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15. August 2017

Landtagspräsident Albert Frick


Ansprache des Landtagspräsidenten Albert Frick anlässlich des Staatsfeiertages 2017

Es gilt das gesprochene Wort.

Durchlauchter Landesfürst
Durchlauchte Landesfürstin
Durchlauchter Erbprinz
Königliche Hoheit
Durchlauchten
Geschätzte Mitglieder von Regierung und Landtag
Exzellenzen
Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner
Liebe Gäste

Am 30. Juli durften Sie, Durchlauchtes Fürstenpaar, das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Dazu darf ich Ihnen heute, am Fürstenfest, im Namen der liechtensteinischen Bevölkerung von ganzem Herzen gratulieren. Älteren Semestern, zu denen ich mich auch schon zähle, ist Ihr Hochzeitsfest in unvergesslicher Erinnerung. Die Bevölkerung nahm mit Begeisterung an den Feierlichkeiten teil. Ich selbst hatte damals die Ehre, auf der Treppe der Pfarrkirche im Spalier der Pfadfinder zu stehen. Es sind Ereignisse wie dieses, die unseren Zusammenhalt fördern und uns darin bestärken, unserem Land zu dienen. Heute dürfen Sie, verehrtes Fürstenpaar, nach fünfzig Jahren des gemeinsamen Lebensglücks mit Stolz und Freude auf Ihre grosse Familie blicken. Ihre Lebensführung ist für viele Menschen im Lande Vorbild. Sie beide dürfen aber auch auf ein bewundernswertes Lebenswerk im Dienste unseres Landes blicken. Dafür danke ich Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen für den weiteren gemeinsamen Lebensweg Gesundheit und viel Freude und Glück.

Bald feiern wir 300 Jahre Fürstentum Liechtenstein. Es ist dies die Geschichte eines Landes, das sich in kurzer Zeit vom Armenhaus zu einem Hort des gehobenen Wohlstandes entwickelt hat. Vieles ist uns mit diesem Wandel zur Selbstverständlichkeit geworden. Arbeitsplätze im Überfluss, gesicherte soziale Absicherung, erstklassige Bildungschancen – und das alles bei tiefen Steuern. Seien wir uns aber bewusst, dass wir uns in einem Umfeld bewegen, welches in hohem Tempo Veränderungen produziert und mehr und mehr durch internationale Regulierungen geprägt ist. Für die Verwaltung, vor allem aber für die Gesetzgebung ergeben sich dadurch gewaltige Mehraufwände. Nur ein Staatswesen, das flexibel genug ist, auf Bedürfnisse zu reagieren und seine Institutionen entsprechend anzupassen, darf darauf hoffen, auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Der Landtag ist nicht länger ein Gremium, das sich einigen wenigen, vorwiegend innerstaatlichen Aufgaben zu widmen hat. Vielmehr sieht er sich mit einer zunehmenden Fülle an hochkomplexen Vorlagen konfrontiert, die aufgrund internationaler Verflechtungen in die nationale Gesetzgebung umgesetzt werden müssen. Die Gefahr ist gegeben, dass sich Abgeordnete ausschliesslich auf Expertenrat verlassen müssen. Der Gesetzgebungsprozess muss aber im Interesse eines legitimierten demokratischen Handelns von den gewählten Volksvertretern geprägt werden. Es darf nicht sein, dass externe Einflussnahme den Prozess dirigiert. Der Landtag hat daher eine Besondere Kommission eingesetzt, die optimierte Rahmenbedingungen für die Landtagsarbeit der kommenden Legislaturperioden erarbeiten soll. Die Massnahmen sollen auf Beginn des nächsten Jahres wirksam werden. Die Fragestellungen sind vielfältig: Wie können innerhalb des Milizsystems Verbesserungen erzielt werden? Wie müsste zusätzliche Unterstützung der Abgeordneten ausgestaltet werden, um qualitätsstärkend zu wirken? Welche Rahmenbedingungen braucht die Landtagsführung, um dem Arbeitsumfang und der Verantwortung gerecht werden zu können?

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Der Staat ist Dienstleister am Volk. Für Volksvertreter muss es daher oberstes Gebot sein, im Sinne des Volkes und zum Wohle des Volkes tätig zu sein. Am Staatsfeiertag dürfen wir uns aber auch in Erinnerung rufen, dass wir alle der Staat sind. Es reicht nicht, alle vier Jahre zwei Dutzend Vertreter zu wählen, diese ihrer Arbeit zu überlassen und gelegentlich Unmut zu verbreiten. Aktive Mitarbeit in der Gestaltung unseres Staatswesens ist erwünscht. Beteiligen Sie sich an den Informationsveranstaltungen und Gesprächen, die von Behörden und Parteien angeboten werden. Teilen Sie Ihre Meinung mit. Das Ohr wirklich beim Volk zu haben, ist für Mandatare schwierig, wenn sie sich nur auf Kommentare der ewig gleichen Leserbriefschreiber abstützen können. Ich ermuntere Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, aktiv an der Gestaltung unseres Staatswesens mitzuwirken. An politischer Arbeit und Gestaltungspflicht fehlt es uns nicht:

Im Gesundheitswesen muss eine bedarfsgerechte Ausrichtung des Landesspitals umgesetzt werden, die ein wirtschaftliches Überleben ohne staatliche Millionenspritzen ermöglicht. Die Gesundheitskosten für die Bevölkerung so tief als möglich zu halten, bleibt prioritäres Anliegen.

Ein erstklassiges Bildungswesen ist unser wichtigster Erfolgsgarant. Dieser Erfolg steht oder fällt mit der Qualität der Lehrpersonen. Einzelne Verwerfungen im Lohngefüge, die unweigerlich Qualitätsverluste nach sich ziehen werden, sind rasch zu korrigieren. Auch muss eine verbindliche Strategie zu Schulorten und Schulbauten verabschiedet werden. Dabei ist auf ausgeglichene Berücksichtigung der Landesteile zu achten.
Der Landesverwaltung hat in Bezug auf Qualitätssicherung die gleiche Aufmerksamkeit zu gelten. Der Staat muss, um seine hochanspruchsvollen Aufgaben wahrnehmen zu können, auf allen Ebenen ein konkurrenzfähiger Arbeitgeber sein.
Die Neuausrichtung und Umstrukturierung des Finanzplatzes geht weiter. Dieser Prozess muss umsichtig begleitet und unterstützt werden. Dies, um vielen Menschen im Lande ihre Arbeitsplätze zu sichern und auch, um die in Krisenzeiten so wichtige Diversifikation unserer Wirtschaft zu gewährleisten.

Die rasant fortschreitende Digitalisierung ist ebenso Herausforderung wie Chance. Ob es uns passt oder nicht: Künftig wird sich alles im digitalen Raum wiederfinden. Wir sind gefordert, die Transformation mit erstklassiger Infrastruktur zu unterstützen, um den digitalen Wandel in führender Position mitgehen zu können.
In der Familienpolitik müssen wir einen erheblichen Schritt weiterkommen. Die Familie ist und bleibt die wichtigste Zelle unserer Gemeinschaft. Eine liberale Gesellschaft muss verschiedene Familienmodelle unterstützen und individuelle Wahlfreiheit ermöglichen.

Und schliesslich mein jährliches Credo: Arbeit muss sich lohnen! Die herausragende Qualität unseres Volkes ist es, fleissig und strebsam zu sein. Diese Qualität dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Es ist richtig und wichtig, für einen sozialen Ausgleich unter den Einkommensschichten zu sorgen. Dies soll aber ausschliesslich über unterschiedlich hohe Steuerbelastungen erfolgen. Zusätzliche einkommensabhängige Belastungen an allen Ecken und Enden schädigen den so wichtigen Mittelstand und sind zu vermeiden.

Liebe Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner

Wie schon gesagt, bald dürfen wir unseren Geburtstag feiern. 300 Jahre. Wir haben guten Grund, auf unser Staatswesen stolz zu sein. Das werden wir auch gebührend feiern. Zeigen wir, dass wir glücklich und dankbar sind, in dieser unserer wunderbaren Heimat leben zu dürfen. Und zeigen wir, dass wir wie unsere Vorfahren entschlossen und zuversichtlich daran arbeiten, unseren Nachkommen eine ebenso lebenswerte Heimat zu hinterlassen. Unsere Gemeinden wollen der Bevölkerung einen Jubiläumsweg durch alle elf Liechtensteiner Gemeinden und eine verbindende Hängebrücke schenken. Die Kosten für die Hängebrücke betragen etwa 0,4 % der Jahresausgaben der Gemeinden oder rund einen Tausendstel der Jahresausgaben von Land und Gemeinden. Der Jubiläumsweg wird gedanklich durch dreihundert Jahre gelebter Geschichte führen und wird uns als bleibende Erinnerung in die Zukunft begleiten. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle unser Jubiläum und unsere Zusammengehörigkeit in Feststimmung feiern wollen und feiern werden.

„Klein aber fein“ ist die Devise unseres Landes. Mit gezieltem Einsatz unserer Institutionen und Mittel haben wir uns internationale Achtung erworben. In einem sich neu orientierenden Europa und in einem internationalen Umfeld mit vielen Krisenherden ist innerer Zusammenhalt essenziell, wenn wir unseren Platz in der Welt und in der Geschichte behaupten wollen. Geben wir jenen wenig Gewicht, deren einzige Strategie für unser Land es ist, Unzufriedenheit zu säen. Geben wir vielmehr der Zufriedenheit und Dankbarkeit für ein uns gütig gesinntes Schicksal eine Stimme. Stellen wir das Verbindende über das Trennende und vertrauen wir auf unsere visionäre Kraft, die uns so weit gebracht hat.

Am heutigen Staatsfeiertag danke ich allen, die zum guten Gelingen beitragen. Den Organisatoren, den Sicherheitskräften, der Trachtenvereinigung und allen anderen Mitwirkenden beim Volksfest, beim Fackelzug, bei den Höhenfeuern und beim Feuerwerk. Ein herzlicher Dank auch an die Harmoniemusik meiner Heimatgemeinde Schaan für die musikalische Begleitung des heutigen Staatsaktes.

Liebe Festgäste

Lassen Sie mich mit einem Zitat schliessen: „Unsere Heimat auf Erden ist eine Filiale des Himmels.“ Ich wünsche Ihnen allen einen beglückenden, fröhlichen Festtag und Gottes Segen.

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15. August 2016

Landtagspräsident Albert Frick


Ansprache des Landtagspräsidenten Albert Frick anlässlich des Staatsfeiertages 2016

Es gilt das gesprochene Wort.

Durchlauchter Landesfürst
Durchlauchte Landesfürstin
Durchlauchter Erbprinz
Königliche Hoheit
Durchlauchten
Geschätzte Mitglieder von Regierung und Landtag
Exzellenzen
Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner
Liebe Gäste

 

Sie kennen wohl alle den Scherz, wer die ersten Politiker waren: „Die Heiligen Drei Könige! Sie legten die Arbeit nieder, zogen hübsche Gewänder an und gingen auf Reisen.“ Als Politiker muss man die Legislaturperiode nutzen, um solchen Vorurteilen zu begegnen. Die Legislaturperiode ist die Zeitdauer, die einem zur Verfügung steht, um anstehende Probleme zu lösen und sich einen guten Leistungsausweis zu verschaffen. Wieder einmal stehen wir kurz vor dem Ende einer solchen Legislaturperiode. Gestatten Sie mir einen Blick zurück.

Liechtenstein stand vor 4 Jahren vor einer Situation, die neu und beunruhigend war. Der Staatshaushalt war in beängstigendem Masse aus dem Gleichgewicht geraten. Die Verunsicherung in der Bevölkerung war allenthalben spürbar und hat zu einem für Liechtenstein völlig ungewohnten Wahlverhalten geführt. Die neue Regierung und der neue Landtag hatten eine schwierige und unangenehme Aufgabe zu übernehmen. Den Staatshaushalt zu sanieren, heisst auch sparen und Sparbemühungen treffen uns alle. Ob schwierig oder unangenehm, es blieb keine Wahl, die Aufgabe war zu lösen. Dies im Interesse von uns allen. Heute sieht die Situation erfreulicher aus. Der Landtag konnte in seiner letzten Sitzung eine ausgeglichene Jahresrechnung genehmigen, ausgeglichen auch im Betriebsergebnis. Dies dank konsequenter Ausrichtung der politischen Massnahmen auf das angestrebte Ziel. Ich bedanke mich bei den Mitgliedern von Regierung und Landtag für das gemeinsame Handeln. Unser Schiff kreuzt wieder in ruhigeren Gewässern. Wir dürfen den Blick optimistischer gestimmt nach vorne richten.

Mit den Landtagswahlen im kommenden Februar werden die Staatsorgane neu bestellt. Ich möchte Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ermuntern, auch Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Ich hoffe, dass sich viele von Ihnen für eine Kandidatur oder für eine sonstige Beteiligung zur Verfügung stellen. Unser Staatswesen ist auf die Mitarbeit Vieler angewiesen.

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. In der nächsten Legislaturperiode steht ein aus staatspolitischer Sicht bedeutendes Ereignis an. Im Jahre 2019 werden wir 300 Jahre Fürstentum Liechtenstein feiern dürfen. Am 23. Januar 1719 wurden die Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz von Kaiser Karl VI. zu einem unmittelbaren Reichsfürstentum mit dem Namen Liechtenstein erhoben. Das neue Fürstentum Liechtenstein wurde 343. Mitglied des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Es war dies die eigentliche Geburtsstunde unserer Heimat. Wir dürfen uns mit Stolz und Freude auf das grosse Jubiläum vorbereiten. Es wird dies eine grossartige Gelegenheit sein, um Zusammengehörigkeit, Heimatbewusstsein und Heimatverbundenheit zu stärken und vertieft zu empfinden.

Genauso eine Gelegenheit bietet auch der heutige Staatsfeiertag. Heimat ist die Gemeinschaft der Gefühle. Oder, wie George Moore, ein irischer Schriftsteller, es einst zum Ausdruck brachte: „Der Mensch bereist die Welt nach dem, was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.“

Auf der Suche nach Glück würde ich mich auf die Suche nach einem Land machen, in dem Meinungsfreiheit herrscht, in dem ich heiraten darf, wen ich will. Ein Land, das mir Bildungschancen eröffnet und mir gute Möglichkeiten bietet, einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Ein Land mit tiefen Steuern und hoher sozialer Absicherung. Ein Land mit aussergewöhnlichen landschaftlichen Schönheiten und einem reichen Kultur-, Freizeit- und Sportangebot. Ein Land, in dem ich in Sicherheit leben kann. Ein Land, in dem für mich gesorgt würde, wenn ich krank oder mittellos würde. Ein Land mit fröhlichen, anständigen und geselligen Menschen. Meine Suche würde mich wohl nach Liechtenstein, nach Hause, führen.

Unser Land hat mit den höchsten Lebensstandard in Europa und mit Sicherheit auch einen der höchsten weltweit. Die Frage sei erlaubt: Sind wir uns dessen noch bewusst? Sind wir dankbar genug für ein Schicksal, das uns wohlgesinnt ist? Oder lassen wir uns nicht allzu gerne Unzufriedenheit einreden? Wir müssen in unserer Geschichte nicht weit zurückgreifen, um in eine Zeit zu geraten, in der die Bevölkerung ganz andere Sorgen hatte: Wie soll ich die elementarsten Bedürfnisse meiner Familie befriedigen? Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf? Einem grossen Teil der Menschheit stellen sich diese Fragen auch heute noch täglich. 800 Millionen Menschen weltweit kämpfen gegen das Verhungern. Sie würden das Leben hierzulande ohne zu zögern als Paradies auf Erden bezeichnen. Unzählige andere, die in bescheidensten Verhältnissen leben, würden dies ebenfalls tun.

Wir dürfen in Liechtenstein mit Genugtuung auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte blicken. Sie fussen auch auf unseren gesellschaftlichen Werten. Unsere fleissige, strebsame und gut ausgebildete Bevölkerung, unser innovatives Unternehmertum und unsere Staatsführung, die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist, bilden die Basis für unsere erfolgreiche Gemeinschaft. Es besteht im liechtensteinischen Volke das uneingeschränkte Einvernehmen, dass wir diese Errungenschaften erhalten und unserem Land eine gute Zukunft sichern wollen.

Von was aber ist die gute Zukunft des Landes abhängig? In allererster Linie von Stabilität. Politische Verlässlichkeit und geordnete Staatsfinanzen sind die entscheidenden Faktoren für künftiges Wohlergehen. Die wichtigste Botschaft, die wir der Welt über uns vermitteln können, ist Stabilität. Liechtenstein soll als ein geordnetes, politisch verlässliches Staatswesen wahrgenommen werden können. Dafür müssen wir Sorge tragen. Wir leben in einem Land, dessen Industrie ausschliesslich exportorientiert ist und dessen Dienstleister ihr Angebot an alle Welt richten. Um in dieser Ausgangslage bestehen zu können, ist nach aussen erkennbare Stabilität ein und alles. Die unlängst ausgestellte Bestnote für Liechtenstein mit der Bestätigung des Triple-A-Ratings zeigt, dass wir auf gutem Weg sind. Tragen wir Sorge dafür, dieses für uns so wichtige Gütezeichen von innerstaatlicher Stabilität nicht zu gefährden.

 

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner

Wir dürfen ob unserer Privilegien glücklich sein. Vergessen wir aber nicht jene Milliarden von Menschen, die von Zuständen, die uns heute vertraut sind, nicht einmal zu träumen wagen. Solidarität, um etwas Ausgleich auf der Welt zu schaffen, soll uns Verpflichtung sein.

Aber haben wir auch den Mut und die Stärke, für unsere Staatsordnung und für unsere Werte einzustehen. Wir sind eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage; die Staatsgewalt ist im Fürsten und im Volke verankert. Das ist ein Eckpfeiler unserer Identität und unseres staatlichen Selbstverständnisses. Und haben wir den Mut, für unsere christlichen Wurzeln einzustehen. Auch dies ist ein Eckpfeiler unserer Identität und unseres gesellschaftlichen Bündnisses. Tragen wir Sorge für die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Es gilt viele Aufgaben der innerstaatlichen Organisation zu bewältigen. Wir haben uns aber auch vielen Herausforderungen zu stellen, die von aussen an uns herangetragen werden:

Denken wir an die Veränderungen, die sich in der Europäischen Union ergeben können.

Denken wir an die Verunsicherung, die Europa nach den jüngsten Terroranschlägen heimsucht.

Denken wir an die kriegerischen Auseinandersetzungen am Rande unseres Kontinentes, die Flüchtlingsströme ungeahnten Ausmasses auslösen.

Denken wir an das schwierige wirtschaftliche Umfeld, das sich durch internationale Regulierungsanforderungen und durch die Frankenstärke ergibt.

Als Kleinstaat haben wir den Vorteil der kurzen Wege, um unter Einbezug aller Kräfte schnell und konsequent agieren zu können. Schnelles und konsequentes Handeln ist gefordert, wenn wir uns in diesem anspruchsvollen Umfeld gut behaupten wollen. Der heutige Staatsfeiertag soll uns Anlass sein, für ein überzeugtes Ja zu unserem Staatswesen und zu unseren Werten einzutreten. Einheit macht stark. Liechtenstein ist unser Heimatland, das wir uns mit all unseren Kräften bewahren wollen.

Ich danke an dieser Stelle unseren Einwohnerinnen und Einwohnern für ihren Einsatz im Dienste unserer Gemeinschaft. Im Laufe eines Jahres dürfen wir immer wieder aufs Neue erleben, wie viele Menschen sich für das Gemeinwohl einsetzen und das Miteinander pflegen. Auch am heutigen Festtage dürfen wir dies erfahren und ich danke allen Beteiligten von Herzen für ihr Mitwirken. Auch danke ich der Fürstlichen Familie für die Einladung, sich anschliessend im Schlossgarten zum gemütlichen Beisammensein einzufinden.

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner, liebe Gäste

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen, beglückenden Staatsfeiertag und Gottes Segen.

 

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15. August 2015

Landtagspräsident Albert Frick


Ansprache des Landtagspräsidenten Albert Frick anlässlich des Staatsfeiertages 2015

Es gilt das gesprochene Wort.

Durchlauchter Landesfürst
Durchlauchte Landesfürstin
Durchlauchter Erbprinz
Königliche Hoheit
Durchlauchten
Geschätzte Mitglieder von Regierung und Landtag
Exzellenzen
Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner
Liebe Gäste

Bei der Eröffnung des Landtages im Januar dieses Jahres habe ich in Erinnerung gerufen, dass vor 75 Jahren der erste Staatsfeiertag begangen wurde. Auch habe ich Liechtenstein Marketing ermuntert, den diesjährigen Staatsfeiertag in diesen Zusammenhang zu stellen. Dies in der Überzeugung, dass es bei der Bewältigung heutiger und zukünftiger Aufgaben hilfreich ist, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen.

Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges war im Jahre 1940 die Ungewissheit über die Zukunft des Landes gross. Die Anhänger des Nationalsozialismus suchten den Anschluss an das Deutsche Reich und die Regierung empfand eine patriotische Einigkeitskundgebung als dringend notwendig. Die Entscheidung für einen Staatsfeiertag fiel daher in aller Eile, dieser sollte kirchlich und weltlich sein. Durch die Verbindung von Maria Himmelfahrt und dem Geburtstag des Fürsten Franz Josef II. wurde genau dieser Symbolik entsprochen. Der Staatsfeiertag sollte in allen Gemeinden zum Ausdruck des Willens zur politischen Unabhängigkeit und der Treue zur Heimat und zur Monarchie werden.

Wie ernst und unsicher die Lage im Lande war, zeigt sich darin, dass in der Nacht zum 15. August 1940 zum ersten Mal Fliegeralarm im Rheintal ertönte. Aber auch darin, dass am ersten Staatsfeiertag, parallel zu den Höhenfeuern der Pfadfinder, oberhalb des Meierhofs ein acht Meter hohes Hakenkreuz entfacht wurde. Eine Stärkung der nationalen Geschlossenheit und des Willens zum Erhalt der Heimat tat not. Der von patriotischer Gesinnung getragene Staatsfeiertag erwies sich als probates Mittel, um diesem Ziel näher zu kommen. Das Fürstenfest wurde in der Folge jedes Jahr am 15. August wiederholt.

Fünf Jahre nach der ersten Austragung wurde genau am liechtensteinischen Staatsfeiertag die Kapitulation Japans verkündet, womit der 2. Weltkrieg endgültig beendet war. In Europa war die Kapitulation schon am 7. Mai erfolgt. Die Zeit der Gefahr war vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung an den Kampf um den Erhalt unseres Staatswesens, an die kraftspendende Verbundenheit von Fürst und Volk und an die herausragende Bedeutung der damals blühenden Pfadfinderbewegung im Ringen um inneren Zusammenhalt.

Einige Inserate, die im Jahre 1940 die Kundmachung der Regierung zum Staatsfeiertag umrahmten, können uns heutzutage erheitern, lassen aber auch die Lebensumstände der damaligen Zeit erahnen:

So zeigt die Ausschreibung des Arbeitsmarktes Vaduz (Tel. Nr. 12) ein nicht gerade berauschendes Angebot: „Gesucht 1 Melker zu 12 - 14 Kühen nach Ragaz, Dauerstelle, 100 Fr. Lohn, und 4 – 5 Maler für längere Zeit nach Lindau.“

Der Metzgerverband liess in den Zeitungen verlauten:
„Wegen des grossen Papiermangels werden die löblichen Hausfrauen gebeten, beim Einkauf richtige Taschen mitzubringen.“

Eine Mitteilung der Fürstlichen Regierung mit dem fetten Titel „Warnung an die Lastwagenbesitzer“ lässt auf ideenreiche Geschäftstätigkeit schliessen: „Wiederholt ist in letzter Zeit festgestellt worden, dass die Lastwagenbesitzer Personen auf der Ladebrücke als zahlende Passagiere mitführen. Die fürstliche Regierung sieht sich veranlasst, darauf hinzuweisen, dass in jedem festgestellten Falle gerichtliche Bestrafung erfolgt.“

Recht aussagekräftig sind auch zwei Inserate des Maseschawirtes:
„Ausflügler! Erreichen Sie auf staubfreier Autostrasse Masescha!“
Und derselbe Wirt ein paar Wochen später:
„Ausflügler! Wer kein Benzin mehr hat, macht eine Fusswanderung über Wildschloss nach Masescha!“

Geschätzte Gäste,

75 Jahre sind seither vergangen. Im Vergleich mit der Geschichte der Menschheit ein Wimpernschlag, ein Nichts. Und doch haben sich in dieser Zeit unser Land und die liechtensteinische Gesellschaft in einer Art verändert, die auch in kühnsten Vorstellungen undenkbar gewesen wäre. Lassen Sie mich dies an ein paar wenigen Beispielen verdeutlichen:

Mitten im Schaaner Dorfzentrum stand eine mechanische Werkstätte, in der ein paar Dutzend Mitarbeiter tätig waren. Aus dieser Werkstätte ist im Laufe der Jahrzehnte ein Weltkonzern gewachsen, der mehr als 20‘000 Mitarbeitende beschäftigt.

Das Telefonverzeichnis der Gemeinde Schellenberg wies genau zehn Anschlüsse auf. Heute zählt man in einer einzigen Schulklasse die doppelte Anzahl Telefone.

Die meisten Familien waren in erster Linie Selbstversorger, die von dem lebten, was Feld und Stall hergaben.

Lehrpersonen mussten in einer Schulklasse zum Teil bis zu 60 Schüler unterrichten. Höhere Bildung war nur einem verschwindend kleinen, männlichen und im Regelfall betuchten Kreis zugänglich.

Die Bevölkerungszahl lag unter der Hälfte des heutigen Standes.

Die Suche nach Arbeit und Glück im Ausland war für junge Menschen eine ständige Verlockung.

Wie anders sieht unsere heutige Welt doch aus. Dem Aufschwung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wird nur die Bezeichnung Wirtschaftswunder gerecht. Liechtenstein heute, das heisst: Ein grossangelegter Industriesektor mit mehreren Weltkonzernen, ein Finanzplatz mit internationaler Ausrichtung, eine riesige Dichte an KMUs, ein hervorragendes Bildungssystem und eine moderne Gesellschaft. Die Anzahl Arbeitsplätze im Land ist in etwa identisch mit der Anzahl Einwohner, täglich pendeln 20‘000 Arbeitskräfte ins Land. Eine stabile Staatsordnung, aber auch glückliche Umstände und eine fleissige und immer besser ausgebildete Bevölkerung haben uns einen niemals vorstellbaren Wohlstand erreichen lassen.

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner,

Die Frage sei erlaubt: Hat uns das alles glücklicher gemacht? Wer eine Ahnung von der Mühseligkeit der damaligen Zeit hat, wird mit einem überzeugten JA antworten. Aber es gibt Stimmen, die den Preis des immer fortschreitenden Wachstums als zu hoch erachten. Kinder haben nicht mehr hinter jedem Haus eine grosse Wiese, auf der man auf Bäume klettern oder Fussball spielen kann. Der Preis für ein kleines Grundstück und ein darauf erbautes Eigenheim entspricht heute dem halben Lebenslohn eines durchschnittlich verdienenden Berufstätigen. Auch bereitet die sich immer weiter öffnende Einkommens- und Vermögensschere Sorgen.

Wir müssen uns sehr ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wohin die Reise gehen soll. Wie soll das Fürstentum Liechtenstein am hundertsten Staatsfeiertag aussehen?

Unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Heimat zu erhalten, muss unsere erste Aufgabe sein. Auch müssen wir dafür besorgt sein, einen breiten Mittelstand zu bewahren, d.h. möglichst vielen Menschen Eigentumsbildung zu ermöglichen. Eine der grossen Herausforderungen, denen sich unser Kontinent und damit auch unser Land derzeit gegenüber sehen, sind die gewaltigen Flüchtlingsströme und die damit verbundenen Dramen. Und das ist erst der Anfang. Die UNO geht in ihrer jüngsten Studie davon aus, dass die Weltbevölkerung in 25 Jahren neun Milliarden übersteigen wird. Die Bevölkerung Afrikas soll sich in dieser Zeit verdoppeln. Dann werden vier Mal mehr Menschen auf dem Planeten leben als im Jahre 1940. Man kann nur erahnen, welch gewaltige Menschenbewegungen hin zu Arbeit und Nahrung dies auslösen wird.

Damit komme ich zum Ausgangspunkt meiner Ansprache. Das Zusammengehen der beiden Souveräne Fürst und Volk, der innere Zusammenhalt und das gemeinsame Wirken aller guten Kräfte im Land waren in gefahrvoller Zeit unsere Erfolgsfaktoren. Diese Werte sind heute genauso erstrebenswert und nützlich wie damals. Und so wird es auch in Zukunft sein.

Durchlauchten, liebe Landsleute, liebe Gäste

Ohne zu zögern wage ich eine Prognose: Den Staatsfeiertag wird es auch in 25 Jahren noch geben. Für die meisten Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner ist dies ein Tag der Freude, der Verbundenheit und der Glücksgefühle. Heute wollen wir uns uneingeschränkt unserer schönen Heimat erfreuen. Danach wollen wir damit fortfahren, verantwortungsbewusst die Zukunft unseres Landes zu gestalten. Eine Zukunft, in der persönliche Entfaltung, Gerechtigkeit, Lebensqualität und Lebensfreude ihren Platz haben.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Festtag und Gottes Segen.

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15. August 2014

Landtagspräsident Albert Frick


Ansprache des Landtagspräsidenten Albert Frick anlässlich des Staatsfeiertages 2014

Es gilt das gesprochene Wort.

Durchlauchter Landesfürst 
Durchlauchte Landesfürstin
Durchlauchter Erbprinz
Königliche Hoheit
Durchlauchten
Geschätzte Mitglieder von Regierung und Landtag
Exzellenzen 
Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner
Liebe Gäste


„Metanand a Land“. Der Slogan des diesjährigen Staatsfeiertages gefällt mir. Er drückt das aus, was ich oft in Erinnerung rufe. Das Erfolgsmodell Liechtenstein fusst auf dem Willen der Einwohnerinnen und Einwohner, unseren Staat als gemeinsame Aufgabe, als gemeinsames Anliegen zu verstehen. Und es fusst auf der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden Souveräne, dem Fürstenhaus und dem Volk. Mit diesem Verständnis von „Metanand a Land“ wollen wir heute gemeinsam und ausgiebig feiern.

Auch wenn unser Land auf dem Papier angeblich etwas kleiner wird. Durch den Entscheid, die Landesvermessung auf ein GPS-gestütztes System umzustellen, soll sich unsere Landesfläche um 0.1 Hektaren verringern, obschon sich an der wirklichen Fläche nichts ändert. In einer Pressemitteilung hiess es dazu, dass die neue Vermessungsmethode auch Folgen für das Verhältnis zum Nachbarland Schweiz habe. Die Distanz zwischen Vaduz und Bern vergrössere sich. Auf den ersten Blick eine eher beunruhigende Nachricht. Ich war daher dankbar, vor 1 ½ Monaten den Präsidenten des Schweizerischen Nationalrates in Liechtenstein als Gast empfangen zu dürfen. Wir stellten gemeinsam fest, dass die zunehmende Entfernung lediglich einen halben Meter beträgt, rein rechnerischer Natur ist und keinerlei politischen Zusammenhang hat. Ganz im Gegenteil: 90 Jahre nach Inkrafttreten des Zollvertrages wurden die freundschaftlichen Beziehungen gegenseitig aufs Herzlichste bestätigt und bekräftigt. Bei der Besichtigung des Originalvertrages im Landesarchiv berührte uns der Wortlaut der Präambel zum Zollvertrag ganz besonders. Er lautet:

„Vom Wunsche beseelt, die zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein bestehenden freundschaftlichen Beziehungen fester und inniger zu gestalten, …“

Diese von aufrichtiger Herzlichkeit geprägte Wortwahl ist auch heute noch Leitlinie für das Zusammengehen mit unserem wichtigsten Partner. Der Zollvertrag mit der Schweiz bildete die Grundlage für die gute wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes. Auch wenn zu Vertragsbeginn zumindest ein Berufszweig keineswegs glücklich über die neue Ausrichtung war, nämlich das nicht ganz so ehrenwerte Schmugglergewerbe, dessen Dienste überflüssig wurden.

Mit dem Zollvertrag habe ich ein Jubiläum angesprochen. Die Entstehung und die Entwicklung unseres Landes bringen es mit sich, dass immer wieder Gedenktage anstehen.

Am heutigen Nationalfeiertag dürfen wir zwei Jubiläen aus dem Fürstenhause besondere Beachtung schenken: Im Jahre 1989, vor 25 Jahren also, haben Sie, Durchlauchter Landesfürst, die Aufgabe als Staatsoberhaupt übernommen, nachdem Sie zuvor schon während fünf Jahren in Stellvertretung Ihres Vaters die Hoheitsrechte ausgeübt hatten. Es wäre am heutigen Tage verfrüht, Ihre Regierungszeit umfassend zu würdigen. Gestatten Sie mir aber, Ihre herausragenden Impulse auf dem Gebiete der Aussenpolitik zu erwähnen, die 1990 zum UNO Beitritt und 1995 zum Beitritt in den EWR führten. Diese Meilensteine in der Geschichte Liechtensteins, die die Souveränität unseres Landes nachhaltig stärkten, werden immer mit Ihrem Namen verbunden sein. Es mag Zufall sein, dass der Beginn Ihrer Regierungszeit fast auf den Tag genau mit dem Fall der Berliner Mauer zusammenfiel. Aber es mag auch Symbol sein. Die damalige weltpolitische Veränderung war vom Fürstenhaus bereits zu einem Zeitpunkt vorausgesagt worden, als noch kaum jemand ein solches Ereignis für möglich hielt. Weitsicht und langfristiges Denken waren es denn auch, die Ihre Regierungszeit in besonderer Weise prägten.

Vor genau 10 Jahren haben Sie Seine Durchlaucht Erbprinz Alois mit der Ausübung der Hoheitsrechte des Fürsten betraut. S.D. der Erbprinz nimmt die Hoheitsrechte seither mit dem ihm eigenen Charme und mit grossem Verantwortungsbewusstsein wahr. Im Lande herrscht längst die Gewissheit, dass das Fürstenhaus auch weiterhin Herausragendes für das gute Gedeihen unseres Landes leisten wird. Ich darf heute, auch im Namen des liechtensteinischen Volkes, die Verdienste des Fürstenhauses um unsere Heimat aufs Herzlichste verdanken.

Wenn ich einen Blick nach vorne werfe, so zeichnet sich ein Jubiläum ab, das die Verbindung von Land und Fürstenhaus in einzigartiger Weise abbilden wird. In fünf Jahren werden wir 300 Jahre Fürstentum Liechtenstein feiern können. Dem Kauf der Herrschaft Schellenberg im Jahre 1699 und dem Kauf der Grafschaft Vaduz im Jahre 1712 folgte 1719 die Erhebung der beiden Gebiete zum Reichsfürstentum Liechtenstein. Nachdem Unterländer und Oberländer ihre 300 Jahre schon ausgiebig gefeiert haben, bietet sich der Slogan „Metanand a Land“ geradezu an, auch den Beginn unserer gemeinsamen Geschichte als Fürstentum Liechtenstein gebührend zu feiern und schon bald die Vorbereitungen für würdige Festlichkeiten an die Hand zu nehmen.

Wenn wir Liechtensteiner stolz sind auf unser Land, so sind wir auch stolz auf jene Mitbürgerinnen und Mitbürger, die unserem Land in besonderer Weise zur Ehre gereichten. So möchte ich am heutigen Nationalfeiertag auch an den Komponisten Josef Gabriel Rheinberger erinnern, der vor 175 Jahren geboren wurde. Schon mit sieben Jahren spielte der junge Rheinberger in Vaduz die Orgel und improvisierte wie ein Grosser. Nach der Ausbildung am Münchner Konservatorium gehörte er zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit. Als Kompositionslehrer wurde er zu einer Kapazität von internationalem Rang. 
Zahlreiche Auszeichnungen und die Verleihung des Ehrendoktorates der Universität München spiegeln den Erfolg dieses grossen Sohnes unserer Heimat.

Ein Gedenktermin der wenig erfreulichen Art ist derzeit in den Medien allgegenwärtig. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges vor genau 100 Jahren. Unser Land war nicht direkt in die kriegerischen Auseinandersetzungen eingebunden, war aber von den Auswirkungen in hohem Masse betroffen. Der totale Zusammenbruch der in unserem Land gültigen österreichischen Krone kostete unserem Lande geschätzte 25 Millionen Schweizerfranken. Das war das gesamte Staatsvermögen. Die Industriebetriebe, damals alle baumwollverarbeitend, mussten während des Krieges schliessen. Die Arbeit wurde immer knapper, die Lebensmittelversorgung bereitete grösste Schwierigkeiten, die Bevölkerung litt Hunger.

Wer kann sich 100 Jahre später noch vorstellen, dass in diesem Land Hungersnot herrschte? Man kann es sich weder vorstellen, noch kann man es jemals wieder wollen. Das Blatt hat sich auf die Wohlstandsseite gewendet. Glücklichere Umstände sowie eine kluge Politik sorgten dafür. Die Politik war sich bewusst, wie wichtig die Förderung von persönlicher Eigentumsbildung ist. Sie schuf Anreize, im Leben etwas erreichen zu können. Und die fleissige, lern- und arbeitswillige Bevölkerung wusste die Voraussetzungen über Jahrzehnte hinweg bestens zu nutzen. Ich meine, dass die Politik auch heute zu Selbstverantwortung ermutigen und Eigentumsbildung fördern muss, damit uns ein breiter Mittelstand erhalten bleibt. Das ist der beste Garant für sozialen Frieden.

Liebe Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner

Nicht nur am heutigen Nationalfeiertag, sondern weit darüber hinaus sind wir „Metanand a Land“. Wir alle sind Liechtenstein. Wir alle wollen Sorge zu unserem Staatswesen tragen. Das Zusammenwirken der Generationen ist dabei besonders wichtig. Weil es Teil unseres Menschseins ist, erst dieser und später jener Generation anzugehören. Weil wir zusammen ein Ganzes bilden. Die Solidargemeinschaft der Generationen auszuhöhlen, wäre fatal.

Es gäbe noch vieles zu erwähnen, was das Metanand ausmacht. Lassen Sie mich eines hervorheben. Die kleinste Zelle, die Familie. 
Nichts ist vergleichbar mit der Kraft, die in diesem Ort des Wohlbefindens und der Geborgenheit entsteht. Die Familien sind tragender Pfeiler unserer Gesellschaft und verdienen unsere Unterstützung. Starke Familien stärken den Staat.

Liebe Festgemeinde

Besinnen wir uns am heutigen Staatsfeiertag auf die Kraft unserer Gemeinschaft. Gönnen wir uns Zuversicht. Gönnen wir uns Mut. Freuen wir uns über all das, was unseren Zusammenhalt und unsere Lebensfreude stärkt.

Ich wünsche Ihnen ein herrliches Fest und Gottes Segen.

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20. August 2013

Landtagspräsident Albert Frick


Rede des Landtagspräsidenten Albert Frick zum Staatsfeiertag 2013

Durchlauchter Landesfürst

Durchlauchte Landesfürstin

Durchlauchter Erbprinz

Königliche Hoheit

Durchlauchten

Geschätzte Mitglieder von Regierung und Landtag

Exzellenzen

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner

Liebe Gäste 

Der Liechtensteinische Staatsfeiertag am 15. August gehört zu uns wie der Rhein, der Föhn oder die Dreischwestern. Am heutigen Tag feiern wir all das, was uns verbindet, was unsere Identität ausmacht. Wir feiern unsere Heimat, wir feiern unsere Verbundenheit mit dem Fürstenhaus, wir feiern Liechtenstein. 

Warum gerade am 15. August? 

Ein Schüler hat einst vermutet, der Riese von Guflina habe am 15. August den Drachen erlegt. Und ein anderer wollte wissen, der starke Jörg habe an diesem Tag den schweren Stein gegen St. Luzisteig geschleppt. Das war’s wohl kaum. Auch keines der für unser Land bedeutenden historischen Ereignisse liefert die Vorgabe für das Datum des Staatsfeiertages. 

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner. Wir tun gut daran, uns den wahren Grund, warum wir gerade am 15. August feiern, immer wieder in Erinnerung zu rufen. Er hat tiefe Symbolkraft für unser Staatswesen. Fürst Franz Josef der II. hat im Jahre 1938 als erster Fürst ständigen Wohnsitz im Lande genommen. Damals, in der bedrohlichen Zeit unmittelbar vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hing das Überleben unseres Staates an sehr dünnem Faden. Die Präsenz des Fürsten war ein Signal von herausragender Bedeutung. Grosse Teile der Bevölkerung wurden in ihrem Glauben an unser Staatswesen und in ihrem Bekenntnis zur Heimat gestärkt. Man kann von der Geburt einer Willensnation Liechtenstein sprechen. 

Was lag näher, um diese Bewegung, diese innere Kraft sichtbar zu machen, als die Begründung eines Staatsfeiertages. Und was lag näher, als diesen Staatsfeiertag am Geburtstag des Fürsten, am 16. August, abzuhalten.

Pragmatisch und arbeitsam, wie man hierzulande ist, fand man die Lösung, den Staatsfeiertag einen Tag vor dem Geburtstag des Fürsten, am arbeitsfreien Feiertag Maria Himmelfahrt zu begehen. Am 15. August 1940 wurde der Staatsfeiertag zum ersten Mal gefeiert. Er wurde zum Sinnbild des Zusammenhaltes und zum Ausdruck der unverrückbaren Einheit zwischen Volk und Fürstenhaus. 

Rasch entwickelte sich das Fest am 15. August zu einer liebgewordenen Tradition, an der niemand mehr etwas ändern wollte. Nach dem Ableben von Fürst Franz Josef II. wurde im Jahre 1990 auf Gesetzesebene festgelegt, dass der Staatsfeiertag auf Dauer am 15. August gefeiert wird. So, wie das Datum nicht mehr geändert werden sollte, so haben sich auch andere Traditionen bis heute gehalten. Die Höhenfeuer, die Krone auf Tuass, der Fackelzug am Fürstensteig, die Festivitäten im Vaduzer Städtle und natürlich das spätabendliche Feuerwerk. Der Staatsfeiertag ist identitätsstiftend wie kaum etwas anderes. 

Mit dem jährlichen Staatsakt wird seine tiefere Sinnhaftigkeit zusätzlich unterstrichen. Entstanden in unruhigen, ja existenzbedrohenden Zeiten, kann uns der Staatsfeiertag auch heute darin bestärken, dass wir die anstehenden Aufgaben bewältigen können und dass es uns gelingen wird, unser Staatsschiff auf Kurs zu bringen und in eine gute Zukunft zu steuern. 

Eines ist dabei von grosser Bedeutung. Es geht um unser aller Staat. Wieder einmal ist uns Gelegenheit gegeben, ein Bekenntnis zu Staat und Heimat abzugeben, auch wenn dies mit Einschränkungen verbunden sein mag. Die zuständigen Personen in der Staatsführung haben Aufgaben zu bewältigen, bei denen keine Lorbeeren zu holen sind. Leicht könnte sich Resignation breit machen, leicht könnten statt nachhaltiger Lösungen kurzfristige Teilerfolge angestrebt werden. Dies würde unser Land nicht weiter bringen. Wir müssen unser Haus nachhaltig in Ordnung bringen und dazu braucht es die Unterstützung und das Verständnis des Volkes. Der Staatsfeiertag kann wiederum Anlass sein, Vertrauen in unser Staatswesen und Solidarität mit den Verantwortlichen zu zeigen. 

Liebe Festgemeinde 

Noch geniesst unser Land im Urteil der internationalen Gemeinschaft ein Höchstmass an Vertrauen in Bezug auf seine Stabilität und in Bezug auf gute Staatsführung. Dies ist für eine prosperierende Zukunft des Landes von äusserster Wichtigkeit. Unser Land, das vom Vertrauen in seine Dienstleistungen und vom Export seiner Produkte lebt, muss sich diese gute Ausgangslage erhalten. 

Denken wir an die Schieflage der Pensionskassa des Staatspersonals. Was für ein unglaubwürdiges Bild eines Staatswesens würden wir abgeben, wenn der Staat gegenüber seinen eigenen Angestellten in massiver Weise wortbrüchig würde. 

Oder sprechen wir vom defizitären Staatshaushalt. Ein weiterhin ungebremster Abbau der Reserven und ein Weg hin zu Verschuldung würde das Rating unseres Landes, das heisst die Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit, sehr schnell nach unten ziehen. Dies würde eine Negativspirale auslösen, deren Folgen nicht abzusehen sind. 

Es ist die grosse Herausforderung dieser Tage, dass wir unsere Aufgaben auf glaubwürdige und vertrauensbildende Weise lösen. Und wir können das, ohne dass die Lebensqualität in erheblicher Weise eingeschränkt werden muss. 

Wenn die steuerliche Belastung juristischer Personen zum Teil sehr gering ist,wenn fast die Hälfte aller natürlichen Personen eine jährliche Steuerbelastung unter 1000 Franken hat und ein Drittel der Steuerpflichtigen gar keine Steuern zu entrichten hat,wenn unsere Sozialleistungen diejenigen unserer als reich geltenden Nachbarstaaten sehr deutlich übertreffen,wenn die Beitragsleistungen des Staates in gewissen Bereichen überbordet haben, so haben wir Sanierungspotenzial, das wir ausnützen dürfen. 

Bei allen Bemühungen müssen wir aber darauf achten, dass die Solidarität mit wirklich bedürftigen Menschen nicht einbricht. Und wir müssen darauf achten, dass wir unsere Bevölkerung nicht ihrer grössten Stärke berauben, nämlich ihres Fleisses. 

Es ist eine Errungenschaft unserer fleissigen Bevölkerung, dass viele Leute im Lande in relativem Wohlstand leben können. Ich sehe, dass wir zunehmend Gefahr laufen, diese Errungenschaft aufs Spiel zu setzen. Wenn die Tendenz anhält, alles und jedes einkommensabhängig zu machen, werden wir die Menschen im Lande einer ganz entscheidenden Motivation berauben. Es darf nicht sein, dass ein Mehrverdienst in dem Masse höhere Abgaben und in dem Masse Wegfall von Beitragsleistungen nach sich zieht, dass vom Mehrverdienst kaum etwas übrig bleibt. Die Menschen im Lande wollen strebsam sein, sie wollen in Aus- und Weiterbildung investieren, sie wollen vorankommen und sie wollen im Leben etwas leisten. Und das soll sich weiterhin lohnen. 

Liebe Liechtensteinerinnen, liebe Liechtensteiner 

Wir stehen vor Aufgaben, die wir lösen müssen uns lösen können. Lassen wir uns nicht von Pessimismus leiten. Geben wir jenen Kräften, die Unzufriedenheit säen, kein Gewicht. Unser nationales Selbstgefühl und unsere soliden Werte sind Erfolgsgaranten. Ich denke an die fleissige, strebsame Bevölkerung. Ich denke an unseren Bildungswillen. Ich denke an unsere Innovationskraft. Ich denke an Charakterstärke, Liebe zur Heimat und Verbundenheit mit dem Fürstenhaus. 

Lassen wir am heutigen Staatsfeiertag einen gesunden Optimismus in uns wachsen. Nehmen wir diesen Tag zum Zeichen des Aufbruchs.  Als Willensnation können wir immer wieder Grosses vollbringen. 

Liebe Festgemeinde

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und ein wunderschönes «Förschtafäscht».

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