Postulat zur Fertigstellung des Psychiatriekonzeptes und Umsetzung von Sofortmassnahmen zur Abfederung der teils angespannten Versorgungslage in Liechtenstein der Abgeordneten Dagmar Bühler-Nigsch, Peter Frick, Manuela Haldner-Schierscher, Norma Heidegger, Franziska Hoop, Johannes Kaiser, Manfred Kaufmann, Gunilla Marxer-Kranz, Thomas Rehak, Günter Vogt, Thomas Vogt, Mario Wohlwend und Karin Zech-Hoop vom 6. November 2023
Landtagspräsident Albert Frick
Wir kommen zu Traktandum 8: Postulat zur Fertigstellung des Psychiatriekonzeptes und Umsetzung von Sofortmassnahmen zur Abfederung der teils angespannten Versorgungslage in Liechtenstein der Abgeordneten Dagmar Bühler-Nigsch, Peter Frick, Manuela Haldner-Schierscher, Norma Heidegger, Franziska Hoop, Johannes Kaiser, Manfred Kaufmann, Gunilla Marxer-Kranz, Thomas Rehak, Günter Vogt, Thomas Vogt, Mario Wohlwend und Karin Zech-Hoop vom 6. November 2023.Abg. Manfred Kaufmann
Besten Dank, Herr Präsident, sehr geehrte Frauen und Herren Abgeordnete. Einleitend möchte ich mich bei allen Abgeordneten bedanken, welche dieses parteiübergreifende Postulat möglich gemacht haben und sich mit ihrem fundierten Wissen bei der Ausarbeitung eingebracht haben. Mit der Unterzeichnung hat bereits eine Mehrheit vom Landtag, die Dringlichkeit und den Bedarf zur Handlung erkannt. Die Zahlen von jungen Menschen in der Schweiz mit psychischen Problemen und mit Suizidgedanken sind gemäss der Unicef-Studie erschreckend. Laut Bundesamt für Statistik aus der Schweiz und der Nachbarländer ist ein beispielloser Anstieg von Hospitalisierungen aufgrund psychischer Störungen zu verzeichnen. Seit 2017 hat es einen Anstieg bei den psychischen Belastungen gegeben, die Zahl der Hospitalisierungen aufgrund psychischer Störungen bei jungen Frauen zwischen 10 und 24 Jahren ist um 26 Prozent, bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren sogar um beispiellose 52 Prozent gestiegen. Das Psychiatriekonzept in Liechtenstein ist deshalb dringend notwendig. Dies fordern auch die beiden Geschäftsführerinnen des liechtensteinischen Krankenkassenverbandes, wie erst letzte Woche im «Vaterland» zu lesen war. Zusätzlich melden sich auch vermehrt weitere Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen, die von einer angespannten bis mangelnden Versorgungslage berichten. Immer wieder werden einem auch Hilferufe aus der Bevölkerung zugetragen. Ebenfalls wird immer wieder aus der liechtensteinischen Wirtschaft berichtet, dass vermehrt Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Belastungen und Erkrankungen stattfinden. Fallzahlen über in Liechtenstein wohnhafte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die derzeit in Liechtenstein, der Schweiz oder Österreich in ambulanter, teilstationärer oder stationärer psychologischer oder psychiatrischer Behandlung sind, inklusive auf deren Wartelisten befindlichen Liechtensteiner Personen, fehlen derzeit. Zahlen, Daten und Fakten sind jedoch der Schlüssel zur Initiierung von effektiven Massnahmen und sind deshalb unbedingt zu ermitteln. Aktuell fehlt es auch an einer niederschwelligen psychiatrischen Notfallbetreuung mit professionell organisiertem und vernetzten Case-Management im Bereich der kinder- und jugendpsychiatrischen Pflege. Vereinzelt bestehende Angebote sind nicht ausreichend vernetzt und werden nicht weiterempfohlen, sind unübersichtlich beziehungsweise werden nicht zusammenfassend aufgelistet. Für diese und weitere Bereiche ersuchen wir Postulanten die Regierung, dem Landtag das Psychiatriekonzept bis spätestens zur Postulatsbeantwortung vorzulegen. Damit möchten wir auch ein Zeichen setzen, dass in diesem wichtigen Bereich von der Politik etwas unternommen wird und die betroffenen Personen und Familien nicht mit ihren Problemen allein und im Regen stehen gelassen werden. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Manuela Haldner-Schierscher
Einleitend ist es mir ein Anliegen mich bei all jenen zu bedanken, die sich aus persönlicher Betroffenheit als Angehörige, aus beruflichen Gründen, als Vorgesetzte oder als Freundinnen oder Freunde von Betroffenen dafür einsetzen, dass diese Menschen die notwendige Hilfe und professionelle Unterstützung erhalten, wenn ihre Psyche so leidet, dass die eigene Lebensqualität und auch die des sozialen Umfelds massiv beeinträchtigt und eingeschränkt wird. Die Förderung eines unterstützenden sozialen Netzwerks, das Verständnis und Empathie bietet, ist von unschätzbarem Wert. Eine psychische Erkrankung kann jede und jeden von uns treffen und tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihr Umfeld haben. Es ist entscheidend, dass Betroffene und ihre Angehörigen frühzeitig Unterstützung erhalten, die sowohl professionelle medizinische Hilfe als auch emotionale und soziale Unterstützung umfasst. Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ist ebenfalls wichtig, um ein offenes und unterstützendes Umfeld zu schaffen, in dem sich Betroffene sicher fühlen können, um Hilfe anzusuchen. Die Zusammenarbeit mit Fachleuten, der Zugang zu geeigneten Therapieangeboten, Medikation und gegebenenfalls stationärer Behandlung sind zentrale Säulen dieser Unterstützung. Ein umfassendes Psychiatriekonzept berücksichtigt die verschiedenen Aspekte, die zur Verbesserung der psychologisch-psychiatrischen Grundversorgung und damit zu einer Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit psychischen Erkrankungen beitragen. Die Erstellung eines solchen umfassenden Psychiatriekonzeptes in Liechtenstein ist seit vielen Jahren ein grosses Thema. Immer wieder wurde in Aussicht gestellt, dass ein solches Konzept in Bälde vorlegen werde. Alle, die darauf warten, wurden damit vertröstet, dass noch dieses und jenes abgeklärt werden müsse, doch man sei auf der Zielgeraden. Und dennoch stehen wir jetzt an dem Punkt, dass uns dieses Konzept bis zum heutigen Tag nicht vorliegt. Die Dringlichkeit der Finalisierung eines Psychiatriekonzepts für Liechtenstein ergibt sich aus der seit mehreren Jahren zunehmenden Zahl von psychischen Störungen, Erkrankungen, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dieser Trend wurde durch die Corona-Pandemie noch verstärkt, wobei junge Frauen besonders betroffen sind. Fachleute berichten über eine deutliche und besorgniserregende Zunahme von Angststörungen, Essstörungen, Depressionen und Suizidgedanken. Akute psychische Störungen erfordern schnelle Hilfe, um schwerwiegende Folgeerkrankung, eine Chronifizierung und damit einhergehend nicht zuletzt, auch hohe Kosten zu verhindern. Zudem melden Arbeitgeber vermehrt psychische Belastungen als häufigen Grund für Krankmeldungen und Ausscheidungen aus dem Arbeitsprozess. Dies mit teils gravierenden Folgen für die kontinuierlich steigende Zahl an Betroffenen und ihr Umfeld, denn die liechtensteinische Bevölkerung ist in der psychiatrischen Grundversorgung darauf angewiesen, dass wir neben einem gut ausgestatteten Angebot im Inland, auch an Angeboten der umliegenden Ländern partizipieren können, da es nicht möglich ist, sämtliche Angebote, die für eine geeignete Behandlung notwendig sein können, selber bereitzustellen. Fakt ist und wirkt sich deshalb schon seit Langem und zunehmend verschärfend auf die Situation aus, dass die Angebotssituation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, aber auch in der Erwachsenenpsychiatrie auch in den umliegenden Ländern äusserst angespannt ist und deshalb Betroffene aus Liechtenstein oft auf einer Warteliste monatelang auf einen geeigneten Therapieplatz warten oder ganz grundsätzlich eine Aufnahme abgelehnt wird. Es ist eine fatale und unhaltbare Situation, wenn Fachleute in einem Akt der Verzweiflung stundenlang herumtelefonieren müssen, um für akut suizidale Menschen einen sicheren Platz zu suchen, ohne Aussicht oder Garantie auf Erfolg. Es ist klar, ein Psychiatriekonzept wird dieses seit Jahren akute Problem von mangelnden Therapieplätzen und fehlenden Fachkräften zumindest nicht kurzfristig lösen können. Denn diese Situation ist auch den Versäumnissen der vergangenen Jahre geschuldet. Dennoch und gerade darum ist es zwingend notwendig, dass wir endlich ein Konzept vorliegen haben, damit die Planung und weitere Schaffung notwendiger Kapazitäten so schnell wie möglich in Angriff genommen werden kann. Die Ursachen für die zunehmende Anzahl psychischer Erkrankungen sind vielfältig, wie sich diese auch in der Diskussion in der heutigen Aktuellen Stunde deutlich zeigte. Es ist wichtig, dass wir dort womöglich alles unternehmen, um Risikofaktoren, die die Entwicklung einer psychischen Störung beziehungsweise Erkrankung begünstigen, identifizieren und minimieren. Trotz einer leichten Entlastung durch die Schaffung zusätzlicher Psychotherapiekapazitäten herrscht weiterhin ein Mangel an ambulanten, insbesondere aber auch an stationären Therapieplätzen. Wie bereits erwähnt, besonders in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es zu wenig stationäre Therapieangebote, es fehlen niederschwellige Notfallbetreuungsmöglichkeiten sowie ein vernetztes Case-Management. Auch der Bedarf an Gruppentherapieangeboten und teilstationären Therapieangeboten zur Nachbetreuung kann mitnichten gedeckt werden.Mit diesem Postulat gelangen wir mit der Forderung an die Regierung, das Psychiatriekonzept schnellstmöglich zu finalisieren und aufzuzeigen, wie die dringend benötigte Hilfe in der psychiatrischen Versorgung aller betroffenen Einwohnerinnen und Einwohnern, insbesondere in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung geleistet werden kann. Dies beinhaltet auch zu erläutern, wer für Aufbauorganisation und Umsetzung der Psychiatriestrukturen zuständig sein wird. Bis wann eine Übersicht über die kurz- bis langfristigen Massnahmen in Prävention und Intervention vorliegen wird. Wie der Zeitplan der Umsetzung aussieht und wie die Vernetzung der Massnahmen organisiert, koordiniert und kommuniziert wird. Und wie mögliche Kooperationen mit regionalen und überregionalen Einrichtungen helfen könnten, diese Lücken zu schliessen.Daten über in Liechtenstein lebende Personen, die psychologische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen sind da. Was fehlt, sind Daten darüber, wie viele Personen und ihre Angehörigen Hilfe benötigen würden, wie viele keine Kenntnisse über Hilfsmassnahmen haben oder der Zugang zu den entsprechenden Hilfsangeboten nicht gewährleistet werden konnte oder kann. Die Regierung möge Ausführungen dazu machen, auf welcher Datengrundlage die Massnahmen im Psychiatriekonzept abgestützt werden und welche Daten erfasst werden sollten, um einen Handlungsbedarf daraus abzuleiten und geeignete Massnahmen auch im Präventionsbereich zu definieren. Das für die Erarbeitung des Psychiatriekonzepts zuständige Expertenteam sollte neben umfassenden Kenntnissen im Gesundheits- und Sozialwesen auch über Erfahrung in der Planung und im Aufbau von Strukturen für die psychiatrische Versorgung im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich haben. Die Postulant/-innen sind der Meinung, dass dies zwingend notwendig ist, um eine umfassende Konzeptionierung und Versorgungsplanung erfolgreich umsetzen zu können. Im Namen der Betroffenen, ihren Angehörigen und zahlreichen Fachleuten, bedanke ich mich bei Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, wenn Sie der Überweisung des Postulates an die Regierung ihre Zustimmung geben, um der Forderung zur Fertigstellung des Psychiatriekonzeptes Vorschub zu leisten. Vielen Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Mario Wohlwend
Besten Dank. Die Ausgangslage hat sich in den letzten Jahren verschärft. Die möglichen Auslöser für psychische Probleme sind vielfältig, Krieg und dramatische Erlebnisse können sich auf die psychische Gesundheit auswirken. Die negative Entwicklung der Umwelt erzeugt zudem fehlende Zukunftsaussichten. Auch der Druck der Gesellschaft und der sozialen Medien kann zu Stress und psychischen Belastungen führen, da wir uns oft mit anderen vergleichen und uns an Erwartungen und Normen anpassen wollen. Für alle, die sich mit dem Thema Gesundheit beschäftigen, sind die Themen steigende Gesundheitskosten im Allgemeinen, steigende Kosten für die Prämienzahler und eine qualitativ angemessene Versorgung beziehungsweise Prävention zur Erreichung der persönlichen Lebensqualität nicht neu. Aus diesem Grund habe ich im September im Landtag 2020 eine Kleine Anfrage zur Weiterentwicklung des liechtensteinischen Gesundheitswesens gestellt. Mittlerweile hat der Verein für Menschenrechte in Liechtenstein in seinem Beitrag «Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen» eine Auswertung und eine Elternbefragung im Oktober bis November 2023 zur Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche die Problematik auf den Punkt gebracht. - Viele Eltern gaben an, dass es aufgrund des Mangels an Fachärzten, Psychotherapeuten und anderen spezialisierten Fachkräften schwierig sei, geeignete Hilfe für ihre Kinder zu finden.
- Viele Eltern berichten von langen Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten und Psychotherapeuten. Dies führte zu Verzögerungen bei der Behandlung und zu einer Verschlechterung der Symptome ihrer Kinder.
- Eltern beklagten, dass es oft schwierig sei, die verschiedenen Dienste und Einrichtungen, die sie und ihre Kinder benötigen, zu koordinieren. Es mangelte an Kooperation und Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheits- und auch im Bildungssystem.
- Viele Eltern fühlten sich unsicher, wie sie mit psychischen Problemen ihrer Kinder umgehen sollten. Es fehlte an Schulungs- und Informationsangeboten für Eltern, um sie bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu unterstützen.
- Einige Eltern berichteten von Stigmatisierung und mangelndem Verständnis seitens der Gesellschaft. Und dies führte zu zusätzlichem Stress und Belastung für die betroffenen Kinder und ihre Familien.
Wie der Abg. Manfred Kaufmann ausführte, ist auch für mich ein zentrales Mittel ein präventives, individuelles Auffangnetz beziehungsweise ein niederschwelliger Zugang zu gewährleisten, um die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von Hilfe zu senken und eine frühzeitige Therapie zu ermöglichen. Dies kann im Idealfall schwere oder gar chronische Verläufe verhindern und sich somit langfristig positiv auswirken. Ich widerspreche dem Abg. Sascha Quaderer: In der aktuellen Situation kann nicht der erste Schritt eine Prävention sein. Ich möchte es nicht versäumen die aktuelle Situation mit einer Metapher zur Erklärung psychischer Probleme zu illustrieren. Das psychische Wohlbefinden eines Menschen wird mit einem Gebäude verglichen. Die Feuerwehr steht für die Unterstützungssysteme, die in Krisensituationen zu Hilfe eilen. Der Feuermelder symbolisiert die Fähigkeit, Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Die Sprinkleranlage steht für die Bewältigungsstrategien im Umgang mit psychischen Belastungen. Die Bauvorschriften zum Brandschutz, stehen für vorbeugende Massnahmen zur Vermeidung psychischer Probleme. Diese Metapher verdeutlicht, wie wichtig es ist, frühzeitig auf Warnsignale zu reagieren, Unterstützung zu suchen und vorbeugende Massnahmen zu ergreifen, um das psychische Wohlbefinden zu schützen. Ich gebe aber zu bedenken, dass es heuchlerisch ist und für die Betroffenen wie ein Schlag ins Gesicht ist, wenn die Probleme der Gegenwart mit Versprechungen für die Zukunft überdeckt werden, während das Gebäude brennt und die Feuerwehr den Betroffenen vorenthalten wird. Es ist wichtig zu erkennen, dass jedes Kind einzigartig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Eltern und Betreuungspersonen sollten deshalb aufmerksam sein und individuell auf die Bedürfnisse und Entwicklungsphasen ihrer Kinder eingehen. Ein Betty-Bossi-Rezept wird es deshalb nicht geben. Die Taktik, Probleme auf die lange Bank zu schieben, ist in der Politik leider nicht unüblich. Dies geschieht, um kurzfristig unangenehme Konsequenzen zu vermeiden und politische Entscheidungen aufzuschieben. Langfristig kann dies jedoch zu noch grösseren Problemen führen, da sich ungelöste Probleme oft verschärfen und schwieriger zu bewältigen sind. Es ist wichtig, dass politische Entscheidungsträger verantwortungsbewusst zum Wohle der Bevölkerung handeln und sich den aktuellen Herausforderungen stellen, um eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu gestalten. Kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen im Bereich der Prävention und Intervention müssen definiert werden. Darüber hinaus stellt sich die brennende Frage, wie die Zeit bis zur Umsetzung dieser Massnahmen überbrückt werden kann, zum Beispiel, wie die bestehenden Strukturen übergangsweise ausgebaut oder besser vernetzt werden können, um den Kindern und Jugendlichen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie jetzt benötigen.Der Landtag und die Akteure des Gesundheitswesens weisen den Gesundheitsminister und das Gesundheitsministerium immer wieder auf die prekären Defizite und den aktuellen Handlungsbedarf in der Psychiatrie hin. Aber letztlich liegt es in der verfassungsrechtlichen Zuständigkeit des Gesundheitsministers selbst, diese aufzugreifen und Taten folgen zu lassen. Aus meiner Sicht drängt sich eine Grundsatzfrage auf: Mit welchen Kennzahlen und Indikatoren steuert der Gesundheitsminister das Gesundheitswesen aktiv und rechtzeitig in eine positive Zukunft? Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Abg. Franziska Hoop
Besten Dank für das Wort, Herr Landtagspräsident, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Am 6. November 2023 reichten 13 Abgeordnete ein parteiübergreifendes Postulat zum Thema «Fertigstellung des Psychiatriekonzepts und Umsetzung von Sofortmassnahmen zur Abfederung der teils angespannten Versorgungslage in Liechtenstein» ein. Beim Traktandum der Aktuellen Stunde haben wir bereits über die Thematik gesprochen. Sie war vor allem auf Kinder und Jugendliche bezogen. Es ist mir wichtig zu erwähnen, dass die Probleme rund um die Versorgung sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen besteht. Meine Vorredner, die Abgeordneten Kaufmann, Haldner-Schierscher und Wohlwend haben ausführlich darüber votiert, wo die Probleme liegen, welche Probleme es gibt, fehlende Angebote von ambulant über teilstationär bis hin zu stationär; Betroffene davon bis zur Genüge. Ich möchte mich nicht wiederholen, die Probleme sind sichtbar, sie sind hörbar, sie sind uns bekannt. Es bleibt mir nur zu sagen, es ist fünf nach Zwölf, sowohl mit möglichen Massnahmen und Lösungen, aber auch beim Thema Prävention. Ich möchte mich bereits jetzt bei allen Mitwirkenden für die Ausarbeitung der Postulatsbeantwortung herzlich bedanken. Die Überweisung ist, so hoffe ich, unbestritten. Besten Dank.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank.Regierungsrat Manuel Frick
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frauen und Herren Abgeordnete. Es ist unbestritten, dass wir ein Problem haben, wenn wir uns die zunehmenden psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sowie die Zunahme von Medikamentenmissbrauch und Drogenkonsum vor Augen halten. Die Postulantinnen und Postulanten stossen mit ihren hier vorgebrachten Anliegen bei mir also auf offene Ohren. Mir ist bewusst, dass die psychiatrische Versorgung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, ein Thema ist, dass den Menschen unter den Nägeln brennt. Die Tatsache, dass das Psychiatriekonzept noch nicht vorliegt, ist denn auch nicht in der mangelnden Priorität begründet, sondern vor allem in zwei Faktoren: Einerseits waren die Personalressourcen im Gesundheitsbereich zu Beginn meiner Amtszeit noch stark mit der Pandemie gebunden. Andererseits erwiesen sich die Bestandesaufnahmen und Massnahmen im Psychiatriebereich als deutlich komplexer als ursprünglich angenommen. Ich bin aber äusserst zuversichtlich, dass das Psychiatriekonzept in Bälde abgeschlossen sein wird. Das Postulat wäre in dieser Hinsicht nicht nötig gewesen, jedoch unterstreichen die Postulantinnen und Postulanten damit, dass dem Psychiatriekonzept als Grundlage für konkrete Massnahmen und Projekte zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung der in Liechtenstein wohnhaften Personen, eine herausragende Rolle zukommt. Dass vor allem in der psychiatrischen, psychotherapeutischen Versorgung im Kinder- und Jugendbereich ein akuter Engpass zu beklagen ist, sieht auch die Regierung so und dies wurde auch bei der Beantwortung einer Kleinen Anfrage im September-Landtag bestätigt. Natürlich kann die Regierung dringende und unbestrittene Massnahmen vor der Umsetzung des Psychiatriekonzepts realisieren. Hier verweise ich auf die Schaffung einer zusätzlichen Stelle in der Psychotherapie für Kinder und Jugendliche, die bereits Wirkung zeigt, und die Situation zumindest ein wenig entschärft. Ausserdem werden Gespräche mit Einrichtungen geführt, die im Psychiatriekonzept angedachte Leistungen anbieten. Die Ungeduld von Ihnen, meine Frauen und Herren Abgeordnete, die weitere Sofortmassnahmen fordern, ist verständlich. Ich kann Ihnen garantieren, dass wir bis zur Umsetzung des Konzepts die Situation verfolgen und nötige Schritte setzen oder vorbereiten werden. Ich bitte um Verständnis dafür, dass momentan unser Augenmerk auf der Fertigstellung des Psychiatriekonzepts liegt. Die Medienberichte, die Kleinen Anfragen und das Postulat, welche die psychische Gesundheit der liechtensteinischen Bevölkerung, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, thematisierten, stützen sich auf beunruhigende Zahlen in Statistiken und Feststellungen von Fachpersonen aus den psychiatrischen und psychotherapeutischen und medizinischen Bereichen in Liechtenstein. Ich möchte an dieser Stelle nicht alle Zahlen rekapitulieren, auf die sich das Postulat stützt, aber drei miteinander in Verbindung bringen. In einer Unicef-Befragung im Jahr 2021 gaben 37 Prozent der Teilnehmenden 14 bis 19-Jährigen aus der Schweiz und Liechtenstein an, von psychischen Problemen betroffen zu sein. Zudem urteilten 47 Prozent, dass die Covid-19-Pandemie ihre psychische Gesundheit verschlechtert habe. Für mich sehr erschreckend ist aber, dass weniger als die Hälfte sich Hilfe sucht und sich nur 3 Prozent an Fachleute aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich wenden. Psychische Störungen und Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen müssen als gesamtgesellschaftliches Problem betrachtet werden und dabei ist es wichtig zu wissen, worin die Ursachen liegen und was Kinder und Jugendliche hauptsächlich belastet. Aus der bereits zitierten Unicef-Umfrage geht hervor, dass Mobbing in der Schule das am häufigsten erfahrenen negative Erlebnis von Kindern und Jugendlichen ist. Ebenfalls zu nennen sind die Ungewissheit aufgrund der aktuellen Weltlage, aufgrund von Krieg, Klima- und Umweltzerstörung und die Nutzung der sozialen Medien und das damit verbundene Wetteifern um soziale Anerkennung. In diesem Zusammenhang ist sicherlich die Zunahme von Mobbing in den sozialen Medien ein wichtiges Thema, das Einfluss auf die psychische Gesundheit der jüngeren Generation hat. Auch der zunehmende Druck durch eine stark verplante Freizeit ist ein relevanter Faktor für die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen. Selbstverständlich muss der Zugang zu ambulanten und stationären Therapieplätzen den Bedarf weitgehend abdecken, damit in akuten Fällen umgehend geholfen werden kann. Eine wichtige Bedeutung kommt der Prävention und Beratung zu, damit psychische Belastungen und Erkrankungen im besten Fall nicht auftreten oder zumindest frühzeitig gehandelt werden kann. Familienmitglieder, besonders Eltern als wichtigste Bezugspersonen, sollten genauso wie die Kinder und Jugendlichen bei Präventions- und Beratungsangeboten miteinbezogen werden. Lehrpersonen als wichtige Bezugspersonen können Belastungen ebenfalls früh erkennen. Ein weiterer Aspekt ist die Entstigmatisierung, wie dies von der Abg. Manuela Haldner-Schierscher auch thematisiert wurde. Über Belastungen zu reden und Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen der Schwäche. Die Kinder und Jugendlichen müssen früh erreicht werden, niederschwelligen Zugang zu den vorhandenen Angeboten erhalten, die Angebote aber auch annehmen. Zusammenfassend möchte ich betonen, dass mein Ministerium gemeinsam mit den zuständigen Ämtern intensiv an der Fertigstellung des Psychiatriekonzeptes arbeitet. Daneben müssen von den jeweils zuständigen Stellen auch in anderen Bereichen Massnahmen ergriffen beziehungsweise Bemühungen intensiviert werden. Den Postulantinnen und Postulanten möchte ich abschliessend für die Einreichung des Postulats und die ausführliche Analyse der Situation danken.Landtagspräsident Albert Frick
Vielen Dank. Wir kommen zur Abstimmung, wer einer Überweisung dieses Postulates an die Regierung zustimmen will, möge bitte die Stimme abgeben. Abstimmung: Zustimmung mit 25 Stimmen
Landtagspräsident Albert Frick
Der Landtag hat das Postulat mit 25 Stimmen einhellig überwiesen. Wir haben Traktandum 8 abgeschlossen. -ooOoo-