann und welche Vorteile dies für Versorgung, Effizienz und Fachkräftesicherung bringt. Die gute Nachricht vorweg: Unsere Analyse zeigt deutlich, dass Liechtenstein heute schon über eine sehr gut funktionierende, vertrauensvolle und aktiv gelebte Zusammenarbeit verfügt. Die Institutionen arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen, in der Medizin, in der Pflege, in der Ausbildung, bei Supportleistungen wie IT oder Verpflegung, und zunehmend auch auf strategischer Ebene. Diese enge Verzahnung bildet eine starke Basis, auf der wir weiter aufbauen können. Gleichzeitig zeigt sich aber, wir stehen vor gesellschaftlichen Entwicklungen, die uns zur Weiterentwicklung verpflichten. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich bis zum Jahr 2060 mehr als verdoppeln. Der Fachkräftemangel bleibt eine reale Herausforderung, und die steigende Komplexität geriatrischer und gerontopsychiatrischer Krankheitsbilder verlangt nach gut abgestimmten Strukturen und klaren Prozessen. Genau hier setzt die Postulatsbeantwortung an. Wir identifizieren drei zentrale Entwicklungsfelder. Erstens, verbesserter Informationsaustausch: Alle Akteure, Spital, Langzeitpflege, Familienhilfe und Hausärzte, betonen, wie wichtig rasche, vollständige und strukturierte Informationswege sind. Gerade im Übertrittsmanagement bei ungeplanten Eintritten oder Pflegenotfällen kommt es heute noch zu Verzögerungen. Wir schaffen deshalb strukturierte Austauschformate auf strategischer und operativer Ebene, eine verbesserte Dokumentations- und Berichtskultur, Pilotprojekte wie interdisziplinäre Visiten zwischen Spital und LAK und mittelfristig das elektronische Gesundheitsdossier als verbindliches digitales Werkzeug. Damit reduzieren wir Doppelspurigkeiten, stärken die Versorgung und entlasten die Mitarbeitenden. Zweitens, Optimierung der Schnittstellen: Ziel ist es, Medikamente, Behandlungsplanung, Übergänge und Verantwortlichkeiten so abzustimmen, dass keine unnötigen Spitaleintritte entstehen und die Pflegeheime, aber auch die Familienhilfe jederzeit handlungssicher bleiben. Wesentlich hierbei sind klare Standards für Spontan- und Notfalleintritte, institutionalisierte interprofessionelle Fallbesprechungen sowie der Aufbau flexibel aktivierbarer «Floating Beds», um Engpässe überbrücken zu können. Ein entsprechendes Pilotprojekt zwischen Landesspital und LAK ist bereits gestartet. Drittens, Weiterentwicklung der medizinischen Betreuung: Ein wichtiges Ergebnis betrifft die Frage, ob eine gemeinsame geriatrische und gerontopsychiatrische Versorgung im stationären Bereich sinnvoll und umsetzbar ist. Die Hausärztinnen und Hausärzte sollen weiterhin die medizinische Gesamtverantwortung tragen. Das ist für die Kontinuität zentral. Aber in der Gerontopsychiatrie besteht ein klarer struktureller Bedarf, insbesondere angesichts zunehmender dementieller Erkrankungen. Eine institutionsübergreifend tätige Fachperson würde sowohl das Landesspital als auch die Pflegeheime und die Familienhilfe entlasten und die Versorgungsqualität spürbar verbessern. Diese Überlegungen fügen sich nahtlos in die Altersstrategie des Landes ein, in der der Ausbau der Geriatrie am Landesspital ausdrücklich als prioritäre Massnahme verankert ist. Ich komme nun zu Ihren einzelnen Fragen. Da war die Frage der Abg. Heeb-Kindle, wann mit dem gerontopsychiatrischen Angebot am Landesspital zu rechnen ist. Erstens, diese Entscheidung hängt davon ab, wie es mit dem Neubau des Landesspitals weitergeht. Zweitens, es ist wichtig zu betonen, dass es schwierig ist, Fachpersonen im Bereich Geriatrie und Gerontopsychiatrie zu finden. Spezialisten auf diesem Gebiet, sind Mangelware. Die Frage der Abg. Heeb-Kindle zu der Priorisierung der Massnahmen: Die Priorisierung der Massnahmen ist wie folgt: Die Stärkung des Informationsaustausches, die Optimierung der Schnittstellen und der Aufbau eines Qualitätszirkel laufen bereits. Das Thema hausärztliche Verfügbarkeit wird im zweiten Quartal 2026 wieder aufgenommen. Die Fragen des Abg. Salzgeber, zuerst zum Qualitätszirkel und dem Zeitplan: Der Aufbau ist abgeschlossen, es sind noch letzte Dinge im organisatorischen Feintuning ausstehend. Das Ministerium rechnet mit einem Start noch im zweiten Quartal 2026. Ebenfalls fragte der Abg. Salzgeber nach «Floating Beds». Das «Floating Bed», auch Flexibett genannt, startet am 1. April 2026, also gestern, und ist für zügige Aufnahmen für Institutionen wie das Landesspital vorgesehen. Der Eintrittsprozess ist geklärt. Wie sich dieses Pilotprojekt entwickelt, wird sich nach der Evaluation im August zeigen. Der Abg. Salzgeber fragte weiter nach der hausärztlichen Verfügbarkeit. Gemäss Rückmeldung der Ärztekammer ist das Projekt zur Evaluation der haus- und notfallärztlichen Versorgung bereits weit fortgeschritten und befindet sich aktuell in der Phase der Konkretisierung von Massnahmen. Die wesentlichen Grundlagenarbeiten sind abgeschlossen. Es wurde gemeinsam mit allen Stakeholdern, unter anderem mit dem Landesspital, dem Rettungsdienst, der Landesnotrufzentrale, den Alters- und Pflegeheimen eine strukturierte Datenerhebung durchgeführt, die erhobenen Fälle systematisch ausgewertet und die identifizierten Angebotslücken analysiert. Insgesamt wurden über hundert reale Versorgungssituationen ausgewertet, was eine solide empirische Basis darstellt. Auf dieser Grundlage konnten zentrale Erkenntnisse gewonnen werden. Die Mehrheit der Probleme liegt nicht in den fehlenden Regelungen, sondern in Informationsdefiziten und der teilweise unzureichenden Anwendung bestehender Prozesse. In einer zweiten Stakeholder-Sitzung wurden diese Ergebnisse gemeinsam diskutiert und konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Für die wichtigsten Massnahmenbereiche, insbesondere bessere Prozessklarheit, Sicherstellung der Zuständigkeiten, Redundanzen sowie punktuelle strukturelle Anpassungen besteht bereits breiter Konsens unter den beteiligten Institutionen.Das Projekt musste aufgrund anderer Prioritäten, Einführung Tardoc etc., zurückgestellt werden. Eine Wiederaufnahme des Projekts ist für das Quartal 2 vorgesehen. Der nächste Schritt ist die Priorisierung und Umsetzung der Vorbereitung. Die einzelnen Massnahmen sollen den zuständigen Institutionen zugewiesen und schrittweise umgesetzt werden, damit die identifizierten Optimierungen auch effektiv in die Praxis überführt werden. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung kann so nicht genannt werden, da die Zeitplanung einerseits Teil der Wiederaufnahme des Projekts sein wird und andererseits die Umsetzung aus zahlreichen Einzelmassnahmen besteht, deren Umsetzungszeiträume sehr unterschiedlich sind und auch von den zuständigen Institutionen abhängen. Der Abg. Salzgeber hat weiter gefragt nach der Palliativmedizin. Die Palliativmedizin umfasst die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen unheilbaren oder lebenslimitierenden Erkrankungen mit dem Ziel, belastende Symptome zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Neben der Behandlung körperlicher Beschwerden stehen dabei auch psychosoziale Aspekte sowie die Unterstützung von Angehörigen im Mittelpunkt. Grundsätzlich wird zwischen einer allgemeinen basalen Palliativversorgung und einer spezialisierten Palliativmedizin unterschieden. Die allgemeine Palliativversorgung wird in der Regel von Hausärztinnen und Hausärzten sowie von Ärztinnen und Ärzten und von Pflegefachpersonal in Spitälern, Pflegeinstitutionen und in ambulanten Bereichen erbracht. Sie umfasst die Betreuung von Patientinnen und Patienten im palliativen Bedarf im Rahmen der regulären medizinischen Versorgung und stellt den grössten Teil der Palliativversorgung dar. Die spezialisierte Palliativmedizin kommt insbesondere bei komplexen Krankheitsverläufen, schwieriger Symptomkontrolle und bei erhöhtem interprofessionellen Betreuungsbedarf zum Einsatz und wird durch entsprechend spezialisierte Fachpersonen oder Dienste unterstützt. Im Bereich der Altersmedizin nun gewinnt Palliative Care aufgrund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Zahl chronischer Erkrankungen ebenfalls an Bedeutung. In Liechtenstein erfolgt die allgemeine palliative Grundversorgung heute primär durch die Hausärzte und Hausärztinnen in enger Zusammenarbeit mit den Pflegeinstitutionen, insbesondere der LAK, der Familienhilfe sowie dem Landesspital. Diese abgestimmte Zusammenarbeit bildet bereits heute eine tragfähige Grundlage für eine qualitativ hochwertige Versorgung. Für komplexere Situationen besteht die Möglichkeit, spezialisierte palliativmedizinische Expertise beizuziehen, beispielsweise über den palliativen Brückendienst der Krebsliga Ostschweiz oder weitere spezialisierte Angebote in der Region, etwa im Kantonsspital Graubünden. Auch hier zeigt sich die Stärke der bestehenden überinstitutionellen Zusammenarbeit. Aus heutiger Sicht steht daher weniger der Aufbau neuer eigenständiger Strukturen im Vordergrund. Vielmehr gilt es, die bereits gut etablierte und wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen gezielt weiterzuführen und zu vertiefen sowie den bedarfsgerechten Zugang zu spezialisierter palliativmedizinischer Unterstützung in komplexen Fällen auch künftig sicherzustellen. Ich komme zur Beantwortung der Fragen der Abg. Fausch und möchte vorausschicken, dass die vorangegangenen Fragen vorab zugestellt wurden und dann auch von den Institutionen abgeklärt wurden. Wenn Sie sorgfältig die Beantwortung gelesen haben, sehen Sie, dass diese Beantwortung nur möglich ist durch ganz vorne an der Front arbeitende Institutionen wie das Landesspital und so weiter. Ich weiss das nicht, und wenn Sie hier so eine Flut von Fragen stellen, erhalten Sie halt einfach kürzere, ausweichende, vielleicht weniger genügsame Aussagen und Antworten von mir. Also bitte vorab schicken, dann können wir die Zeit hier konstruktiv gemeinsam auch nutzen und dann kann ich auch viel fundierter antworten. Vielen, vielen Dank. Also, die Frage der Abg. Fausch: Wie definiert man integrierte Versorgungsstruktur? Integrierte Versorgung bedeutet gemäss dieser Postulatsbeantwortung eine verbindlich organisierte, koordinierte und interprofessionelle Zusammenarbeit aller relevanten Institutionen und Berufsgruppen bei klaren Zuständigkeiten und gemeinsam getragenem Versorgungsverständnis, um Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit in der Altersmedizin zu stärken. Weiter hat die Abg. Fausch nach dem elektronischen Gesundheitsdossier (eGD), Zeitplan und App gefragt. Derzeit besteht keine Einsichtsmöglichkeit für ausländische Anbieter; eine solche soll jedoch künftig geschaffen werden. Die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen wurden bereits erlassen und nun erfolgt die technische Umsetzung. Eine eGD-App ist ebenfalls geplant. Leider liegen wir hier hinter dem ursprünglich vorgesehenen Zeitplan, was auf Drittanbieter zurückzuführen ist. Die Abg. Fausch hat nach dem Massnahmenpaket gefragt, auch im Vergleich zur Schweiz. Liechtenstein fährt hier einen eigenen Kurs, die Institutionen sind gefordert, haben aber auch Pläne zur Gewinnung von Fachkräften. Wichtig ist, dass die Berufe attraktiv gestaltet sind. Gerade seitens LAK wurde gezeigt, dass die Massnahmen, die getroffen wurden, Stichwort Inkonvenienzzulagen, wirken. Wir sind im stetigen Austausch mit den Akteuren und sind Gewehr bei Fuss, wenn sich notwendige Massnahmen abzeichnen. Der Abg. Martin Seger hat nach der Rolle des Landesspitals künftig, bezogen auf den Neubau, gefragt. Das Landesspital wird weiterhin eine zentrale Drehscheibe im Gesundheitswesen sein müssen. Je länger, desto mehr springt das Landesspital dort ein, wo andere Akteure nicht mehr mitmachen. Man denke hier an den Notfalldienst, der zwar gesetzmässig von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gemacht werden müsste, aber de facto vom Landesspital übernommen wird. Und ja, das Thema der von Ihnen erwähnten Übergangstrategie wird ministeriumsintern ebenfalls diskutiert, sowohl bezüglich Infrastruktur als auch bezüglich Inhalt. Dann hat der Abg. Martin Seger gefragt nach dem Bestandsgebäude des Landesspitals, Ausblick und Sicherstellung der Versorgung. Die Verzögerungen zum Neubau machen tatsächlich Überlegungen zum Übergang notwendig. Das Landesspital wurde daher mit einer Übergangsplanung beauftragt. Diese soll eine Zustandsanalyse des Gebäudes, eine baulich-technische Potenzialanalyse, optionaler Offertpunkt, sowie eine baurechtliche Potenzialanalyse enthalten. Betonen möchte ich allerdings, dass das Landesspital sowohl heute als auch in absehbarer Zukunft eine qualitativ gute medizinische Grundversorgung sicherstellen kann. Dann die Frage der Abg. Fausch zur internationalen Vernetzung: Die Frage müssen Sie noch einmal wiederholen, die haben wir nicht verstanden. Ebenso die Frage nach der Ärztekammer, die Lücken bei einem Projekt schliessen solle - die wissen wir nicht genau einzuordnen. Und auch dasselbe mit der dritten Frage: IT-Systeme konkretes Projekt. Das ist einfach akustisch untergegangen. Und dann möchte ich der Landtagsvizepräsidentin Hoop für Ihr Votum danken. Ihre Feststellungen stimmen alle. Wir nehmen die Empfehlungen natürlich ernst. Danke für dieses Verständnis. Das wäre es soweit. Vielen Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Carmen Heeb-Kindle
Besten Dank für das Wort. Ich habe noch eine kurze Rückfrage, vielleicht habe ich das falsch verstanden, zu meiner ersten Frage: Habe ich es richtig verstanden, wird die Entscheidung zum Ausbau der geriatrischen und gerontopsychiatrischen Angebote erst mit beziehungsweise nach dem Bau des neuen Landesspitals getroffen? Besten Dank. Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Christoph Wenaweser
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, guten Morgen. Die Beantwortung der Fragen des Abg. Seger durch Herrn Regierungsrat Schädler bewegt mich zu einer kleinen Nachfrage. Sie haben gesagt, dass das Landesspital in der Notfallversorgung oder eigentlich in hausärztlichen Bereichen immer mehr auch für die Hausärzte einspringt, die diesen Dienst nicht mehr erbringen können. Das ist für mich Anlass genug, um einmal mehr darauf hinzuweisen, dass wir viele Massnahmen benötigen, um die Hausarztmedizin in unserem Land wieder zu stärken. Unter anderem geht es dabei auch um die Anpassung der Bedarfsplanung. Ich meine mich daran zu erinnern, Herr Regierungsrat, dass Sie zu diesem Thema ausgeführt haben in einer vorgängigen Landtagssitzung und ich möchte gerne wissen, wie weit die Arbeiten inzwischen gediehen sind, diese Bedarfsplanung den neuen Gegebenheiten anzupassen. Des Weiteren würde ich gerne fragen, ob Sie schon sagen können, in welche Richtung sich das diesfalls bewegt.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Sandra Fausch
Besten Dank für das Wort. Gerne präzisiere ich noch ein wenig und gehe aber auch noch einmal auf den Anfangspunkt ein. Natürlich ist es ratsam, Fragen im Voraus zu stellen, aber in der Zeit für uns nicht immer möglich. Die Angebotslücke, wo Sie sich fragen, worauf ich mich beziehe, bezieht sich auf Seite 24, die hausärztliche Verfügbarkeit. Da wird effektiv auch von Angebotslücke im letzten Kapitel gesprochen, also, dass diese Verfügbarkeit, Erreichbarkeit und so weiter gegeben ist. Das ist hier gemeint mit dieser Angebotslücke, Kapitel 3.3.3. Dann zur länder- oder grenzüberschreitenden Vernetzung: Hier ist gemeint, dass der Fokus eben nicht nur auf Insellösungen oder innerstaatliche Strukturen gelegt wird, sondern eben auch Kooperationen und Gespräche mit dem Ausland gesucht werden, Leistungen abgesprochen werden, geschaut wird, wo es auch Kooperationsmöglichkeiten im Ausland gibt, also nicht nur der Fokus im Inland, sondern eben auch grenzüberschreitende Kooperationen. Das war angesprochen damit. Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank. Möchte die Regierung hierzu noch antworten?Regierungsrat Emanuel Schädler
Verehrter Herr Landtagspräsident, danke für das Wort. Zu den internationalen Vernetzungen kann ich sagen: Bei der Palliativmedizin haben wir das, also schliesse ich pars pro toto, dass dies auch andernorts geprüft und immer mitberücksichtigt wird. Das ist ja so, wir reden von der Versorgungsregion Rheintal und sind da auch eingebunden, zum Beispiel in Gesundheitsdirektorenkonferenz Ost und so weiter. Und das wird generell, als auch hier, speziell im Bereich der Altersmedizin, standardmässig der Fall sein, und das prüfen wir. Wir denken nicht nur in Inseln, wir untersuchen natürlich unser Staatsgebiet. Warum das jetzt nicht eingeflossen ist, das weiss ich nicht. Das müssen wir dann die Leute auch fragen. Ich glaube aber, dass die Grundversorgung der Altersmedizin, die hier sichergestellt wird, auch primär einmal im Inland erbracht werden muss. Und dann eben ein Beispiel, bei der Palliativmedizin macht ein Andocken mit dem Ausland dann sicher Sinn, aber die Grundversorgung müssen wir hier inländisch sicherstellen. Das wäre jetzt meine Ad-hoc-Antwort auf Ihre Frage, aber wir können das gerne eingehender besprechen. Zur hausärztlichen Verfügbarkeit wird mir mitgeteilt, das war die Anfrage des Abg. Salzgeber, die habe ich oben beantwortet: Da ist bis Quartal 4 dieses Jahres etwas zu erwarten. Das wäre sehr, sehr kondensiert jetzt dann die Antwort. Dann die Abg. Heeb-Kindle hat gefragt: Entscheidung Gerontopsychiatrie. Nein, das ist laufend ein Thema. Das LLS entwickelt sich ja auch immer wieder weiter, nur haben wir jetzt andere Prioritäten. Ich weiss nicht, ob das die Antwort auf die Frage ist. Wir können es jetzt noch nicht sagen, weil wir noch nicht wissen, wie es mit dem Neubau weitergeht. Wenn es keinen Neubau gibt, ist das natürlich etwas anderes, als wenn es einen Neubau geben wird, und dann fragt sich, wie genau wir das implementieren. Ich weiss nur, im Grundauftrag, in dieser berühmten Bestellung, steht ja auch so etwas drinnen, nicht die Psychiatrie, aber die Geriatrie; die ist drinnen. Sie ist eines dieser sieben Kernelemente. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich nicht in die Zukunft sehen kann. Dann war genau die Frage der Bedarfsplanung durch den Abg. Wenaweser. Da sind wir intensiv dran, aber das ist ein schwerer Lupf. Die Anpassung der Bedarfsplanung ist deshalb auch aktuell in Diskussionen; Gespräche mit der Ärztekammer und dem LKV stehen an. Wir haben ein Problem: Eine blinde Öffnung ist nicht zielführend, wenn wir diese Stellen einfach aufstocken, und zwar dauerhaft, dann haben wir die Kosten nicht mehr im Griff und das müssen wir verhindern. Flexibilisierung ist das Stichwort, also öffnen. Wie wir das genau machen können, da sind wir uns noch nicht einig. Macht man das zeitweise, macht man das überbrückend? Wie auch immer, das ist in Diskussion, da scheiden sich die Geister. Das ist die alte Balance zwischen einerseits Versorgung und andererseits Kostenmanagement. Sprich, wenn wir jetzt die Bedarfsplanung öffnen mit vielen Stellen, dann schiessen uns die Kosten in den Himmel, wenn wir aber nichts tun, dann haben wir die Kosten besser im Griff, aber die Versorgung ist dann schwierig. Da eben alle diese Player eingebunden werden müssen, ist das schwierig, alle auf eine Linie zu bekommen, aber das läuft. Ein Vorschlag wurde bei uns eingereicht, zurückgespielt und so weiter und reihum. Also das ist gar nicht einfach, bei diesen Verhandlungen zu einem Ergebnis zu kommen, hinter dem alle stehen können und das dann eben auch in der Praxis draussen funktioniert. Vielen Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Abg. Sandra Fausch
Besten Dank für das Wort und auch für die Ausführungen von Herrn Schädler. Einen Punkt habe ich noch vergessen, der Ihnen unklar war bezüglich der Kommunikationskanäle und IT-Systeme. Hier verweise ich auf Seite 26. Im letzten Absatz heisst es: «Für eine reibungslose Zusammenarbeit sind strukturierte digitale Kommunikationskanäle sowie abgestimmte Ein- und Austrittsprozesse erforderlich. Strukturell bedarf es kompatibler IT-Systeme, definierte Qualitätsstandards und klarer klinischer Pfade.» Und darauf bezieht sich meine Frage, ob hier konkret etwas aufgegleist werden soll hinsichtlich Kommunikationskanäle, sprich neue Kanäle oder Anpassungen, und dasselbe eigentlich auch auf die IT-Systeme bezogen. Es heisst, es sei notwendig, aber jetzt wäre meine Folgefrage: Sollen Anpassungen oder Einführungen neuer Systeme passieren oder was ist da die Idee? Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank.Regierungsrat Emanuel Schädler
Vielen Dank für das Wort. Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Das ist eine ganz tiefe, nicht nur operative, sondern wahrscheinlich sogar auch taktische Frage. Ich kann das wirklich nicht sagen. Das müssten dann die einzelnen Organisationen wissen. So genau bin ich dann doch wieder nicht im Bilde. Vielen Dank.Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Besten Dank. Es gibt keine weiteren Wortmeldungen. Damit haben wir die Postulatsbeantwortung zur Kenntnis genommen. Die Regierung beantragt, das Postulat vom 21. August 2025 abzuschreiben. Wer diesem Antrag zustimmen möchte, möge jetzt die Stimme abgeben. Abstimmung: Einhellige Zustimmung
Landtagspräsident Manfred Kaufmann
Einhellige Zustimmung bei 25 Anwesenden. Damit haben wir das Postulat abgeschrieben und Traktandum 6 erledigt. -ooOoo-